Ernesto Bertarelli scheint das Vorhaben, sein Biotech- und Immobilien-Imperium mit Unternehmen der Digitalwirtschaft zu ergänzen, sehr ernst zu nehmen. Jedenfalls legt er bei seinen Investments ein hohes Tempo vor. Und er investiert gezielt in Startups, die dank überlegener Technologie das Potenzial haben, etablierte Marktführer anzugreifen. So ist Bertarelli privat und über seine Beteiligungsgesellschaft Forestay Capital mit Sitz in Genf beim Cloud-Anbieter Wasabi investiert. Das Unternehmen sagt von sich, sechsmal schneller und 80 Prozent günstiger zu sein als Cloud-Primus Amazon.

Und nun hat Forestay als Lead Investor eine Finanzierungsrunde über 27 Millionen Euro für das deutsche Startup Zenjob angeführt. Zenjob ist eine digitale Jobvermittlung für studentische Aushilfskräfte und in 13 deutschen Städten aktiv. Das Unternehmen vermittelt Studis für Kurzeinsätze von Stunden oder für längere Engagements von mehrere Monaten. Doch die Vision von Co-Gründer Fritz Trott ist grösser, wie er dem "Handelsblatt" verraten hat. Er will mit Zenjob zuerst ganz Deutschland bedienen ("ein gigantischer Markt"), dann international expandieren und schliesslich nicht nur Aushilfsjobs vermitteln, sondern alle möglichen Stellen. Früher oder später wird er damit dem Schweizer Personalvermittler Adecco in die Quere kommen. Denn Adecco versucht mit diversen Neugründungen, in der Welt der Gig Economy Fuss zu fassen und für Millenial-Jobber relevant zu werden.

Der coolste Milliardär der Schweiz setzt auf den uncoolsten Gründer Berlins

Trott, der sich selbst als "uncoolsten Gründer Berlins" bezeichnet, ist sich indessen bewusst, dass Zenjob noch einen weiten Weg vor sich hat. "Wir wollen den zweiten Schritt nicht vor dem ersten machen", sagt er. Und meint damit, dass er das Geld von Bertarelli zunächst für die geplante Expansion in Deutschland verwenden wird und sich noch nicht ausmalt, die neue Adecco zu sein. Dennoch gibt er klar den Tarif durch: "Wir sind in Angriffstimmung, nicht in Schockstarre." Dabei hat der Corona-Lockdown in Deutschland auch das Geschäft von Zenjob spürbar getroffen, dann aber angekurbelt - zum Beispiel, weil Verkaufspersonal aus geschlossenen Läden plötzlich in Logitstikzentren von E-Commerce-Anbietern gefragt war.

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Forestay Capital gehört organisatorisch – wie fast alle Beteiligungsgesellschaften der Bertarellis – zum Family Office Waypoint mit opera­tivem Sitz in Genf und juristischem Sitz auf Jersey. Geleitet wird Forestay von einem alten Weggefährten Bertarellis aus Serono-Zeiten: Frederic Wohlwend. Er war IT-Chef bei Serono und nach dem Verkauf der Firma an Merck deren Digitalchef.