Sie lebte das typische Leben der Schönen und Reichen. Die Countess of Normanton ging an exklusive Diners, residierte in einem staatlichen Anwesen mit 2800 Hektaren Umschwung, besass eine Stadtvilla im Londoner Nobelviertel Chelsea und pendelte viele Jahre lang zwischen ihrer Heimat Grossbritannien und Gstaad.

In jener Zeit eröffnete die blonde Adlige auch ein Konto bei der SB Saanen Bank. Seither ging nicht nur ihre Ehe mit dem Count of Normanton in die Brüche, sondern kühlte auch die Liebe zu ihrem Geldinstitut in Gstaad ab. Denn Victoria Chadwick, wie sich die ehemalige Gräfin seit ihrer Scheidung wieder nennen muss, verklagt die Regionalbank, wie die «Huffington Post» berichtet. Sie wirft ihr vor, nachlässig gehandelt zu haben. Dadurch seien 132'000 Franken verloren gegangen.

Hacker plündern Konto

Seit 2004 hatte die Ex-Gräfin eine Abmachung mit der Berner Oberländer Bank. Sie wies ihren Kundenberater in Gstaad jeweils per E-Mail an, Beträge auf ihr Konto in Grossbritannien und auf andere, im Voraus fest bestimmte Konten zu überweisen. Doch im November und Dezember 2012 drangen Cyberkriminelle in Chadwicks Computer ein.

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In der Folge leerten die Hacker das Konto in Gstaad. Sie veranlassten sechs Überweisungen auf Konten in Grossbritannien, den USA und Australien. Nun ist das Geld weg und auch nicht mehr aufspürbar. Gemäss der «Huffington Post» bestätigte die britische Polizei offenbar den Vorgang. Chadwick plant die Sache nun vor ein britisches Gericht zu bringen.

«Gestresst und müde»

Der Schweizer Kundenberater soll zugegeben haben, einen Fehler gemacht zu haben, behauptet Chadwick. Er habe ihr gesagt, wegen dem Steuerabkommen mit Grossbritannien sehr viel zu tun gehabt zu haben und «gestresst und müde» gewesen zu sein.

Gegenüber handelszeitung.ch will sich der Angeschuldigte nicht gross zum Fall äussern. Aus Gründen des Bankgeheimnisses dürfe man nichts sagen, erklärt Chadwicks Berater Toni Knecht. «Eine Klage haben wir bislang aber nicht erhalten», so der Leiter des Private Bankings der SB Saanen Bank weiter.

Chadwick ist auf Schweizer Banken offenbar allgemein nicht besonders gut zu sprechen. 2007 verklagte sie bereits die UBS. Damals ging es um 650'000 Pfund. Auch damals warf sie dem Institut vor, nachlässig gehandelt zu haben. Durch Fehlanlagen sei die Investitionssumme von einer Millionen auf 400'000 Pfund heruntergewirtschaftet worden.