Wenn Pierre-Olivier Bouée und Tidjane Thiam ihre Handys im Sekretariat deponierten, um sich auf einen ihrer Spaziergänge durch die Zürcher Innenstadt zu ­begeben, dann wussten die Kollegen in der Führungsetage im zweiten Stock, dass wohl wieder mal eines der Geheimgespräche zwischen den beiden Franzosen anstand.

Meist gings der Bahnhofstrasse entlang, durch Talacker und Talstrasse und wieder zurück. Dass Bouée und Thiam ihre Handys nicht dabeihatten, war nicht nur deshalb gut, weil sie so nicht gestört wurden, sondern auch, weil sie so vor Nachverfolgung und Abhörung sicher waren. Derlei Gedanken waren vor allem Bouée nicht fremd, der auch sonst gerne auf Geheimhaltung setzte.

Etwa indem er intern mit der Messenger-App Threema kommunizierte, weil einmal gelöschte Nachrichten nie mehr auffindbar sind, was von der Finanzaufsicht ausdrücklich verboten ist – und heute Teil der Untersuchungen gegen die Bank ist.

Gut auch, dass man auf den Spazier­gängen mal kurz nicht am Paradeplatz 8 weilte, dem Konzernsitz der CS, wo in ­einem unachtsamen Moment jemand ein paar Sprachfetzen aufschnappen könnte.

Schliesslich befand man sich in Feindesland. Da gab es einen Präsidenten, Urs Rohner, der Thiam bei der Anstellung 2015 «in die Falle gelockt» («trapped») hatte, ­indem er den Neuen zu wenig auf den in Wirklichkeit viel schlechteren Zustand der Bank aufmerksam gemacht hatte, wie die Entourage des CEO bald gegen aussen wissen liess.

Da gab es Konzernleitungskollege Iqbal Khan, Leiter der Vermögensverwaltung, der mehr oder weniger offen am Stuhl seines Chefs sägte, mit Thiam in einem privaten Nachbarschaftsstreit war und offenbar auch guten Zugang zum Präsidenten hatte.

Anzeige

Da gab es Kunden, die den CEO explizit nicht treffen wollten, was Khan seinem Chef genüsslich unter die Nase zu reiben pflegte, wie Kollegen aus der Konzernleitung wissen. Da gab es bei vielen Schweizern offenbar auch eine generelle Ab­lehnung, die Thiam, dem Mann aus der Elfenbeinküste, entgegenschlug, vor allem seit er bekannt gegeben hatte, dass er Schweizer werden wolle, wie Thiam gegenüber dem Westschweizer Fernsehen klagte.

Verlässlicher Adlat Bouée

In solch unsicheren Zeiten braucht es Leute, auf die man sich verlassen kann. Leute wie Landsmann Bouée, der engste berufliche Vertraute Thiams seit fast zwanzig Jahren. «POB», wie er intern genannt wurde und wie er sich auch selbst nannte, setzte sich mit Haut und Haar für seinen Chef ein. Und dies auch bei geringer Gelegenheit.

So wurde der Chauffeur einer Firmenlimousine laut einem Beobachter einmal übel von Bouée zusammengestaucht, weil der Mann zuerst die Türe auf Bouées Seite öffnete, statt den hinter dem Beifahrersitz platzierten Thiam zuerst aus dem Fond zu entlassen. Thiam selber hatte sich gar nicht beklagt, doch hierarchische Abläufe waren sakrosankt für Bouée.

Fast immer kamen Bouée und Thiam gemeinsam an eine Sitzung und steckten für alle sichtbar schon im Gang die Köpfe zusammen. Wenn POB ausnahmsweise schon vor seinem Chef im Sitzungsraum war, herrschte oft minutenlang Schweigen am Tisch. Nichts mit lockerem ­Geplauder unter Kollegen, Bouée starrte auf die Tischplatte und schaute niemanden an, bis er mit dem Kommen von Thiam offiziell dem CEO das Wort ­erteilen konnte.

Drei Bankinsider, die Pierre-Olivier Bouée im Rahmen ihrer Tätigkeit in der obersten Konzern­leitung direkt erlebten, berichten unabhängig voneinander von einem fast penetranten vorauseilenden Gehorsam Bouées. Mehrmals sei es vorgekommen, dass Thiam ein Traktandum aufgeworfen habe und Bouée sichtlich stolz verkündet habe: Schon erledigt! So sehr waren Denken und Handeln der beiden getaktet, dass Thiam mitunter Probleme gelöst bekam, von denen er gar nicht wusste, dass er sie hatte.

Fristlos und unehrenhaft entlassen

Das Spektrum der Aufgaben war breit und reichte von der Umsetzung von Sparmassnahmen im IT-Bereich bis hin zur Begleitung des Chefs ans Weltwirtschaftsforum in Davos. Doch seit dem 23. Dezember muss Thiam endgültig ohne seinen Ausputzer auskommen. Bouée wurde fristlos und unehrenhaft entlassen, weil ausgekommen war, dass er nicht nur die Beschattung von Iqbal Khan vom Herbst 2019, sondern auch jene von Geschäftsleitungskollege Peter Goerke einige Monate davor angeordnet hatte – und darüber in den ersten Befragungen vom Herbst gelogen hatte.

Damals waren er und der ebenfalls involvierte CS-Sicherheitschef Remo Boccali zunächst freigestellt worden. In beiden Fällen wurden in den von der Bank und dem Anwaltsbüro Homburger durchgeführten Untersuchungen keine Hinweise darauf gefunden, dass Thiam selber über die Beschattungen informiert war oder diese angeordnet hatte.

Nach seinem Abgang bei der CS gönnte sich Bouée eine Auszeit in den Bergen – in Samnaun. Der idyllische Wintersportort am Rande der Schweiz an der Grenze zu Österreich gilt nicht als hipper Treffpunkt für reiche Banker wie das Engadin; kein Risiko also, auf Schritt und Tritt Branchenkollegen aus Zürcher Finanzkreisen zu begegnen.

Keinen Groll gegen Thiam

Wie BILANZ weiss, ist Bouée derzeit ­daran, zu prüfen, ob er die fristlose Entlassung juristisch anfechten soll. Erstaunlicherweise soll sein Verhältnis zu Thiam kaum getrübt sein, obwohl sich dieser öffentlich gegen Bouée aussprach. «Ich würde ihn nicht als Freund bezeichnen. Wir waren vielleicht mal zu Mittag essen», so der CS-Chef vor der Presse. Als «Respekt, nicht Freundschaft» soll auch Bouée das Ver­hältnis schon bezeichnet haben.

Anzeige

Einen Groll gegen Thiam soll Bouée nicht hegen, sehr kritisch soll er sich aber gegen Rohner und Khan stellen. Da herrscht bei Bouée offenbar bis heute das Denken entlang der alten Front­linien. Bouée wollte gegenüber BILANZ auf Anfrage keine Stellung nehmen.

Der Mann, der zur Drehscheibe der Beschattungsaffäre geworden ist, bleibt auch jetzt dem Rampenlicht fern, wie er das stets tat. Selbst enge Mitarbeiter wissen wenig über ihn. Dass er sogar seine E-Mails mit POB unterschrieb, wissen sie, und dass er CS-intern noch einen zweiten Über­namen hatte: Fred, nach der Comicfigur Fred Feuerstein, dem er mit seinem vollen schwarzen Haar und der bulligen Gestalt gleicht. Doch charakterlich hat er wenig von der etwas tollpatschigen Comicfigur.

Bouée stammt aus einer angesehenen Pariser Familie

Bouée hat sich den Ruf ­eines ebenso hochintelligenten wie knallharten Machers erworben, eines Mannes mit feiner Bildung und einem Hang zu ­einem leicht überheblichen Sarkasmus. Der 1971 geborene Franzose entstammt einer angesehenen Pariser Familie. Vater Vincent war Banker, Mutter Marie-Anne amtet als stellvertretende Bürgermeisterin von Boulogne-Billancourt. Sie ist seit Jahren für die Rechtsbürgerlichen in kommunalen Wahlämtern aktiv.

Wie sein älterer Bruder Charles-Édouard Bouée, der bis letzten Sommer Chef der Beratungsfirma Roland Berger war, besuchte Pierre-Olivier als Knabe die Jesuitenschule. Werte seien zentral für die Familie, heisst es, beide Söhne seien streng nach ethischen und moralischen Massstäben erzogen worden.

Er startete seine Ausbildung an der Handelshochschule HEC. 1995 trat er in die ENA ein, die École Nationale d’Administration. Das ist die Eliteschule Frankreichs, durch die ein Grossteil der politischen und wirtschaftlichen Führer des Landes gegangen ist.

Anzeige

Jeder Jahrgang der ENA hat einen spezifischen Namen, Pierre-Olivier Bouée war im Klassenzug «Marc Bloch». Klassenkamerad war unter anderen der heutige französische Premierminister Édouard Philippe.

Nach der Ausbildung zog es ihn zunächst in den Staatsdienst. Er ­arbeitete im Schatzamt, wo er nicht glücklich wurde, weil es viel Leerlauf gab. So wechselte er 2000 zum US-Beratungsgiganten McKinsey, der in Paris eine seiner Niederlassungen hat. Dort lernte er Thiam kennen und schätzen, der da nach 2000 wirkte, jedoch in der höheren Rolle als Partner, während Bouée als Directeur de projet arbeitete.

Gemeinsame Karrieren

Von diesem Zeitpunkt an verliefen die Karrieren von Bouée und Thiam parallel, allerdings mit einem klaren Muster: der ältere Thiam stets in der höheren Funktion. Thiam zog Bouée 2004 zum Versicherer Aviva nach, wo er 2002 CEO geworden war; gemeinsam gings danach zum deutlich grös­seren Versicherer Prudential und ab Sommer 2015 in die Schweiz zur CS.

Placeholder

Einmal gefunden, stets zusammen: Fast 20 Jahre auf gemeinsamem Karriereweg.

Quelle: Bilanz
Anzeige

Grafik in voller Grösse

Bouée liess sich zusammen mit seiner Frau Alexandra Anthonioz in Küsnacht an der Zürcher Goldküste nieder. Der Familienvater kaufte ein Haus an der Schiedhaldenstrasse in einem gehobenen Villenquartier. Es kam auch zum bisher einzigen persönlichen Auftritt in der Presse: Der «Finanz und Wirtschaft» stand Bouée Red und Antwort und erzählte unter anderem, dass er in seiner Jugend Rugby gespielt und in London eine Jugendmannschaft mit Mitgliedern aus verschiedensten sozialen Schichten trainiert habe.

Beruflich gings mit Volldampf weiter. Thiam installierte Bouée bei der CS zunächst als Stabschef, um ihn dann bei der Verkündung der neuen Strategie vom Herbst 2015 in der Schlüsselrolle des Chief Operating Officers (COO) zu platzieren.

Ebenfalls von Prudential zog Thiam seinen Vertrauten Peter ­Goerke nach und machte ihn zum HR-Chef. Das Prudential-Trio Thiam, Bouée und Goerke trat von Anfang an als enge Gemeinschaft auf und bekam bald intern einen Spitz­namen: die Bruderschaft. Diese in­stallierte sich nah beisammen in der prestigereichsten Zone in der Führungsetage im zweiten Stock nach vorne zum Paradeplatz hin, in der sogenannten «Badge-Zone», wo man nochmals zusätzlich badgen muss, um reinzukommen. Von Tag eins an galten Thiam und Bouée als eine Art siamesische Zwillinge.

Um diesen Kern herum begann Thiam bald eine eigene neue Konzernleitung aufzubauen. Dafür liess er in allen Abteilungen High Potentials identifizieren, die für eine höhere Rolle in Frage kommen könnten. Als Hoffnungsträger galten etwa auch Thomas Gottstein oder ­Iqbal Khan. Es war die Phase, als tatsächlich so etwas wie Aufbruchsstimmung bei der CS herrschte. Dass der Elan bald verpuffen sollte, die Wachstumsziele nach unten korrigiert werden mussten und Thiam zum simplen Kostensparer mutieren würde, war noch nicht ­absehbar.

Anzeige

Erste Friktionen mit Bankern und Rohner

Es dauerte nicht lange, bis es zu ersten Friktionen kam. Zunächst mit den eigenen Investmentbankern und damit verbunden auch mit Bankpräsident Urs Rohner. Anfang 2016 kam es zu einem unerwarteten Verlust von fast einer Milliarde Dollar auf Handelspositionen – ein Schock.

In diesem Umfeld kam es zu widersprüchlichen Aussagen von CEO und Chairman. Tidjane Thiam warf den Investmentbankern – viele davon Mitstreiter von Vorgänger Brady Dougan – vor, sie hätten ihm gefährliche Positionen verheimlicht.

Rohner hingegen platzierte am Rande einer öffentlichen Veranstaltung eine gegenteilige Botschaft: Es habe keine «Blind Spots» gegeben. In ­Analystenreports war mit einem Mal von einem «tiefen Graben in der Führungsspitze» die Rede. Thiam setzte noch eins drauf und leakte als Beleg für die Täuschung interne Mails an ausgewählte ­Medien.

Das Ganze schweisste das verschworene Duo Thiam und Bouée noch enger zusammen. Denn die beiden liessen es sich nicht nehmen, höchstpersönlich die problematischen Handelspositionen zu prüfen.Dies wiederum brachte die Investmentbanker in Rage, denn Bouée und Thiam sind beide keine Banker, sondern ehemalige Berater und Versicherungsmanager. Erstmals begannen viele den Tagen von Dougan nachzutrauern, der im Betrieb jede Schraube kannte. Thiam und Bouée indes fehlte es bei den Bankprofis an Glaubwürdigkeit. Doch je mehr man das Thiam und Bouée zu verstehen gab, desto mehr schottete sich das Duo ab.

Thiam entwickelte Misstrauen

Thiam wurde immer misstrauischer. Dass ihn viele Kunden nicht sehen wollten, soll der CEO als subjektive Bedrohung empfunden haben, wie enge Vertraute sagen. Auch dass Khan, einmal in Position gebracht, seinen Bereich sehr selbstständig vorantrieb, passte Thiam nicht. Nichts hasse Thiam mehr, als den Zugang oder die Kontrolle zu verlieren.

Anzeige

Auch mit Peter Goerke begann sich Thiam auseinanderzuleben – er fing an, sich zu distanzieren. Der Personalchef ­realisierte dies wohl. Im kleinen Kreis liess er wissen, Thiam habe sich verändert. «Thiam war in seiner Zeit als CS-Chef ein anderer geworden. Machtbewusster, misstrauischer, und auch die gefürchteten Wutausbrüche gab es früher nicht», brachte es der «Tages-Anzeiger» auf den Punkt. Doch die Abkühlung in der Bruderschaft hatte nicht nur mit der charakterlichen Veränderung von Thiam zu tun.

Dem Chef sei nicht entgangen, dass Goerke mitunter von der Fülle seiner Aufgaben zumindest zeitlich überfordert gewesen sei, heisst es aus dem Umfeld von Thiam. Der CEO übertrug ­einen gewichtigen Teil der Aufgaben Goerkes, die Kommuni­kation, einem neuen Mann: dem Briten Adam Gishen. Dieser wurde neuer Teil der Bruderschaft ­inklusive Büro in der «Badge-Zone».

Im Mass, wie Gishen an ­Vertrauen beim CEO gewann, nahm der Einfluss Goerkes ab. In diesem Umfeld war es für den HR-Chef wenig vorteilhaft, dass er zunehmend mit extravaganten Hobbys wie teuren Renn­autos auf sich aufmerksam machte, während die Belegschaft den Gürtel enger schnallen musste und Jobs ab­gebaut wurden.

Bouée war als COO für die Sicherheit in der Bank verantwortlich. Und er interpretierte seine Rolle auf seine eigene, sehr selbstbewusste Art. Er soll den Standpunkt vertreten, er habe ganz einfach die Verantwortung wahrgenommen, die mit seiner Funktion als COO verbunden war.

Dazu gehörte nach seiner Interpretation offenbar auch die eigenständige Anordnung von Beschattungen. Warum hätte es Thiam wissen müssen?, soll er im kleinen Kreis gefragt haben – und stützt damit die These, dass Thiam unschuldig ist.

Anzeige

Khan plante aktiv seine Karriere

Grund für forsche Taten sah POB überall. Bei Khan soll er Hinweise bekommen haben, dass der scheidende Banker Mit­arbeiter der CS abwerben wollte. Gut möglich, dass Bouée solche Signale erhielt. Denn Khan war im ersten Halbjahr 2019 aktiv am Planen seiner zukünftigen Karriere und verhandelte unter anderem auch mit der Bank Bär.

Laut Quellen aus dem Umfeld von Bär soll Khan grosse Töne gespuckt und insinuiert haben, er könne gute Leute nachziehen. Bei Goerke wiederum ist es nicht gänzlich abwegig, sich angesichts seines Lebenswandels Fragen nach möglichen ­Risiken für die Bank zu stellen.

Dass Bouée im Herbst bei der Befragung im Fall Khan nicht auch die Beschattung Goerkes outete, hat ihm schliesslich das Genick gebrochen. Beobachter vermuten, dass Bouée ganz einfach davon ausgegangen sei, dass dies nie rauskommen würde. Schliesslich hatte er die Beschattung des in der Gunst gesunkenen Kollegen aus der Bruderschaft bewusst über irreführende Bezeichnungen verbucht. Doch dann ­fanden die Aufnahmen der beauftragten Detektei den Weg in die Presse.

Bouée wird es in der Schweiz schwer haben

Nach seiner fristlosen Entlassung wird Bouée «in der Schweiz wohl nur noch mit sehr grosser Mühe einen Job bekommen», sagt Denis Humbert, einer der führenden Arbeitsrechtsanwälte der Schweiz. Eine fristlose Entlassung ­eines GL-Mitglieds sei hierzulande selten, sie sei «ein Not­ventil» und werde nur in sehr gravierenden Fällen ausgesprochen.

Für die Betroffenen sei es «eine persönliche Schmach und mit einem sehr grossen Reputationsschaden verbunden». Humbert erscheint die fristlose Entlassung aufgrund der negativen Medienberichte ­allerdings gerechtfertigt, denn als GL-Mitglied habe man gegenüber dem Arbeitgeber eine erhöhte Treuepflicht.

Anzeige

Bouée hat Anwälte beauftragt, um ­Gegenmassnahmen gegen die fristlose Entlassung zu prüfen. Klar ist aber, dass eine Entlastung von Bouée nur zulasten einer einzigen Person gehen kann: Thiam. Wenn Bouée glaubhaft machen kann, dass die Beschattungen wenn auch keine expliziten, so doch mit seiner Funktion inhärent verbundenen Aufträge Thiams waren, dann geriete der CEO weiter unter Druck.

Millionenverlust wegen Entlassung

So ist davon auszugehen, dass Bouée bei einem potenziellen Prozess eher gegen die Bank und das Vorgehen Rohners klagen, seinen Chef aber nicht belasten würde, selbst wenn sie sich etwa auf Spaziergängen abgesprochen haben. Der Verlust von vier Millionen an Bonus-Ansprüchen wegen der fristlosen Entlassung ist zu verkraften, hat er doch an der Seite von Thiam gut verdient.

Bei der CS erhielten die elf Konzernleitungsmitglieder 2018 im Schnitt sieben Millionen Franken, bei Prudential und Aviva kassierte Bouée über Jahre ebenfalls Saläre in mehrfacher Millionenhöhe. Insgesamt dürfte er an der Seite von Thiam in all den Jahren geschätzt rund 50 Millionen Franken verdient haben.

Wenig Grund für Groll gegen Thiam also, wohl aber gegen Rohner. Dass nach der zweiten Untersuchung nur Bouée und nicht der erneut ebenfalls involvierte Sicherheitschef Boccali per ­sofort entlassen wurde, wird als Zeichen gewertet, dass gegen die Thiam-Entourage hart vorgegangen werde.

Die genauen Gründe weiss nicht einmal Thiam: Die Untersuchungen seien unter der Ägide des Verwaltungsrats erfolgt, der die Hoheit in dieser Frage besitze, so die CS-Pressestelle. Die exekutive Führung sei nicht über alle Details der ­Untersuchungen informiert worden.

Anzeige