Bei der in einem Schutzschirmverfahren steckenden Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof droht Insidern zufolge ein Kahlschlag: Bis zu 80 der knapp über 170 Warenhäuser seien nach aktuellem Diskussionsstand des Sachwalters und des Generalbevollmächtigten vom Aus bedroht, sagten mehrere Insider der Nachrichtenagentur «Reuters». In den verbliebenen Häusern könnten dann bis zu zehn Prozent der Stellen abgebaut werden.

Der Konzern wollte sich nicht äussern. Die Gewerkschaft Verdi warf dem Unternehmen vor, es wolle die Corona-Krise für einen Kahlschlag missbrauchen. «Das ist brutal!», sagte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger: «Es hat den Anschein, dass die Unternehmensleitung und der Eigentümer die Corona-Krise missbrauchen, um ihre ursprünglichen Planungen von Standortschließungen und Entlassungen doch noch umzusetzen.» 

Mietminderungen angestrebt

Es gebe aber noch keine finalen Beschlüsse, sagten die Insider. Mit den Warenhaus-Vermietern werde über Mietminderungen gesprochen. Die Ergebnisse dieser Verhandlungen könnten noch Auswirkungen auf den Umfang der Schliessungspläne haben.

Galeria Karstadt Kaufhof gehört zum Imperium des Tiroler Immobilien-Unternehmers René Benko, der kurz vor Ausbruch der Lockdown-Krise – Anfang Februar 2020 – mit der Migros die Übernahme der Globus-Warenhäuser vereinbarte, gemeinsam mit der Central Group aus Thailand.  

In Deutschland habe habe Galeria Karstadt Kaufhof erst vor Weihnachten eine Standort- und Beschäftigungssicherung tarifvertraglich zugesichert, so Nutzenberger: «Wenige Wochen später kommt jetzt die Umkehr und ein Kahlschlag auf Kosten der Beschäftigten.» Die Politik dürfe dies nicht zulassen. 

Ausfälle nicht aufholbar

Die Geschäftsleitung hatte die Mitarbeiter bereits zu Wochenbeginn auf die Schliessung von Warenhäusern und einen Abbau von Stellen eingestimmt. In einem Brief der Geschäftsleitung an die Mitarbeiter hiess es, die Sachwalter gingen davon aus, «dass die vor uns liegende Sanierung weit entschlossener ausfallen muss, als wir alle uns das wünschen würden».

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Neben vielen anderen teilweise einschneidenden Massnahmen könne es auch zu Standortschliessungen und dementsprechend auch zu einem Arbeitsplatzabbau kommen, hiess es weiter. 

«Galeria Karstadt Kaufhof hat während der Zeit der Komplettschliessung mehr als eine halbe Milliarde Euro verloren», hiess es in dem Schreiben weiter. Die Umsätze der letzten acht Wochen, darunter das wichtige Ostergeschäft, fehlten, der Rückstand sei nicht aufzuholen. «Insgesamt dürfte sich der Umsatzverlust auf bis zu einer Milliarde Euro erhöhen», räumte die Geschäftsleitung ein.

Immobilien verkauft

Der Warenhaus-Konzern hatte Anfang April ein Schutzschirmverfahren in Eigenverwaltung begonnen. Dieses gilt als Vorstufe der Insolvenz, folgt den gleichen Regeln und mündet oft in ein reguläres Insolvenzverfahren. Offiziell gehört der Konzern gehört der Signa-Holding von René Benko. Signa verfügt auch über einen Teil der Warenhaus-Immobilien. Die Holding hatte Insidern zufolge jüngst ein Paket mit Warenhaus-Immobilien der Kette verkauft. Käufer seien Fonds des Finanzinvestors Apol­lo EPF.a

Reuters» - rap)

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