«Ein Raider schlachtet eine Firma aus und schaut, dass für ihn selber ein grosser Brocken abfällt; so etwas machen wir aber nicht», beteuert Franz Gyger. Er sei ein normaler Investor mit dem primären Interesse, Mehrwert zu schaffen. «Wir haben die Batigroup analysiert und sind zum Schluss gekommen, dass die Aktie unterbewertet war.»

Nicht zuletzt wegen Gygers Kauflust hat der Titel in den letzten Monaten von 13 Fr. auf 18.55 Fr. zugelegt. Der Börsenwert der Batigroup liegt jetzt nur noch knapp unter dem Buchwert. Gyger besitzt inzwischen beinahe 10 %, und er lässt seine Muskeln spielen. Drei ausländische Investoren seien ebenfalls an Batigroup-Positionen interessiert, und er sei von diesen kontaktiert worden, lässt er durchblicken.

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Auch Ausländer bekunden angeblich Interesse

Damit schürt er trotz aller gegenteiliger Beteuerungen die Übernahmegerüchte. «Es gibt Ausländer, die überzeugt sind, dass es eine Konsolidierung in der Schweizer Baubranche braucht», giesst er Öl ins Feuer. «Wir nehmen Gyger sehr ernst», beteuert Batigroup-CEO Werner Helfenstein. Man habe mit ihm das Gespräch gesucht, doch Gyger habe abgelehnt.«Weil wir zu wenig über seine wahren Absichten wissen, haben wir die Ablehnung des Antrags empfohlen», so Helfenstein. VR-Präsident Robert A. Jeker unterstellt Gyger gar, den Konzern zusammen mit weiteren Investoren aushöhlen zu wollen. Gyger hat zuhanden der GV beantragt, die Stimmrechtsbeschränkung von 5% für einen Aktionär aufzuheben.

Martin Hüsler, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank, erachtet eine unfreundliche Übernahme durch einen ausländischen Baukonzern als unwahrscheinlich. Das spekulative Potenzial scheint ihm beim inzwischen «fair bewerteten» Kurs weitgehend ausgereizt. Grosse Sprünge seien kaum mehr zu erwarten, denn Batigroup kämpfe in einem schwierigen Umfeld. Einzelne Filetstücke wie etwa der Tunnelbau liessen sich zudem nicht einfach so herausschneiden.

Gyger findet jede Vinkulierung grundsätzlich falsch. «Ich habe das immer bekämpft», sagt er. Der Mann, der als alter Hase im Anlagegeschäft gilt und mit kernigen Sprüchen nicht geizt, tritt der grossen Finanzwelt ab und zu ans Bein. Manche sehen in ihm den Wadenbeisser unter den Investoren, der selbst mit komfortablen Schienbeinschonern ausgestattet ist: Seit zehn Jahren stammt das von ihm verwaltete Geld fast ausschliesslich von einem Zweig der italienischen Industriellen-Familie Rossi (Rossi-Martini).

Für sie hat der Einzelkämpfer Gyger in Solothurn die Special Situation Holding (SSH) eingerichtet. Von der Anlagestrategie her ist er auf wenige grössere Positionen an der Schweizer Börse ausgerichtet, und dies mit Erfolg. Kürzlich hat er ein Paket der Groupe CVE Romande Energie der Atel verkauft. Vor anderthalb Jahren, als er bei CVE einstieg, wurde die Aktie für 270 Fr. gehandelt, jetzt liegt sie bei 1100 Fr. 2004 hat die SSH einen Gewinn von 12,8 Mio Fr. gemacht.

Gelegentlich gefällt sich Gyger in der Rolle des Robin Hood. Als es etwa um die Restfinanzierung des Mystery Parks ging, beschaffte er über eine Wandelanleihe die fehlenden 35 Mio Fr. «Er hat uns im richtigen Moment enorm geholfen», sagt heute Oskar Schärz, VR-Präsident der Mystery Park AG. Am Ende hat sich Gyger aus dem Engagement, das ihm immerhin 400000 Fr. einbrachte, nicht ohne Nebengeräusche zurückgezogen. Robin Hood spielte Gyger auch als Mitbegründer der Schutzgemeinschaft Investoren Schweiz. Und er kämpfte um die Restgelder der Think Tools für die Kleinaktionäre. In den 90er Jahren kreuzte er mehrmals die Klingen mit Moritz Suter. Als er sich beim Verkauf der Crossair für die Minderheitsaktionäre einsetzte, wurde er von Suter wegen Erpressung und Verleumdung angeklagt. Der Prozess endete mit einem Freispruch. 1997 wollte er von der Crossair 6,5 Mio Fr., weil er bei der Einführung der Flugbons gleiche Rechte auch für Inhaberaktionäre forderte. Das hat ihm in gewissen Kreisen den Ruf des Querulanten eingetragen.

Bescheidenheit aus Solothurn

Privat übt sich der 50-Jährige am liebsten in der Rolle des ruhigen Familienmenschen. Sportlich beschränkt sich der einstmals talentierte Fussballer, der es bis in die Junioren-Nati schaffte, aufs Sponsoring von Jugendvereinen. Und gelegentlich steigt er auf den Töff. «Kein Harley», betont er. Bescheidenheit also, und dies, wie er beteuert, bei einem Monatsgehalt von 10000 Fr., was angesichts des verwalteten Portfolios auf ein gewisses Understatement hindeutet.

Wie jeder schlaue Fuchs hat Gyger mindestens noch ein weiteres Eisen im Feuer: Er ist an der TFM Asset Management AG beteiligt, die für asiatische Kunden Geld in der Schweiz anlegt. Bezüglich des Ausgangs der Batigroup-GV macht er sich keine Illusionen: «Ich kann mit Sympathisanten rechnen. Aber es dürfte kaum gelingen, die Vinkulierung aufzuheben.»