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Glücksspiel
Geldspielgesetz setzt Hürden für Online-Casinos - zu hohe?

Schweizer Casinospiele auf dem Computer erfordern hohe Investitionen in den Aufbau des Angebots.
Schweizer Casinospiele auf dem Computer erfordern hohe Investitionen in Millionenhöhe in den Aufbau des Angebots.Quelle: © KEYSTONE / GAETAN BALLY

Hiesige Casinos haben ihr Vorrecht auf Schweizer Online-Casinos erfolgreich verteidigt. Nun zeigt sich: Die Hürden könnten viel zu hoch sein.

Von Bernhard Fischer
am 24.01.2019

Hiess es im Schweizer Glücks­spiel nur noch «Rien ne va plus», gilt ab dem zweiten Halbjahr «Faites vos jeux». Dann starten die ersten  Casinos legal mit einem Online-Angebot und sind nicht mehr sinkenden Bruttospielerträgen ( BSE: Einsatz minus Auszahlungen) am Spieltisch ausgeliefert.

Das neue Geldspielgesetz macht es möglich, es gilt seit Anfang Jahr. Die Schweizer Casinolobby jubelte bereits im Voraus, ausländische Konkurrenten ohne Lizenz mit dem neuen Gesetz abgewehrt und Rot, Schwarz und Zero im Internet für sich gesichert zu haben.

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Nun sieht es aber so aus, als habe sich die Branche bei all der Fürsprache in der Berner Wandelhalle für das neue Geldspielgesetz ins Knie geschossen: Die finanziellen Anforderungen bei erweiterter Konzession fürs Online-Spiel sind so hoch, dass einige Spieltempel Schwierigkeiten bekommen könnten. ­Casinoverbandschef Marc Friedrich sagt knapp: «Die Kapitalerfordernisse werden akzeptiert.»

Hohe Kapitalanforderungen

Das Eigenkapital muss mindestens 20 Prozent des Bruttospielertrags be­tragen. Das Aktienkapital muss für jede einzelne Online-Konzession um satte 3 Millionen Franken aufgestockt werden. So fordert es nun die Eidgenössische Spielbankenkommission ESBK gemäss Gesetz von den Casinos für eine Online-Lizenz ein. Und nicht alle können sich das so einfach leisten.

Die Jahreszahlen 2017 waren alles andere als rosig: obwohl die Branche in mehr Spieltische ­investierte, sank der BSE auf 682 Millionen Franken. In zehn Jahren haben Schweizer Casinos mehr als einen Drittel ihres BSE eingebüsst. Die Zahlen für 2018 werden im Laufe dieses Jahres ­publiziert.

Aktionäre gefragt

Mehr als ein Dutzend der 21 Spiel­banken in der Schweiz kann eine Aufstockung des Aktienkapitals nicht so einfach aus dem laufenden Geschäft finanzieren. Es wird daher sehr auf die Finanzkraft und den Finanzierungswillen der Eigentümer ankommen.

Etwa darauf, ob bestehende ausländische Anteilseigner wie die ACE Casino Holding, eine Ablegerin des österreichischen Automatenkonzerns Novomatic, oder die französischen Glücksspielfirmen Barrière und Partouche – allesamt wesentliche Spielbankenaktionäre in der Schweiz – das notwen­dige Kapital einschiessen.

Oder ob neue Partner mit Online-Know-how als Aktionäre an Bord geholt werden, um diese am Gewinn zu beteiligen. Was bedeutet, dass Gewinnanteile und Casino-Eigentum an ausländische Anbieter gehen.

Gefährdung für Casino-Standorte

Für manche Spielbank könnten die neuen Kapitalerfordernisse sogar das Aus bedeuten. Aus zwei Gründen. Erstens: Die technische Umsetzung ­eines Online-Angebots ist teuer. In der Grös­senordnung von Swiss Casinos geht man von einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag aus, um nur das Online-Angebot auf die Höhe der Zeit zu heben.

Swiss-Casinos-Chef Marc Baumann kooperiert für die Entwicklung von Online-Angeboten mit Profis aus dem Ausland, welche über die Technologie und die Erfahrung verfügen. «Eigenentwicklungen wären mir zwar lieber, aber das ist eine Frage der Kosten», sagte Baumann schon vor etwas über einem Jahr.

Zweitens: Nichts zu tun, ist keine Option. Wer auf eine Online-Konzession verzichtet, droht empfindlich Marktanteile an die ­inländische Konkurrenz zu verlieren. Das wiederum hätte weiter sinkende BSE für denjenigen zur Folge, der mit ­einem Online-Angebot zu lange wartet.

Zudem dauert es eine gewisse Zeit, bis Geld aus dem Online-Geldspiel fliesst. Das Casino Bad Ragaz zum Beispiel gehört nicht zu den Sprintern. «Wir prüfen gerade die Möglichkeiten, Online-Gambling profitabel zu betreiben.» Man stehe aber «am Anfang des Evaluationsprozesses». Von «grösseren Verschie­bungen zu Ungunsten des terristrischen Bereichs» geht Bad Ragaz nicht aus.

Frage der Finanzierung

Diese Übergangsperiode aber – zwischen dem Aufwand für den Online-­Ausbau und ersten nennenswerten Erträgen aus dem neuen Angebot – kann für finanzschwächere Casinos zur Zitterpartie werden. Zumal die ESBK verlangt, dass die Eigenkapitalquote nicht nur mindestens erfüllt, sondern über die gesamte Konzessionsdauer gehalten wird.

Frage der Finanzierung Einer der grössten Casinobetriebe der Schweiz, das Grand Casino Baden, kratzt mit einer Eigenkapitalquote von 21,5 Prozent vom BSE knapp am ­unteren Rand des Erforder­lichen. Dabei ist der Investi­tionsaufwand für den Online-Bereich noch nicht berücksichtigt.

Die Spielbank will diesen auch nicht verraten. Nur so viel: «Wir werden ein Konzessionserweiterungsgesuch fristgerecht einreichen», sagt Casino-Baden-Sprecher Beat Lehmann. «Im Juli 2019 werden wir ein hochwertiges und absolut konkurrenzfähiges Produkt auf den Markt bringen.»

Das Grand Casino Baden hält zudem fest: Sowohl das Grand Casino Baden – als auch das Casino Davos nach eine Aktienkapitalerhöhung am 18. Januar – erfüllen bereits heute die Investitionsanforderungen der ESBK für Onlinekonzessionen und haben daher beschlossen, ein entsprechendes Konzessionsgesuch einzugeben.

Wie dieses Angebot aussieht, über Investitionen und Anlaufkosten erfährt man nichts. Aber die 3 Millionen Franken obendrauf sind fix und müssen jedenfalls bezahlt werden.

Zwischen Verlust und Zuversicht

Auch für das Casino Davos, das zur Casino-Baden-Gruppe gehört, will die Mutter separat eine erweiterte Konzes­sion – «zur Zukunftssicherung», wie Lehmann sagt. Das ist schon deshalb auffällig, weil Davos 2017 einen Verlust von 653 000 Franken machte. Das Eigenka­pital beträgt rund 2 Millionen Franken. Aus eigener Kraft kann Davos das erforderliche Kapital nicht stemmen.

Im Fall der Casinos in Davos (Grand Casino Baden), Schaffhausen (Swiss Casinos) und St. Moritz (Casinos Austria) sieht es besonders düster aus: Sie alle hatten 2017 negativ abgeschlossen. Das Casino Interlaken machte einen mageren Gewinn von einer halben Mil­lion Franken und «steht in intensiven Verhandlungen mit potenziellen Know-how-Partnern» im Online-Gambling. Seine Zahlungspflicht liegt bei einer Online-Erweiterung freilich genauso bei 3 Millionen Franken.

Standortbereinigung möglich

Interlaken gibt sich dennoch zuversichtlich und rechnet bei einer erweiterten Konzession «ab dem zweiten vollen Geschäftsjahr mit einem BSE von 12 bis 15 Millionen Franken». ­Allerdings mit dem Hinweis, dass dies eine «Annahme und abhängig von vielen Faktoren ist». Beispielsweise davon, wie wirksam die Netzsperren gegen illegale Angebote sind, sowie von der Anzahl der nationalen Mitbewerber.

Interlaken deutet hier etwas an, was in der Branche zum Teil Sorge auslöst. Und zwar die Frage, ob mit den neuen Gesetzesanforderungen die Anzahl der Spielbanken gleich bleiben oder ob es zu einer Standortbereinigung kommen wird. Und auch, ob die Netzsperren reichen, um die ausländische Online-Konkurrenz tatsächlich draussen zu halten. Viele Unwägbarkeiten also; fix sind bis jetzt nur die Kosten.

Hinweis: Dieser Text thematisiert, dass die Investitionsanforderungen der Eidgenössischen Spielbankenkommission (ESBK) für Onlinespielkonzessionen die heimischen Casinos in die Bredouille bringen und für manche Anbieter sogar das Aus bedeuten könnten. Erwähnt wurden in einer ersten Version vom 24. Januar in diesem Zusammenhang auch die Grand Casino Baden AG und die Casino Davos AG. Dies war nicht korrekt. Beide Anbieter erfüllen bereits heute – die Casino Davos AG nach einer Aktienkapitalerhöhung am 18. Januar – die Investitionsanforderungen der ESBK für Onlinekonzessionen und haben daher beschlossen, ein entsprechendes Konzessionsgesuch einzugeben.