Morgens vor der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich. Junge Leute gehen ein und aus. Angehende Architekten, Inge- nieure, Chemiker sind es vor allem. Auch Umweltwissenschaftler, Informatiker, Sportlehrer. Das ist die hauptsächliche Klientel der Bildungsstätte mit internationalem Ruf.

Weniger ins Bild der Studentenschaft an der ETH Zürich passen Ökonomen, Finanzspezialisten, Manager und Unternehmer. Sie bevorzugen die Universität Zürich, 200 Meter entfernt. Oder die HSG in St. Gallen.

Wirtschaftliches Neuland betreten

Seit fünf Jahren ist das anders. 2005 hat die ETH das Departement Management, Technologie und Ökonomie (D-MTEC) gegründet. Die Kernthemen sind Management und Wirtschaft. Damit hat die Schule Neuland betreten. Die Gründe basieren auf der Erkenntnis, dass in der heutigen Industriewelt Führungskräfte auch etwas von Technologie verstehen müssen. Angeboten werden am D-MTEC nur Master-Programme und Doktorate. Ein Master of Science in Management, Technologie und Ökonomie. Dazu ein Master of Advanced Studies (MAS) im selben Fachgebiet sowie ein MAS in Arbeit und Gesundheit. Schliesslich ein Executive Master of Business Administration (EMBA) in Supply Chain Management.

Die Aufnahmebedingungen sind streng. Wer am D-MTEC studieren will, muss einen Bachelor-Abschluss aus einem technischen oder naturwissenschaftlichen Fach mitbringen.

Das D-MTEC hat einen Schnellstart hingelegt. Innert fünf Jahren ist die Zahl der Studierenden auf 570 angewachsen. Es bestehen bereits Kapazitätsengpässe. Der Andrang ist so enorm, dass bei der Selektion der Studenten die Noten entscheiden. «Im Moment können wir von zehn neuen Bewerbern nur drei aufnehmen», sagt Georg von Krogh. Der 47-jährige Ingenieur und Wirtschaftswissenschaftler aus Norwegen ist seit zweieinhalb Jahren Departementsvorsteher am D-MTEC. Nach Zürich gekommen ist er 2006, nachdem er zuvor für zwölf Jahre einen Lehrstuhl an der HSG besetzt hatte. Unterrichtet hat er auch am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in den USA.

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An der ETH Zürich fühlt sich von Krogh rundum wohl. Das Bildungskonzept am D-MTEC bringe den Studierenden einen wesentlichen Mehrwert. «Sie lernen beide Bereiche, Management und Technik, sehr gut kennen.» Technologie- und Innovationsmanagement wird genau gleich gewichtet wie andere Gebiete der Wirtschaftswissenschaften. Wesentlich ist die Verknüpfung der beiden Welten, die von modernen Wirtschaftsingenieuren heute verlangt wird.

Intensive Forschung - dank der KOF

Einen hohen Stellenwert hat die Forschung am D-MTEC. Dazu werden mehrere Kooperationen mit Unternehmen, etwa aus den Bereichen Life Science, Versicherungen oder IT, unterhalten. Hilfreich ist, dass dem Departement die führende Schweizer Konjunkturforschungsstelle KOF angeschlossen ist. Dank der Nähe zum KOF können aktuelle Konjunkturdaten direkt in den Lehrstoff integriert werden. Studierende erfahren aus erster Hand, wie Konjunkturforschung funktioniert. Solche Fähigkeiten sind auf dem Arbeitsmarkt gefragt.

Diverse Konzerne sind dem D-MTEC deshalb wohlgesinnt. Swiss Re und Zurich Financial Services sponsern je einen Lehrstuhl. Auch der Bund unterstützt das jüngste Departement der ETH Zürich tatkräftig. Es fliessen Gelder aus dem Nationalfonds und der Kommission für Technologie und Innovation (KTI). Rund 30 Prozent der Kosten am D-MTEC werden durch Fremdmittel gedeckt. «Das ist für ETH-Verhältnisse überdurchschnittlich», ergänzt von Krogh.

Studierende im Ausland rekrutieren

Staat und Wirtschaft erwarten einen Gegenwert für ihre Unterstützung: Optimal ausgebildete Jungmanager für Prosperität und Wachstum. Dem Anspruch wird das D-MTEC gerecht. 72 Prozent der Absolventen sind heute in Managementfunktionen. Auch das Unternehmertum wird im Departement gefördert. Jeder siebte Absolvent erwägt die Gründung einer eigenen Firma.

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Von Krogh ist vom Ehrgeiz beseelt, die Qualität der Studierenden weiter zu steigern. Dies würde noch mehr Know-how für die Forschung bedeuten und das Image des D-MTEC weiter steigern. Gute Köpfe sollen vermehrt direkt an ausländischen Hochschulen mit Format rekrutiert werden. Das Institut pflegt enge Allianzen mit der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen, dem Imperial College London sowie der Bocconi-Universität Mailand. Dazu kommen beste Beziehungen mit japanischen und amerikanischen Hochschulen. Der Ausländeranteil am D-MTEC ist schon heute sehr hoch. «Das ist ein gutes Zeichen für unsere Qualität», deutet von Krogh.

Wer gut ist, wächst - auch im Bildungsbereich. In den kommenden Jahren sollen am D-MTEC drei neue Professuren eingerichtet werden. Von Krogh geht von rund 100 zusätzlichen Angestellten aus. Das Departement mausert sich zu einem internationalen Aushängeschild für die ETH Zürich - und gibt ihr Argumente in die Hand, um sich jetzt auch Kaderschmiede für Top-Manager zu nennen.

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