Die Boykottbewegung von Big Business gegen Facebook und Twitter zieht immer weitere Kreise. Neu im Boot ist seit Freitag der Nahrungsmittel- und Konsumgüterkonzern Unilever  ­– mit einem Werbebudget von mehr als 8 Milliarden Dollar jährlich einer der grössten Werbekunden weltweit.

Der britische-niederländische Konzern sistierte seine Werbung auf Facebook und Twitter in den USA aus Protest gegen hasserfüllte und polarisierende Inhalte bis Ende Jahr. Der Hersteller von Haushaltsmarken wie Dove und Besitzer legendärer Marken wie Knorr, Lipton und der in den USA populären Ice-Cream-Marke Ben & Jerry’s teilte mit, dass es «den Menschen und der Gesellschaft keinen Wert bringen» würde, in der heutigen Zeit auf diesen Plattformen zu werben.

Nestlé setzt auf Zusammenarbeit statt Boykott

Unilever-Konkurrent Nestlé hingegen wird – zumindest für den Moment – weiter auf Social Media werben. «Wir haben nicht vor, unsere Werbeaktivitäten auf Facebook und Twitter zum jetzigen Zeitpunkt zu pausieren», schreibt das Unternehmen auf Anfrage; Boykotte seien keine Lösung, um auf anstössige digitale Inhalte zu reagieren.

Nestlé sei auch der Meinung, dass mehr getan werden müsse, um dem Problem von Hass-Botschaften online zu begegnen. Das Unternehmen engagiere sich deshalb aktiv bei Facebook und anderen Online-Plattformen, um darauf zu drängen, dass mehr gegen die Inhalte unternommen werde und dass die Plattformen ihre Verantwortung wahrnähmen. «Wir müssen uns zusammentun, um Schutzmassnahmen für die Leute, die online sind, voranzubringen».

Nestlé zählt wie Unilever zu den fünf grössten Werbekunden. Das jährliche Werbebudget wird auf 7,2 Milliarden Dollar geschätzt.

Digitale Sicherheit verbessern – aber wie?

Zudem verweist der Konzern auf sein Engagement als Gründungsmitglied der Global Alliance for Responsible Media. Die im Juni gegründete Allianz ist eine Initiative der World Federation of Advertisers. Sie zählt 17 Mitglieder, darunter Giganten wie Danone, Bayer, GSK Consumer Health, aber auch Shell, Vodafone und Procter& Gamble. Auch Boykotteur Unilever hat sich der Initiative angeschlossen.

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Ziel der Initiative ist es, die «digitale Sicherheit schnell zu verbessern», heisst es auf der Webseite. Mit fast 3,8 Milliarden Menschen, die online seien, sei die Welt zunehmend vernetzt. «Die Zunahme gefährlicher, hasserfüllter du gefälschter Online-Inhalte bedroht unsere globale Gemeinschaft».

Auch Nestlé-Geschäftspartner Starbucks ist Boykotteur

Zu den prominenten Zugängen der Boykottbewegung vom Wochenende gehört auch der Coffee-Shop-Betreiber Starbucks. Nestlé und Starbucks sind mit einem Vermarktungsdeal im Geschäft. Der Nahrungsmittelkonzern hat sich die Rechte für die Vermarktung von Starbucks im Detailhandel für mehr als 7 Milliarden Dollar auf alle Zeiten gesichert.

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Zu viel Hass und Polarisierung: Big Business wendet sich gegen die Zustände in den Social Media. Nun soll die Bewegung nach Europa gebracht werden. Mehr hier.