Kweku Adoboli, der ehemalige Händler der UBS Group AG, hatte gegen eine Abschiebung aus Grossbritannien in sein Geburtsland gekämpft, nachdem er wegen eines Verlustes von 2,3 Milliarden Dollar bei der Schweizer Bank verurteilt worden war. Jetzt strebt er ein Comeback in Ghana an, mit einem Plan, den dortigen Markt für hypothekenbesicherte Anleihen anzukurbeln.

Der 39-Jährige wurde im November 2018 an das westafrikanische Land ausgeliefert, nachdem er 2012 inhaftiert worden war. Die ersten neun Monate verbrachte er hauptsächlich innerhalb von Gebäuden, da er mit Depressionen zu kämpfen hatte. Die Unterstützung von Familie und Freunden half ihm, den Wunsch einer Rückkehr nach England, wo er seit er 12 Jahre alt war lebte, aufzugeben. Es gelang ihm schliesslich, seinen Frieden mit einem neuen Leben in Tema, einer Hafenstadt östlich der Hauptstadt Accra, zu schliessen.

Wenn Adoboli heute die Lücken auf dem Hypothekenmarkt des Landes beschreibt, redet Adoboli, als hätte er nie einen Fuss aus Ghana heraus gesetzt – wenn auch mit britischem Akzent.

«Unsere Aufgabe ist es nun, nach Wegen zu suchen, um die Bilanzen der Banken zu erweitern und einen Hypothekenmarkt zu schaffen, der es uns ermöglicht, die nachfrageseitige Finanzierung für den Wohnungsbau zu steigern», sagt Adoboli beim «Bloomberg»-Interview in einem Fünf-Sterne-Hotels in Accra. «Was tun wir in 30 Jahren, wenn sich unsere Bevölkerung verdoppelt?»

Der ehemalige Banker, der Ghana im Alter von vier Jahren verlassen hatte, wurde verurteilt, weil er im Juli und August 2011 fehlgeschlagene Wetten verschleiert hatte. Für die Geschäfte verbüsste Adoboli etwa die Hälfte einer siebenjährigen Haftstrafe und kam 2015 aus dem Gefängnis frei. Der Fall hatte bei der UBS in Zürich und im Londoner Finanzzentrum Wellen geschlagen, Konzernchef Oswald Grübel trat deshalb zurück.

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Kleiner Markt

Adoboli schätzt, dass die Plattform, die er zu entwickeln plant, nach dem ersten Jahr der Inbetriebnahme hypothekenbesicherte Wertpapiere im Wert von 100 Millionen Dollar enthalten könnte. Den Banken würde auch angeboten, als Aktionäre beizutreten, sagte er.

Es wird nicht leicht werden. Ghana hat ein geringes Hypothekenaufkommen, noch im Entstehen begriffene Kapitalmärkte, hohe Zinsen und einen Bankensektor, der gerade eine Krise hinter sich gelassen hat. Die meisten Personen kaufen mit ihren Ersparnissen ein Grundstück und bauen dann langsam ihr Haus, oft bis sie in den Ruhestand gehen, ohne jemals eine Hypothek aufzunehmen.

Die Regierung schätzt, dass es in dem Land, in dem 30 Millionen Menschen leben, zwei Millionen Wohnungen fehlen. Angesichts eines durchschnittlichen Wirtschaftswachstums von 7 Prozent in den letzten drei Jahren nimmt die Mittelschicht zu. Nach Angaben von World Data Lab verdienen etwa 9 Millionen Ghanaer mehr als 11 Dollar pro Tag. Diese Zahl könnte bis 2030 auf 14 Millionen steigen.

Adoboli ist zuversichtlich, dass es möglich ist. Eine von ihm und seinen Geschäftspartnern durchgeführte Studie ergab, dass 2,5 Millionen Haushalte sich einen Wohnungsbaukredit in Höhe von 50'000 Dollar leisten können, sagte er. Die Namen seiner Geschäftspartner wollte er jedoch nicht nennen.

Durch die Bündelung von bestehenden und neuen Hypotheken in Wertpapiere, die dann an Anleger verkauft werden, könnten Banken entlastet werden, um die Kreditvergabe anzukurbeln und den Markt auszubauen.

Schnelles Wachstum

Der Wert der Wohnungsbaudarlehen stieg in den neun Monaten bis September um fast 10 Prozent auf 4,5 Milliarden Cedi (720 Millionen Euro). Dies entspricht nicht einmal 1 Prozent der Hypotheken in Südafrika, einer fünfmal grösseren Volkswirtschaft und einem aktiven Verbriefungsmarkt, zeigen von «Bloomberg» zusammengestellte Daten.

Adoboli versucht, 6 Millionen Dollar von Investoren zu beschaffen. Damit sollen die Akkreditierung des Unternehmens, seine Lizenzierung sowie die Software für die Schaffung einer Hypothekensyndizierungsplattform finanziert werden. Er plane, das Unternehmen im Mai auf einer Finanzkonferenz in Ghana zu eröffnen.

«Das langfristige Ziel ist, eine nachhaltige Plattform zu schaffen, die die Wirtschaft wachsen lässt», sagt Adoboli.

Bloomberg»/tdr)