Keine guten Zeiten sind es im Moment ebenso für die Airline-Branche. Die Turbulenzen infolge der Wirtschaftskrise sind etwa am Flughafen Zürich sichtbar. Es herrscht deutlich weniger Verkehr; sowohl am Boden als auch in der Luft.

Doch das nüchterne Bild trifft nicht auf alle Betriebe am grössten Schweizer Airport zu. Abseits der grossen Terminals und Shopping-Arkaden, am äussersten Rand des Geländes, setzt die vor mehr als 20 Jahren gegründete Privatjet-Firma Lions Air zum Quantensprung an. 1987 war sie vom Zürcher Piloten und Unternehmer Jürg Fleischmann gegründet worden und hat bis 2008 mit vier kleinen Business-Jets und rund 60 Mitarbeitenden Taxiflüge für Geschäfts- und Privatreisende durchgeführt.

2009 wird zum Quantensprung

Dank dem finanziellen Einstieg des Ostschweizer Investors Peter Koller kann jetzt ein namhafter Expansionsschub angestossen werden. Seit Anfang dieses Jahres ist die kürzlich zur Holding umgewandelte Lions Air Group stolze Besitzerin der österreichischen Welcome Air, die neben Charterflügen auch Linienverbindungen auf der europäischen Nord-Süd-Achse betreibt. Bekannt ist die Airline vor allem wegen ihrer Tochter Tyrol Air Ambulance, die ab Innsbruck (Österreich) oder Chambéry (Frankreich) mit ihrem «Gips-Bomber» verletzte niederländische Skifahrer in die Heimat zurückbringt. Ganzjährig kommt der im Auftrag von Versicherungen operierende Ambulanzdienst von den Kanarischen Inseln (Spanien) nach Grossbritannien und in die Beneluxländer zum Einsatz.

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«Für uns sind die Ambulanz-flüge und Linienverbindungen eine ideale Ergänzung zum Kerngeschäft der Taxiflüge», sagt Jürg Fleischmann. Neben Geschäftsleuten und verletzten Wintersportlern transportiert Welcome Air mit ihren bis zu 32-plätzigen Maschinen auch französische Fussball-Profiteams regelmässig zu deren Auswärtsspielen. Mit dem Kauf der Welcome Air ist Lions Air auf einen Schlag um 110 Mitarbeitende und sechs Flugzeuge gewachsen. Die Gruppe hat damit den Umsatz um geschätzte 40 Mio Fr. erhöht.

15 Töchter unter einem Dach

Daneben umfasst das Portfolio viele weitere Leistungen. Einige Beispiele: Skymedia, eine von insgesamt 15 Tochtergesellschaften, produziert mit 26 Helikoptern und modernen Kamerasystemen faszinierende Luftaufnahmen von Sport- und anderen Events rund um den Globus (zum Beispiel bei den Red Bull Air Races) und ist dafür soeben in New York mit einem «Emmy» ausgezeichnet worden. Die Tochter Viasuisse überwacht aus der Luft den Verkehr und gibt Staumeldungen an Radiostationen weiter. Die Tochter Art on Air bietet einzigartige Shows mit Feuerwerk aus der Luft. Die Wartung der Fluggeräte sowie die technische Aufbereitung von Filmmaterial erfolgt ebenfalls mit gruppeneigenen Gesellschaften. «Wir wollen und können rund um das Thema Fliegen zahlreiche Dienstleistungen aus einer Hand anbieten», begründet Jürg Fleischmann die Diversifikation unter dem neuen Holding-Dach.

Und dank Peter Koller hat die Lions Air Group sogar den Einstieg ins Hotelgeschäft vollzogen. Über seine Finanzgesellschaft Remi in Gossau SG besitzt er neben Hotels in St. Gallen auch ein exklusives Fünf-Stern-Hotel in Ungarn, das über eine eigene Landepiste verfügt und als weitere Tochtergesellschaft der Lions Air Group angegliedert wurde. Im Immobilienbereich treibt die Holding weitere ehrgeizige Projekte voran. Noch in diesem Jahr steht die Eröffnung eines brandneuen Hangars am süddeutschen Flugplatz Neuhausen ob Eck an. Die Expansion von Lions Air ist nur dank dem Kapital von Peter Koller möglich geworden. Dieser hatte im letzten Jahr seine 67%-Beteiligung am Frauenfelder Generalunternehmen HRS Real Estate mittels Management Buyout verkauft.

Gewinn steht im Vordergrund

Was bewegt einen erfolgreichen Unternehmer dazu, ins sehr volatile und oft defizitäre Fluggeschäft zu investieren? «Mein gutes Gefühl, dass die von der Lions Air Group betriebenen Sparten wie Filmfliegerei und Ambulanzflüge Marktbedürfnissen entsprechen und weiter ausgebaut werden können.» Jürg Fleischmann, den er vor rund vier Jahren kennen lernte, habe die bereits im Kindesalter tief in ihm schlummernde Begeisterung für die Fliegerei wieder geweckt. Er habe sich zwar einen Bubentraum erfüllt, sei aber kein Fantast, stellt Peter Koller klar - er wolle mit Lions Air Geld verdienen.