Für Rolf Dörig ist der Fall klar: «Wir müssen umdenken.» Nach Bundesrat Ueli Maurer und dem britischen Ex-Premierminister Tony Blair sprach der Verwaltungsratspräsident von Swiss Life und Adecco in der Alten Börse über aktuelle und künftige Herausforderungen für den Schweizer Arbeitsmarkt.

Die Wirtschaftskrise hat zur höchsten Arbeitslosigkeit seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs geführt. In der Schweiz hat diese gegenüber dem Vorjahr um 58% zugenommen. Die Jugendarbeitslosigkeit ist sogar um 70% gestiegen - für Dörig ein deutliches Signal, dass Wirtschaft und Politik rasch handeln müssen. «Die Berufslehre muss wieder gefördert werden», sagt Dörig. Aus- und lebenslange Weiterbildung von Fachkräften seien im Interesse der Schweizer Wirtschaft. Dörig sieht im dualen Bildungssystem ein Erfolgsmodell, das fokussiert, konzentriert und zwischen den Kantonen harmonisiert werden muss, um international konkurrenzfähig zu bleiben. Die Überakademisierung lehnt Dörig entschieden ab. Er sehe nicht ein, warum beispielsweise Kindergärtnerinnen an der Universität ausgebildet werden müssten.

Auch bei der Arbeitsmigration sieht Dörig Handlungsbedarf. Diese dürfte mit dem Aufschwung wieder zunehmen. «Unsere Wirtschaft ist auf Spezialisten aus dem Ausland angewiesen», bekräftigt der Experte. Aufgrund der Überalterung dürfte sich dieser Trend trotz der geforderten Flexibilisierung des Rentenalters in Zukunft verstärken. Dörig warnt jedoch davor, die Grenzen auch für diejenigen Ausländer zu öffnen, die nicht Integrationswillig sind oder über unzureichende Qualifikationen verfügen, um sich auf dem Arbeitsmarkt zu behaupten. Die Politik sei hier gefordert, sinnvolle Lösungen auszuarbeiten. Von der Kündigung der Personenfreizügigkeit mit der EU hält Dörig indessen nichts. Vielmehr müssten Einwanderungsquoten eingeführt werden, welche der Schweiz eine optimale wirtschaftliche Entwicklung ermöglichen. Rolf Dörig plädiert für einen gesunden Egoismus. Die Schweiz müsse sich auf ihr Erfolgsmodell zurückbesinnen: Gut ist nicht gut genug.

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