Eigentlich hätte Elena Walchs Berufslaufbahn ganz anders verlaufen sollen. In Mailand und Bozen aufgewachsen, studierte sie Architektur und hatte vor, sich beruflich der Baukunst zu widmen. Doch es kam anders. Durch die Heirat mit Werner Walch, der einer alten Südtiroler Weinfamilie entstammt und Inhaber der Traminer Kellerei Wilhelm Walch ist, fand sie 1985 zum Wein. Die stil- und selbstbewusste Architektin hängte ihren Beruf an den Nagel und wandte sich dem Weinbau zu. Dies notabene in einer Zeit, als das Südtiroler Weinbauwunder, das während Jahrzehnten auf der Erzeugung süffiger und preiswerter Vernatsch-Weine (Kalterersee, St. Magdalener) beruht hatte, am Kollabieren war. «Billige Massenweine waren nicht mehr länger gefragt», kommentiert Elena Walch. «Die Südtiroler Weinwirtschaft musste sich neu orientieren.»

Weltgewandte Quereinsteigerin

Sich den damit verbundenen Herausforderungen zu stellen und nach einem neuen, Erfolg versprechenden Weg zu suchen, das war ganz nach dem Geschmack der weltgewandten Quereinsteigerin. Aus dem Familienbesitz ihres Mannes übernahm sie die beiden erstklassigen Weingüter Castel Ringberg und Kastelaz samt den dazugehörenden Rebbergen und fasste sie in einem neuen Betrieb zusammen, dem sie ihren Namen gab. Eine Frau, die ein Weingut betreibt und darüber hinaus auch noch den Ehrgeiz hat, Spitzenweine zu erzeugen, das war damals im Südtirol ein Novum und erregte weit herum Aufsehen. Die stets elegant gekleidete Winzernovizin mit der markanten Designerbrille wusste ihre Chance zu nutzen, nicht nur an der publizistischen Front, sondern auch im Weinberg und im Keller.

Auf den kargen, kalkhaltigen 15 ha Rebland des hoch über dem Kalterer See gelegenen Castel Ringberg ersetzte sie den Grossteil des hier traditionell angebauten Vernatsch durch die weissen Sorten Chardonnay, Pinot grigio und Sauvignon blanc und Rheinriesling sowie durch die roten Varietäten Cabernet Sauvignon und Lagrein, der autochthonen Sorte, die in den letzten Jahren vermehrte Beachtung gefunden hat und die vor allem in und im Umland von Bozen kultiviert wird. «Es wäre damals unmöglich gewesen, mit Vernatsch-Weinen international Beachtung zu finden», kommentiert sie. «Um aus der Krise herauszukommen, gab es nur einen Weg: Sich über hochstehende Weine aus bekannten, international verbreiteten Sorten zu profilieren.»

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Rebberg komplett neu bepflanzt

Den steilen, 5 ha grossen Kastelaz-Rebhügel, der das Dorf Tramin überragt, bepflanzte sie gänzlich neu mit Gewürztraminer, Merlot, Pinot bianco und Moscato rosa. Bei den Neuanpflanzungen erhöhte sie die Pflanzdichte auf rund 7500 Stöcke pro ha und stellte bei den meisten Rebanlagen auf das im Qualitätsweinbau bewährte Guyot-Erziehungssystem um. Zusammen mit den später erworbenen kleineren Rebgütern bewirtschaftet Elena Walch heute 30 ha eigenes Rebland und erzeugt über zwei Dutzend verschiedene Weine.

Fünf Produktelinien füllt Elena Walch ab. Die Basislinie «Selezione» umfasst weisse und rote fruchtbetonte Rebsortenweine, die in der Regel im Stahltank oder im grossen Eichenfass ausgebaut werden. In der Schweiz sind sie nicht erhältlich. Neben den «Favorites», zu denen der beliebte Chardonnay «Cordellino» und der Cabernet «Istrice» gehören, sind es insbesondere die sortenreinen Cru- und Riserva-Gewächse, mit denen Elena Walch ihre gute Reputation begründete. Sowohl die Cru- wie die Riserva-Weine - letztere sind alle in Barriques ausgebaut - tragen den Gutsnamen Castel Ringberg oder Kastelaz auf dem Etikett. Als ansprechende, aber hochpreisliche Spielereien präsentieren sich die Grandes Cuvées: «Beyond the Clouds» ist eine Selektion verschiedener, jeweils gleichzeitig gelesener und gemeinsam in Barriques vergorener weisser Rebsorten, wobei der Hauptanteil auf den Chardonnay entfällt. Das Gleiche gilt auch für den roten «Kermesse», der - wie der Name andeutet - eine «wilde» Mischung aus den besten Partien so unterschiedlicher Varietäten wie Syrah, Petit Verdot, Cabernet Sauvignon, Lagrein und Merlot ist.

So solid und gut gemacht diese Weine auch sind, sie wirken gleichwohl ein wenig seelen- und heimatlos, denn sie könnten auch in manch anderem Weinbaugebiet erzeugt werden.

Kompromissloses Qualitätsstreben und eine beeindruckend hohe Konstanz zeichnen Elena Walchs Wein-Portfolio aus. Das Preisniveau der hierzulande erhältlichen Weine liegt freilich an der oberen Limite, ja mitunter jenseits der Schmerzgrenze. Schade, dass ihr ebenso preiswerter wie hervorragender Kalterersee Classico Superiore nicht in die Schweiz importiert wird. Obwohl die heutigen Vernatsch-Weine nichts mehr gemein haben mit den Massenweinen von einst, scheinen sie ihren schlechten Ruf einfach nicht los zu werden.