An der «Chilematt» kommt im zugerischen Unterägeri niemand vorbei. Die Überbauung, die vom 24. bis 27. September 2009 Eröffnung feiert, liegt im Herzen des Dorfes an der Hauptstrasse und unmittelbar neben der Pfarrkirche. Zudem wird sie künftig derart vielfältig genutzt, dass sie sich unweigerlich zu einem wichtigen Treffpunkt entwickelt: Im Zentrum werden Menschen nicht nur wohnen, arbeiten, einkaufen, Dienstleistungen in Anspruch nehmen, essen und trinken, sie werden sich in der «Ägerihalle» auch zu kulturellen und gesellschaftlichen Anlässen treffen.

Alleingang nicht verantwortbar

«Die ‹Chilematt› wird die Attraktivität von Unterägeri klar erhöhen», freut sich Gemeindepräsident Josef Ribary. Im Alleingang hätte das Dorf am Ägerisee mit seinen knapp 8000 Einwohnern das attraktive Projekt nicht realisieren können. Ribary: «Das wäre nicht zu verantworten gewesen.» Aus diesem Grund suchte die Gemeinde zusammen mit den Zugerland Verkehrsbetrieben (ZVB), denen ein Teil des Areals gehört, vor rund sieben Jahren einen privaten Investor, der das Risiko mittragen konnte. Die beiden Partner entschieden sich für die Baarer Generalunternehmung Alfred Müller AG, die bereits Erfahrung mit PPP-Projekten (Public Private Partnership) hatte.

GU übernimmt das grösste Risiko

Dank der Kooperation mit der Alfred Müller AG konnten die Gemeinde und die ZVB ihr finanzielles Engagement klar begrenzen. Denn die Generalunternehmung übernahm nicht nur den grössten Teil der Flächen. Sie garantierte auch für Termin, Qualität und Preis des Projekts und übernahm so das gesamte Risiko für den Fall, dass die schwierigen Bauarbeiten teurer werden würden als kalkuliert. Für Gemeindepräsident Josef Ribary war die Zusammenarbeit ein Glücksfall. «Eine bessere Situation hätten wir uns gar nicht vorstellen können, denn so konnten wir Synergien nutzen und gemeinsam die besten Lösungen anstreben.»

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Grossbaustelle in der Seekreide

Der schwierige Baugrund in der Seekreide stellte beim Bau des Zentrums die grösste Herausforderung dar. Umso mehr, als das Areal auf seiner Ostseite unmittelbar an die Pfarrkirche grenzt. Um die imposante Baugrube zu sichern, mussten unter anderem 6100 m2 Spundwände und über 500 Pfähle in den Boden gerammt werden. Alle Pfählungs-, Sicherungs- und Aushubarbeiten wurden von Geologen überwacht. Die Resultate der Messungen zeigen, dass die Baufachleute unter Leitung der Alfred Müller AG ihre Aufgabe bravourös gemeistert haben: Die Setzungen liegen in einem unproblematischen Bereich, und die Erschütterungen durch die Bauarbeiten stellten zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für benachbarte Gebäude dar.

TU führt Bauherrengemeinschaft

Neben der einwandfreien Erstellung und einem professionellen Management des Bauablaufs lag die besondere Leistung der Alfred Müller AG in der fachmännischen Beratung und Führung der Bauherrengemeinschaft. Es galt, die unterschiedlichen Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen, ohne dass die Kosten aus dem Ruder liefen und die Multifunktionalität der Anlage litt.

Hinzu kam die Zusammenarbeit mit der Korporation Unterägeri, welche für den Bau der Holzschnitzelheizung verantwortlich war (siehe Kasten).

Bau als Kunst - Kunst als Bau

Kernstück der «Chilematt» ist das Begegnungszentrum mit der «Ägerihalle». Der klar gegliederte Kubus verfügt über einen modernen Saal für rund 700 Personen. Die sorgfältig entwickelte Gebäudehülle besteht aus 760 schwarzen Glasplatten, die zum Teil mit symbolischen Zeichen des aus Unterägeri stammenden Künstlers Albert Merz verziert sind. «Die Gefässe stellen die Gemeinschaft dar, die im Zentrum zusammenkommen wird. Und sie sind Zeichen für das Geben und Nehmen, das in der ‹Ägerihalle› stattfinden soll», erklärt der Künstler. Und weiter: «Die Schläuche sind ein Sinnbild für den Zusammenhalt in der Gemeinschaft.»

Die Kunstfassade erhielt die Gemeinde zum Nulltarif: Dem für die Planung verantwortlichen Architekten Markus Hotz von Axess Architekten AG in Zug, der Alfred Müller AG und der Gemeinde Unterägeri ist es gelungen, Sponsoren für die Finanzierung der Mehrkosten von rund 250000 Fr. zu gewinnen.

Vor dem Begegnungszentrum ist ein winkelförmiges, sandfarbenes Gebäude angeordnet, das in starkem Kontrast zur schwarzen «Ägerihalle» steht. Seine klassische Architektur verhilft der «Chilematt» entlang der Hauptstrasse zu einem ruhigen und repräsentativen Auftritt. Im Alltag besteht der Nutzen der «Chilematt» für die Bevölkerung besonders in den vielfältigen Einkaufsmöglichkeiten mit dem Coop, der Raiffeisenbank, weiteren Läden und einem Gastrobetrieb. Daneben wird das Zentrum Geschäftssitz für verschiedene Praxen und Dienstleister sowie Wohnsitz für die Eigentümer der 22 Wohnungen.

Die Zugerland Verkehrsbetriebe verfügen über eine grosse Autoeinstellhalle für neun Buseinheiten. Diese wird tagsüber vom Coop als Anlieferungshalle für den Warenumschlag genutzt. Auch dies ist ein gelungenes Beispiel für die innovative Zusammenarbeit von Privatwirtschaft und öffentlichen Unternehmen.