Der Schweizer Fleischverarbeiter Bell übernimmt die Mehrheit am Nahrungsmittelhersteller Hügli. Bell hat die Beteiligung der Hügli-Gründerfamilien-Holding gekauft und will auch die übrigen Aktien erwerben. Der Gesamtwert der Übernahme beläuft sich auf über 440 Millionen Franken.

In einem ersten Schritt kaufte die Bell-Gruppe die Dr. A. Stoffel Holding, Mehrheitsaktionärin der in sieben Ländern tätigen Hügli-Nahrungsmittelgrupe. Die Stoffel Holding hält eine Kapitalbeteiligung von 50,2 Prozent und Stimmrechtsanteile von 65 Prozent an der Hügli Holding mit Sitz in Steinach SG.

Alexander Stoffel hat erste Gespräche noch begleitet

Der kürzlich verstorbene Enkel des Hügli-Firmengründers, Alexander Stoffel, habe die ersten Gespräch mit der Bell-Gruppe noch persönlich begleitet, teilte Bell am Montag in einem Communiqué mit. Die Bell-Gruppe sei die neue Wunscheigentümerin der seit 1935 bestehenden Hügli-Gruppe gewesen.

Die Bell-Gruppe will die restlichen Anteile an Hügli auch noch kaufen. Dafür machte sie ein öffentliches Übernahmeangebot zum Preis von 915 Franken pro Aktie, wie die zwei Unternehmen mitteilten.

Übernahmewert von Hügli bei fast 444 Millionen

Das Angebot sei im Verhältnis zum Nennwert der gleiche Preis, den Bell für das Mehrheitspaket der Dr. A. Stoffel Holding gezahlt habe, hiess es weiter. Insgesamt beläuft sich der Transaktionswert bei einer vollständigen Andienung auf 443,8 Millionen Franken, wie ein Sprecher von Bell auf Anfrage der Finanznachrichtenagentur AWP sagte.

Mit dem Zukauf von Hügli will Bell den margenstarken Convenience-Bereich ausbauen. Die Bell-Gruppe rechnet damit, dass dieses Segment künftig rund eine Milliarde Franken Umsatz erzielen werde, über ein Viertel des Konzernumsatzes. Bell werde im Convenience-Bereich zu einem führenden europäischen Anbieter.

Hansueli Loosli: «Wichtiger Meilenstein»

Auf dem Weg dorthin hatte Bell bereits andere Zukäufe getätigt. Dazu zählen der Frisch-Fertiggerichte-Produzent Hilcona und der Salat-Anbieter Eisberg.

Hügli mit seinem schwergewichtig auf haltbare Produkte ausgerichteten Sortiment ergänze die Bell-Gruppe mit ihren Frisch-Convenience-Produkten ideal, teilte Hügli mit. Und Bell-Verwaltungsratspräsident Hansueli Loosli sprach gemäss Communiqué von einem «wichtigen Meilenstein» in der Wachstumsstrategie von Bell im Convenience-Bereich.

Coop-Tochter Bell finanziert Pläne mit Kapitalerhöhung

Die Hügli-Gruppe solle als selbständige Unternehmenseinheit innerhalb der Bell-Gruppe weiter geführt werden. «Hügli bleibt Hügli», wurde der bisherige Verwaltungsratspräsident Jean Gérard Villot zitiert. Er wird für die Generalversammlung vom 10. April als zusätzlicher Bell-Verwaltungsrat vorgeschlagen.

Die Übernahme von Hügli will die Fleisch- und Convenience-Gruppe Bell, die zu zwei Dritteln Coop gehört, unter anderem mit einer Kapitalerhöhung über 600 Millionen Franken finanzieren. Die Generalversammlung vom April wird darüber befinden.

Hügli hat 2016 einen Umsatz von 385 Millionen Franken erwirtschaftet. Das Unternehmen beschäftigt 1500 Mitarbeitende und ist neben der Schweiz in sechs weiteren europäischen Ländern aktiv. Bell erzielt mit rund 10'000 Angestellten einen Jahresumsatz von 3,4 Milliarden Franken.

(sda/me)

 

Anzeige