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Eishockey
Florian Kohler: «Eishockey ist ein Lifestyle»

Florian Kohler: «Wir wissen am besten, wie das geht». Keystone

Verbandsdirektor Florian Kohler verteidigt den Deal mit UPC und sagt, weshalb Journalisten nicht mehr bestimmen, wie die Spiele gezeigt werden.

Von Michael Heim
am 15.09.2017

Schweizer Eishockey-Spiele werden seit dieser Saison auf My Sports von UPC gezeigt, Swisscom-Kunden gehen leer aus. Wie viele Fans verlieren Sie?
Florian Kohler*: Theoretisch erreichen wir mehr Haushalte als zuvor, denn es gibt mehr Kabelanschlüsse als Swisscom-TV-Abos. Hinzu kommt: Bei UPC werden mehr Spiele auf einem kostenlosen Sender gezeigt als bisher bei der SRG. Diese zeigt aber nach wie vor Spiele der Playoffs.

Teleclub strahlte einen Teil seiner Pay-TV-Inhalte auch über das Kabelnetz aus. UPC macht dieses Gegenangebot nicht. Hätten Sie UPC nicht dazu verpflichten müssen?
Wir haben sauber ausgeschrieben. Wie es weitergeht, muss UPC selber mit potenziellen Distributionspartnern aushandeln. Es ist aber eine Tatsache, dass Exklusivitäten im Geschäft mit Sportrechten eine entscheidende Rolle spielen. Das beeinflusst nicht zuletzt den Preis. Und die Free-TV-Spiele der SRG gibt es ja nach wie vor.

Verband und Clubs erhalten neu im Schnitt 35 Millionen Franken pro Jahr für die Rechte - dreimal so viel wie zuvor.
Das hat nicht nur mit den Exklusivitäten zu tun. Es gab erstmals einen echten Konkurrenzkampf um die Rechte. Zuvor boten nur die SRG für Free TV und Teleclub für Pay TV. Nun gab es sogar Offerten aus dem Ausland. Das hat uns geholfen.

Treibt das viele zusätzliche Geld nun die Spielerlöhne in die Höhe, so wie das im internationalen Fussball passiert ist?
Das werden wir in einem Jahr sehen. Wir gehen davon aus, dass die Clubs - wo vorhanden - ihre strukturellen Defizite decken. Wir haben den Clubs empfohlen, die Gelder nicht in erster Linie für Lohnzahlungen zu verwenden. Aber wir schauen nicht weg. Es gibt gute Gründe, die Lohnentwicklung kritisch zu beobachten.

Müssen Sie als Verband bald einschreiten?
Wir kennen keine genauen Zahlen, da bei uns, anders als in Nordamerika, keine Löhne offengelegt werden müssen. Dort gibt es Standardverträge. Und die bräuchten wir für eine wirksame Lohnkontrolle.

In der National Hockey League gibt es harte Lohnobergrenzen. Wird das in der Schweiz auch diskutiert?
Ja, immer mal wieder. Aber wenn man so etwas wollte, müsste man das als Gentlemen's Agreement unter den Clubs regeln. Ohne eine Standardisierung bei Löhnen und Anstellungsbedingungen macht eine Lohnregulierung wenig Sinn.

Es gab Kritik am Honorar, das die Agentur Profile Partners für die Lizenzvergabe kassierte. Ihr Anteil stieg von bisher 0,4 auf neu 3,8 Millionen Franken pro Jahr.
Die Zahl an sich ist auf den ersten Blick stattlich. Aber man muss sich vor Augen halten, dass Agenturen in der Schweiz normalerweise 15 Prozent und mehr verlangen. Bei uns sind es 12,5 Prozent und künftig wird der Satz auf 8 Prozent sinken. Wir brauchen diese Agentur. Eine Rechtevergabe machen wir nur alle paar Jahre. Wir verfügen inhouse nicht über genügend Know-how und Ressourcen, dies selber zu tun. Die TV-Sender hingegen beschäftigen eigene Anwälte, die tagtäglich TV-Rechte verhandeln und einkaufen.

Der neue Vertrag enthält eine brisante Komponente: Nun ist nicht mehr der Sender, sondern der Hockey-Verband Produzent der TV-Übertragung. Wollen Sie die Berichterstattung komplett steuern?
Nein, wir wollen die journalistische Arbeit nicht kontrollieren. Aber wir wollen die Hoheit über die Spiele zu uns holen. Eishockey ist ein Lifestyle und wir wissen am besten, wie dieser funktioniert. Daher wollen wir das nicht von jemand anderem herstellen lassen. Wir produzieren allerdings nur die Live-Bilder und die Grafiken während der Matches. Die Kommentare und die Berichterstattung rund um die Spiele gestaltet weiterhin der Sender.

Das eigentliche Produkt ist das Spiel. Der Fussballverband Uefa verbietet bei Übertragungen der Champions League, Ausschreitungen oder Pyros zu zeigen. Sie können das nun selber steuern.
Wir ändern nichts an der bisherigen Praxis. Bei Pyros oder Schlägereien zeigen wir keine Nahaufnahmen. Und wir bleiben nicht fünf Minuten lang drauf. Aber wir werden nichts verstecken.

Im Eishockey gibt es viele Spiele: Meisterschaft, Champions League, Cup, jährliche Weltmeisterschaften, olympische Spiele. Wann droht der kommerzielle Overkill?
Von einem kommerziellen Overkill würde ich nicht sprechen. Aber es besteht sicherlich die Gefahr einer Sättigung, vor allem international. Wir sollten hinterfragen, ob es sinnvoll ist, jedes Jahr eine Weltmeisterschaft auszutragen. Der Wert eines Events nimmt ab, wenn er zu oft stattfindet.

Sie haben die Ligen umbenannt. Jetzt gibt es eine National League und eine Swiss League. Mal ehrlich: Checkt Ihre Mutter, welche der beiden die höhere Liga ist?
Ich habe sie noch nicht gefragt (lacht). Natürlich führt eine Umbenennung immer zu Diskussionen.

Eine Hierarchie ist nicht mehr erkennbar.
Das haben wir bewusst so entschieden. Es gibt in der früheren Nationalliga B Vereine, die keine Ambitionen haben, aufzusteigen. Daher wollten die Clubs einen eigenen, starken Auftritt und nicht einfach die zweite Liga sein. Wir haben auch geschaut, wie es andere Länder machen: In Nordamerika gibt es die National Hockey League und die American Hockey League.

Die zwei Ligen sind nicht wirklich durchlässig. Die Teams der National League wollen vor allem unter sich bleiben.
Es braucht eine Durchlässigkeit, aber das Nadelöhr soll eng sein. Die Clubs am Ende der Tabelle der National League hätten mit Blick auf die Planungssicherheit natürlich am liebsten eine geschlossene Liga, während die besten Teams der Swiss League den direkten Aufstieg möchten.

Sie haben einen Konflikt zwischen sportlichen und kommerziellen Zielen.
Korrekt. Da müssen wir zwischen unterschiedlichen Interessen vermitteln.

Die höchste Regionalliga heisst neu My Sports League. Würden Sie auch die zwei oberen Ligen an Sponsoren verkaufen?
In der obersten Liga ist ein Naming Right in den nächsten fünf Jahren aufgrund der Sponsorenverträge ausgeschlossen. In der Swiss League wäre es denkbar, jedoch zurzeit kein Thema.

Sie haben seit dem Rücktritt von Marc Furrer im August keinen Präsidenten. Wie läuft die Suche?
Die Findungskommission unter Leitung von Interimspräsident Michael Rindlisbacher hat gerade das erste Mal getagt. Wir haben jetzt die Anforderungskriterien definiert und werden nächstes Jahr einen Kandidaten präsentieren - Zeithorizont ist die Generalversammlung 2018. Wir werden die Rolle des Präsidenten etwas anders definieren als bisher. Er soll stärker operativ involviert sein und weniger nur repräsentieren.

Wie kommt es zu dieser langen Vakanz? Haben Sie Furrer überraschend zum Rücktritt gedrängt oder hat er Sie überrascht?
Ich kann diese Frage nachvollziehen. Die Vakanz können wir mit Michael Rindlisbacher nahtlos überbrücken. Warum Marc Furrer überraschend zurückgetreten ist, kann nur er sagen. Wir gingen davon aus, dass er seine Amtszeit erfüllt. Der Zeitpunkt hat aber gestimmt: Er hat alle grossen Themen erledigt, bis hin zur Neuvergabe der Fernsehrechte.

*Florian Kohler führt den Verband Swiss Ice Hockey. Seine Ehefrau Steffi Buchli ist Programmleiterin des UPC-Sportsenders My Sports.

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