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Geheimoperation Libyen

Der illustre Kreis von Investoren pumpte Millionen in den Wüstensand. (Montage: Ossi Möhr)

Mit dabei waren CS-Präsident Rohner, Nestlé-Präsident Brabeck oder auch Banker Martin Bisang: Eine Gruppe prominenter Schweizer Wirtschaftskapitäne wollte mit einem Staatsfonds des Gaddafi-Clans Luxus

Von Samuel Gerber und Stefan Eiselin
am 07.07.2011

Prominente Freunde beleben das Buchgeschäft. Autorin Mirjam Staub-Bisang weiss das. Ihr neues Werk mit dem Titel «Nachhaltige Anlagen für Institutionelle Investoren» dürfte es im Herbst auf Anhieb zur bevorzugten Lektüre der Schweizer Wirtschaftselite schaffen. Credit-Suisse-Präsident Urs Rohner orderte 100 Vorabexemplare für seine Banker. Nestlé-Präsident Peter Brabeck schrieb für das Buch der Frau von Bank-am-Bellevue-Chef Martin Bisang gleich ein ganzes Kapitel.

In der Praxis freilich investieren die ­Beteiligten ihr privates Geld wenig nachhaltig. Da spielen mitunter weder ökologische noch moralische Kategorien eine Rolle. Rohner, Brabeck und Staub-Bisang gehören zu einem diskreten Club prominenter Privatinvestoren, die ausgerechnet im Reich des Diktators Muammar Gaddafi mit Immobilien Geld machen wollten.

Luxushotels, Läden, Yachthäfen

Zusammen mit einem Ableger des libyschen Staatsfonds investierte der illustre Kreis bis zu 300 Millionen Franken, um in Tripolis Luxushotels, Läden und gar einen Yachthafen zu bauen. Mit an Bord waren neben Rohner, Brabeck und Staub-Bisang auch deren Gatte und Bellevue-Banker Martin Bisang, Industrieinvestor Ernst Thomke, Ex-Sarasin-Chef Peter Merian, Prinz Michael von Liechtenstein und Swiss-Prime-Site-Präsident Bernhard Hamme.

Gehobene Hotels für die in den Wüstenstaat strömenden Ingenieure und Kader der Ölfirmen: Das war die ursprüngliche Geschäftsidee hinter dem Schweizer Immobilienprojekt in Libyen.
Angerichtet wurde mit grosser Kelle: An bester Lage in Tripolis baute die Firma der prominenten Investoren einen Yachthafen, Läden, ein Einkaufszentrum, zwei Luxushotels mit Spa-Anlage und ein Parkhaus. Das Projekt lief anfänglich zur allseitigen grossen Zufriedenheit. Auch die Behördenkontakte seien sehr angenehm und äusserst konstruktiv gewesen, berichtet ein Investor aus dieser Zeit.

Doch am Ende scheiterte das Projekt an der diplomatischen Eiszeit im Verhältnis der Schweiz zu Libyen. Doch trotz der Wirren um die Verhaftung von Schweizer Geschäftsleuten in Tripolis erhielten die prominenten Finanziers aus der Schweiz, am Ende ihr ganzes Geld zurück – unter mysteriösen Umständen.

 

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