Die digitale Bildbearbeitung mit dem Einsatz von modernen Farbkopierern und Computern mit entsprechender Software wird immer raffinierter. Und damit steigt auch die Versuchung, Banknoten möglichst wirklichkeitsgetreu zu kopieren. Dem soll ein Riegel geschoben werden: Eine Arbeitsgruppen von Zentralbanken, die «Central Bank Counterfeit Deterrence Group» (CBCDG) hält die Hersteller von Kopierern und Software dazu an, Techniken zu entwickeln, die eine Reproduktion von Banknoten verunmöglichen.

Üblicherweise geschieht das einerseits durch einen Mustervergleich zwischen gelesenen und gespeicherten Daten. Wenn das Muster übereinstimmt, spuckt der Kopierer nur eine schwarze Seite aus. Andererseits bringen einige Kopierer bei jedem Druck mit unsichtbaren sehr feinen gelben Punkten die Identifikationsnummer des Kopiergeräts auf das Papier. Mit einem Blaufilter wird diese Identifikation sichtbar, aber sie lässt sich nicht weiter entschlüsseln.

Xerox-Code geknackt

Nur Strafverfolgungsbehörden ­ in der Schweiz ist es eine Bundesstelle, welche mit einem speziellen Scanner die Farbpunkte decodieren kann ­ sind offiziell in der Lage, nachzuvollziehen, auf welchem Gerät eine bestimmte Kopie angefertigt wurde. Inzwischen hat die amerikanische «Electronic Frontier Foundation» (EEF) den Code für Xerox-Geräte weitgehend geknackt und die Informationen dazu im Oktober publik gemacht. «Wir haben gesehen, dass neben der Gerätenummer auch die genaue Zeit und das Datum mit codiert und ausgedruckt werden», sagt EEF-Experte Seth David Schoen.

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Diese Codierung ermöglicht auch die Nachverfolgung von Gerätebesitzern, die völlig legale Kopien, beispielsweise von vertraulichen Verfahrensunterlagen oder von Bankkontoauszügen vornehmen. In den USA räumte beispielsweise der Kopiererhersteller Xerox ein, dass die Anleitungen, wie die Codierung zu lesen ist, an die US-Geheimdienste weiter gegeben worden ist. Doch nicht nur die Xerox-Geräte, auch viele Laserjet-Drucker von Hewlett-Packard, die Color-Image-Runner-Modelle von Canon, die Magicolor-Serie von Konica/Minolta oder die Aficio-Geräte von Ricoh versehen alle Farbkopien mit Codes.

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) gehört zu den CBCDG-Banken. «Sie hat schon bestätigt, dass sie mit den Geräteherstellern verschiedene Möglichkeiten prüft, um das Kopieren und Scannen von Banknoten zu verunmöglichen» sagt SNB-Sprecher Werner Abegg, «aber weiter in die Details kann bei dieser Frage aus verständlichen Gründen nicht gegangen werden.»

«Es ist erstaunlich, dass die Notenbanken einerseits den Schutz vor Blüten erreichen wollten, andererseits aber die Information um die Codierung von Kopien geheim halten», sagt Eliane Schmid, Expertin beim Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten. Somit ergebe sich gar keine abschreckende Wirkung. «Es besteht auch hier die Gefahr des Missbrauchs, denn zur Rückverfolgbarkeit gibt es widersprüchliche Angaben», sagt Schmid weiter, «Personen, die solche Kopiergeräte benutzen, sollten wissen, dass das Papier codiert wird, aber aufgrund der bisher sehr wenigen Anfragen zu diesem Thema gehe ich davon aus, dass das erst wenige wissen.» Die Begründung, wonach eine solche Codierung die Herstellung von Falschgeld verhindern soll, hält Schmid vom Datenschutz-Standpunkt her für plausibel. Sie rät beim Kopieren von heiklen Unterlagen zur Verwendung eines alten Schwarzweisskopierers oder eines Privatgeräts.

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Kein perfekter Schutz

Ein perfektes Mittel der Rückverfolgung ist auch die aufgedruckte Codierung nicht. Gelegentlich stehen Geräte im Ausland oder haben den Besitzer gewechselt. Wartungsverträge bilden dann oft die Quelle, um Kopierer wieder aufzufinden. Oft ist auch das Zurückverfolgen bis zum Besitzer aufgrund fehlender Angaben beim Hersteller nicht möglich, sagt HP-Sprecherin Priska Sameli.

Bei HP sind es einige wenige Anfragen, die pro Jahr zentral bearbeitet und weiter gegeben werden. Bei Canon sind es durchschnittlich drei Anfragen pro Woche. Und bei Océ fragen Strafverfolgungsbehörden in der Regel weniger als einmal pro Woche an, sagt ein Sprecher.