Nach dem Absturz zweier Boeing-Maschinen vom Typ 737 MAX und den Startverboten für die verbleibenden Maschinen dieser Bauart bemüht sich Konzernchef Dennis Muilenberg um Schadensbegrenzung. Er hat sich in einem offenen Brief an Fluggäste und Airlines gewandt.

Das Unternehmen verstehe, dass Leben von der Arbeit abhingen, die bei Boeing verrichtet werde, schrieb Muilenberg in einem vom US-Konzern am Montag veröffentlichten Brief. Aufgrund der Daten, die nach den beiden Abstürzen verfügbar seien, ergreife Boeing Massnahmen, um die Sicherheit der 737 MAX absolut zu gewährleisten.
 

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Boeing kooperiere mit der US-Flugaufsicht, dem Verkehrsministerium und der Behörde für Verkehrssicherheit in allen Aspekten der Abstürze beider Maschinen. «Wir verstehen und bedauern auch die Schwierigkeiten, die unsere Kunden und Fluggäste dadurch haben, dass die Maschinen am Boden bleiben», schrieb der Boeing-Chef zudem.

Bei den Abstürzen in Indonesien im Oktober und in Äthiopien vor rund einer Woche starben insgesamt 346 Menschen. Experten schliessen nicht aus, dass eine Kontrollsoftware in den Maschinen ursächlich für die Abstürze waren. Dabei geht es vor allem um des Stabilisierungssystems MCAS. Es soll bei zu steilem Flugwinkel einen Strömungsabriss verhindern, indem es automatisch die Nase der Maschine absenkt.

Grösster Schadensfall in der Luftverkehrsgeschichte?

Swiss Re gehört zu Versicherern von Boeing und Ethiopian Airlines. Das könnte die Schweizer teuer zu stehen kommen. Das jüngste Unglück könnte sich in Verbindung mit dem früheren Unglück zum grössten juristischen Schadensfall der Luftfahrtgeschichte entwickeln. Das sagt Professor Elmar Giemulla, ein Jurist, Luftfahrtexperte und Honorarprofessor für Luftverkehrsrecht. «Die Besonderheit der tragischen Abstürze ist der offensichtliche Designfehler und damit eine Produkthaftung des US-Herstellers Boeing», sagt Giemulla. Damit sei nach US-Recht ein Schadenersatzanspruch mit Bestrafungscharakter sehr wahrscheinlich. Lesen Sie mehr hier.

Insidern zufolge untersucht das US-Verkehrsministerium, ob die FAA bei der Zulassung von MCAS Fehler gemacht hat. Experten stellen zudem in Frage, ob Piloten ausreichend für das System geschult wurden. Boeing hat seinen Kunden empfohlen, die rund 350 betriebenen Maschinen vorerst am Boden zu lassen.

Zuvor hatten nationale Behörden weltweit Startverbote für das Modell verhängt, das erst seit 2017 als Konkurrent für den Airbus A320 neo am Markt ist.

(sda/ise)