Der zu Bertelsmann und Axel Springer gehörende Druckkonzern Prinovis muss einen weiteren Rückschlag verkraften. Das Magazin «Der Spiegel» lässt seinen Vertrag bei Europas grösstem Tiefdruckunternehmen zum Jahresende auslaufen, wie eine Verlagssprecherin am Montag sagte. Der «Spiegel» soll künftig im Offsetdruck vervielfältigt werden. Dieses Verfahren gilt in der Branche als flexibler und ist im Ergebnis kaum mehr vom traditionell hochwertigen Tiefdruck zu unterscheiden.

Die Entscheidung steht dem Verlag zufolge in engem Zusammenhang mit der geplanten Vorverlegung des «Spiegel»-Erscheinungstags. Spätestens im kommenden Jahr soll das Heft bereits samstags statt montags herauskommen. Als E-Paper steht das Wochenmagazin allen Lesern schon seit längerem bereits am Sonntag zur Verfügung.

25 Millionen Euro im Jahr

Das «Handelsblatt», das zuerst über die Entscheidung des Verlags berichtet hatte, bezifferte das Volumen des Auftrags auf 20 bis 25 Millionen Euro im Jahr und berief sich dabei auf Branchenkreise. Sprecher von Spiegel und Prinovis wollten sich dazu nicht äussern.

Der «Spiegel» spricht nach eigenen Angaben noch mit Offsetdruckereien über den künftigen Auftrag. Darunter ist laut «Handelsblatt» auch die Bertelsmann-Tochter Mohn Media. Am «Spiegel» ist Europas grösster Medienkonzern Bertelsmann ebenfalls beteiligt. Er hält gut 25 Prozent.

Jahrelanger Preiskampf

Prinovis hatte im vergangenen Jahr wegen mangelnder Auslastung bereits seine Druckerei im holsteinischen Itzehoe mit mehr als 1000 Beschäftigten geschlossen. Der «Spiegel» wird im benachbarten Ahrensburg und in Dresden gedruckt. In der Druckbranche tobt seit Jahren ein Preiskampf.

Angesichts der steigenden Internet-Nutzung schrumpfen die Auflagen von Zeitungen sowie Zeitschriften und Katalogen. Hochglanzmedien waren traditionell eine Domäne des aufwändigen Tiefdruckverfahrens. Als Marktführer kann sich Prinovis grössere Chancen ausrechnen als kleinere Rivalen, die reihenweise schließen mussten.

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(reuters/dbe)