Diesen Dienstag hat Swiss Prime Site (SPS) den Angebotsprospekt veröffentlicht. Weshalb empfehlen Sie den Jelmoli-Aktionären, auf das Angebot von SPS einzugehen?

Michael Müller: Wir empfehlen eine Annahme, weil SPS das Angebot erhöhte und Zugeständnisse bezüglich der Integration des House of Brands und bezüglich der Mitarbeitenden machte.

Ist das Angebot nicht zu tief?

Müller: Nein, das Angebot von 8,1 SPS-Namenaktien für 1 Jelmoli- Titel lässt sich vertreten.

Aber nicht alle Verwaltungsräte haben dem Angebot zugestimmt.

Müller: Klaus R. Wecken hat noch nicht entschieden, ob er seine Aktien andienen wird.

VR Walter Fust hat vor kurzem ein Angebot von 10 SPS-Namenaktien als gerecht genannt.

Müller: Walter Fust hat nun aber mitgeteilt, dass er auf das neue Angebot von SPS eingehen werde.

Sie haben der SPS das Zugeständnis abgerungen, das Warenhaus bis mindestens Ende 2010 weiterzuführen. Weshalb nur so kurz?

Müller: Das Warenhaus soll über das Jahr 2010 weitergeführt werden. Das hat SPS uns gegenüber klar deklariert. Aber man kann ein Unternehmen nicht unlimitiert binden.

Diese Zeitlimitierung verunsichert.

Müller: Was in der Zukunft passieren wird, liegt in der Hand des künftigen Verwaltungsrats und Managements.

Durch die Fusion werden wohl Arbeitsplätze abgebaut. Wie viele Stellen sollen gestrichen werden?

Müller: Das kann ich nicht sagen. Das Angebot ist in einer viel zu frühen Phase, um Integrationsmassnahmen zu besprechen. Es existiert noch kein Integrationsplan.

Ihre Stelle wird hinfällig. Denn schliesslich braucht es ja nicht zwei Chefs.

Müller: Es ist noch gar nichts entschieden.

Rechnen Sie mit einer Kündigung?

Müller: Es braucht für die neue Gesellschaft sicher nicht zwei CEO, aber momentan operieren wir noch völlig unabhängig. Wir haben einen neuen grossen Aktionär erhalten, aber nicht mehr.

Haben Sie Einblick in die Bücher der SPS erhalten, um die Finanzierung von SPS sicherzustellen?

Müller: Wir haben genügend Einblick erhalten, um zu sehen, dass die Transaktion finanzierbar ist.

Welche Zugeständnisse haben Sie von Swiss Prime Site für Ihre Mitarbeitenden erhalten?

Müller: Wir haben die Zusicherung von SPS für unsere Mitarbeiter erhalten, dass ihre Stelle für eine gewisse Zeit einem Kündigungsschutz unterliegt.

Jelmoli ist stark in Detailhandelsimmobilien, SPS im Büroflächenmarkt. Kumulieren sich in der neuen Gesellschaft nicht die Risiken?

Müller: Jedes dieser Geschäfte für sich ist gesund und stark, insofern führt die Kombination nicht zu einer Schwächung.

Aber der Markt sieht weder bei den Büroflächen noch im Detailhandel rosig aus.

Müller: Unsere soeben publizierten Halbjahreszahlen zeigen, dass wir eine starke Steigerung der Mieterträge aufweisen, teilweise durch Integration der Tivona-Liegenschaften, teilweise durch Jelmoli-Projekte, aber auch durch unsere Umsatzmieterträge.

Der Umsatz des Warenhauses liegt aber 5,4% unter Vorjahr. Was erwarten Sie für das laufende Jahr?

Müller: Wir gehen von konservativen Erwartungen aus und rechnen mit einem negativen Umsatzwachstum im einstelligen Prozentbereich. Aber wir rüsten uns mit einer strategischen Neuausrichtung des House of Brands in Zürich für die Zukunft. Das ist gar nicht so schlecht, dass wir dies in einer Zeit der konjunkturellen Schwäche durchziehen.

Wie soll diese neue Ausrichtung des Warenhauses aussehen?

Müller: Wir überarbeiten das Konzept grundlegend. Es gibt ein grösseres Umbauprogramm, das bereits gestartet ist. Es gibt eine Verschiebung der Sortimente. So werden wir unseren Modebekleidungsmarkt stärken und neue Brands in das Warenhaus holen.

Was erwarten Sie bezüglich der Mieterlöse für 2009?

Müller: Wir rechnen mit einem Mieterlös von 220 Mio Fr. für das Gesamtjahr.