Zuerst war Deutschland dran. Das Pilotprojekt der GE Money Bank als Vollbank für Endverbraucher war 2004 nach der Fusion der Allbank (Berlin) und GE Bank (Untermieter von Metro/Kaufhof) erfolgt. Das Dienstleistungsangebot reicht von Giro-Kontenführung bis hin zur Anlageberatung. Mittlerweile betreut die Bank mit 1000 Mitarbeitern über 500000 Kunden.
Mit dem neuen Markennamen GE Money Bank startet General
Electric einen globalen Auftritt, mit dem das bisher zerstreute Bankgeschäft für Endverbraucher in den einzelnen Ländern aufgebaut werden soll. Das Geschäftsfeld Consumer Finance wird sukzessive in 32 Ländern etabliert, wie Thomas P. Limberger, Vorstandsvorsitzender von GE Central Europe (Deutschland, Österreich, Schweiz), im Gespräch mit der «HandelsZeitung» erklärt. Die Schweiz ist nach Deutschland das zweite Land, in dem die GE Money Bank nun an den Start geht, Österreich soll später folgen. Daraufhin ist die Einführung in weiteren europäischen Ländern geplant, erst zuletzt werde das Privatkundengeschäft auch im Heimmarkt USA aufgebaut, sagt Limberger.
*Über 30 Filialen?*
Auf dem Feld der Finanzen ist GE in der Schweiz bisher durch die GE Capital Bank vertreten - Konsumkredite und Auto-Leasing. Diese war 1999 aus dem Zusammenschluss der von GE aufgekauften Bankendienstleister Aufina und Prokredit entstanden. Die Bilanzsumme der GE Capital Bank betrug 2003 5 Mrd Fr. 30 Zenter und Filialen mit 550 Mitarbeitern werden in der deutschen, französischen und italienischen Schweiz betrieben. «Wir wollen in der Schweiz eine für uns komplett neue Kundengruppe erschliessen», erklärt Limberger. Das Privatkundengeschäft sei verlockend, die neue Retail Bank soll mit einem grösseren Filialnetz, einem neuen Online-Angebot und dem einheitlichen Logo auftreten.
*Industrie-Zukäufe geplant*
GE will sich als globaler Finanzdienstleister neu positionieren, wie der 38-jährige Limberger, Chef über 7300 Mitarbeiter, erläutert. GE Capital ist demnach ab sofort in vier separate und eigenständige Einheiten untergliedert: In das neue Geschäftsfeld GE Consumer Finance (GE Money Bank), in GE Commercial (B2B-Geschäft) sowie in GE Equipment Services (Autoflotten-Leasing) und GE Insurance Services.
GE Capital als bisherige Bank-Marke wird nicht weitergeführt. In Zukunft sollten vielmehr die GE Money Bank sowie die drei anderen Bereiche, Commercial Finance, Equipment und Insurance, als eigenständige Marken positioniert werden.
Der Standort Zürich erhält nicht nur eine neue Retail Bank, sondern auch mehr Gewicht im wertvollsten Unternehmen der Welt. In Zürich nämlich will GE 2005 auch ihr neues nationales Headquarter einrichten, unter dessen Dach alle acht bisher über die Schweiz verteilten Unternehmensbereiche (von Medizin- bis Energietechnik) gebündelt werden sollen, wie Limberger erklärt. Der im Dezember 2004 vermeldete Umzug der GE Capital Bank von Brugg nach Zürich-Altstetten erscheint damit im neuen Licht. «Wir bauen dort ein komplett neues Bürogebäude.» Alle Geschäftsfelder würden von dort aus dann zentral betreut, aber auch die Nähe zu wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen (wie die ETH) sei mitausschlaggebend für die Standortwahl gewesen. Die Hauptniederlassung für Zentraleuropa bleibe jedoch in München, wo seit Juni 2004 auch eines der vier Global Research Center von GE (neben USA, Bangalore und Shanghai) angesiedelt ist.
Aber nicht nur das Rebranding und die Neupositionierung auf dem Schweizer Markt wird von Zürich aus lanciert. «Wir sind auch auf der Suche nach neuen Beteiligungen auf dem Industriesektor», bestätigt der GE-Chef Limberger. Denn neben dem Finanzsektor würden von General Electric derzeit global, aber auch in der Schweiz besondere Wachstumsfelder erkannt: Medizin und Energie (Wasser) sowie Sicherheit (zum Beispiel an Flughäfen).
Unternehmensaufkäufe schliesst Limberger in der Schweiz nicht aus. Die Kriegskasse dazu scheint jedenfalls gut gefüllt. Der von Limberger verantwortete Bereich GE-Zentraleuropa verbuchte 2003 einen organischen Umsatzzuwachs (ohne Akquisitionen) von über 40%. Den Löwenanteil hielt Deutschland mit 5,4 Mrd Euro Umsatz, vor Österreich (1 Mrd Euro) und der Schweiz (800 Mio Euro). Für 2004 erwartet Limberger ein insgesamt «zweistelliges Umsatzwachstum». Für das 4. Quartal 2004 zumindest meldete GE soeben ein Plus von 18% bei Umsatz, Gewinn und Cashflow.

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