Die Weinkarte, die Sommelier Michael Boog in der «Äbtestube» in Bad Ragaz auf den Tisch legt, ist gut zweieinhalb Kilo und ein paar Gramm schwer - und dazu ein Lexikon über die wertvollsten Weine der sechs Grand-Cru-Lagen an der Côte-d’Or, auf dem Gemeindegebiet von Vosne-Romanée. Allein schon ihre Namen sind Engelsgesang in den Ohren all jener, für die Wein mehr ist als ein willkommener Essensbegleiter: La Tâche, Richebourg, Grands Echézeaux, Echézeaux, Romanée-St-Vivant und der alles überstrahlende Romanée-Conti. Und allein die Preise der Chardonnays und der Pinot noirs - im Normalfall ab 500 Franken pro Flasche des jeweils aktuellen Jahrgangs mit einer nach oben offenen Skala bis über 100 000 Franken bei Auktionen - sorgen dafür, dass Einzigartigkeit über alles gewährleistet bleibt. Denn das Angebot des önologischen Nationalheiligtums Frankreichs ist mit jeweils maximal ein paar 1000 Flaschen pro Lage derart knapp, dass die Preise ungebremst - und teils auch ausserhalb des Einflussbereichs der Winzer aus dem Burgund - in die Höhe schiessen. Obwohl dies die beiden DRC-Besitzerfamilien Leroy und de Villaine gar nicht wollen. Spekulation mit einer höheren Performance als an der Börse ist den Leuten der DRC zuwider.

Die Einmaligkeiten in der Flasche sind also schwer erhältlich. Es sei denn, man baut über Jahre - als «stille» und in den Büchern nicht ausgewiesene «Reserve» - in der tiefsten, hintersten Kellerecke des Hotels eine Sammlerkollektion an wertvollen DRC-Exklusivitäten auf. Wie dies Riet Pfister, gastgebender Direktor im Grand Resort Bad Ragaz, zusammen mit dem St. Galler Weinhändler Jan Martel in weiser Voraussicht macht. Wobei beide, Pfister wie Martel, heute davon profitieren, dass schon Martels Grossvater selig vor 40 Jahren die ersten Kontakte zur DRC knüpfte. Dies zwar nur, weil die Franzosen damals in St. Gallen anklopften, ob die Martel AG die Schweiz-Vertretung ihrer Weine übernehmen möchte ...

Pfister, Boog («Ich darf die verrücktesten Weine dieser Welt verkaufen ...») und der 17-Sterne-Gault-Millau-Chef-de-Cuisine Roland Schmid kredenzen daher, mit Martel im Hintergrund, bis Mai 2011 DRC-Raritäten, dies immer begleitet von Schmids kulinarischen Köstlichkeiten. Die nächsten Daten dieses exklusiven Doppelgenusses mit jeweils zwei oder drei DRC-Weinen: 17. November 2010, 8. Dezember 2010, 12. Januar 2011, 9. Februar 2011 und 20. April 2011. Am 23. März 2011 wird in der «Äbtestube» eine 6-Liter-Flasche Echézeaux 1993 für 28 Gäste im Offenausschank ausgeschenkt. Wobei mit 80 Franken das Glas so viel kostet wie normalerweise eine Flasche mittelmässigen Weins. Das Top-Preislevel allerdings ist damit noch nicht erreicht: Der Romanée-Conti 2005 kostet 12 000 Franken - die Flasche.

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