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Geldsegen
Genfer Milliardärs-Clan setzt auf Berlin statt Zürich

Umzug: Die Digitalisierung räumt auch in diesem Business auf. Keystone

Das deutsche Umzugs-Startup Movinga erhält finanzielle Unterstützung von der Genfer Milliardärsfamilie Rimer. Die Schweizer Konkurrenz Movu hat das Nachsehen.

Von Marc Iseli
am 06.01.2016

Das Potenzial einer Firma zu erkennen, gehört zu den Stärken von Neil Rimer. Der 52-jährige Schweiz-Kanadier war früh bei Facebook, Skype und anderen Raketen am Start und hat es als Venture-Capital-Geber zusammen mit seinen Brüdern David und Danny zu einem Milliardenvermögen gebracht. Dank der feinen Investorennase hat es die Familie Rimer zuletzt auch erstmals ins «Bilanz»-Ranking der 300 reichsten Personen des Landes geschafft.

Nun sorgt Neil Rimer bei zwei deutschen Jungunternehmern für einen wahren Geldregen: Die von ihm geführte Risikokapitalfirma Index Ventures investiert zusammen mit Rocket-Internet-Chef Oliver Samwer und anderen Altinvestoren 25 Millionen Euro in das Berliner Umzug-Startup Movinga.

Berliner Feldzug

Movinga wurde vor einem Jahr von zwei Absolventen der deutschen Wirtschaftshochschule WHU gegründet. Was als studentische Umzugshilfe begann, entwickelte sich schnell zu einem landesweiten Dienstleister für Komplettumzüge. Nach eigenen Angaben ist Movinga in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Grossbritannien und Frankreich aktiv.

Mit dem neuen Geld wollen die Berliner nun die internationale Expansion vorantreiben, wie es im Communiqué von Index Ventures heisst. Auf dem Eroberungsplan stehen Italien, die Benelux-Länder und Skandinavien. Movinga will damit zum führenden Online-Umzugshelfer in Europa werden.

Berlin statt Zürich

Das Nachsehen hat die Schweizer Konkurrenz Movu, in die das Verlagshaus Ringier, der Ex-NZZ-Digitalchef Peter Hogenkamp und der einstige Immoscout-CEO Stefan Schärer investiert sind. Movu wurde ein halbes Jahr vor Movinga gegründet und beschränkt sich in seinen Aktivitäten auf den Schweizer Markt. Zu den Partnern des Unternehmens gehören unter anderem Swisscom, UBS, AXA Winterthur, Immoscout24 und Homegate.

Dem finanzstarken Expansionsdrang der Deutschen sieht Movu aber gelassen entgegen: «Wir spüren die Konkurrenz noch nicht», sagt Marketing-Chef Hannes Sturzenegger. Ausserdem unterscheide sich das Geschäftsmodell der beiden Firmen: Movu sei eine Vermittlungsplattform und arbeite mit lokalen Partnern. «Movu ergänzt das Offline-Angebot der Umzugsfirmen», sagt Sturzenegger.

Schweizer Eigenheiten

Movinga hingegen sei nicht nur Vermittlungsplattform, sondern eine Umzugsfirma mit eigener Fahrzeugflotte und eigenen Umzugshelfern. Dieses Geschäftsmodell sei äusserst personalintensiv und schwieriger skalierbar, erklärt Sturzenegger. Deswegen, so der Movu-Marketing-Chef, werde es Movinga schwer haben bei der Eroberung des Schweizer Markts.

Sturzenegger glaubt aber auch an die Eigenheiten der Schweiz. Zahlreiche grosse Player haben sich im hiesigen Markt bereits schwer getan: Ebay blieb hinter Ricardo zurück, Dein Deal setzte sich gegen Groupon durch. «Die Schweizer entscheiden sich bewusst für Schweizer Firmen», erklärt Sturzenegger. Ein Vorteil für das Zürcher Startup – ein Nachteil für die Berliner auf ihrem Feldzug.

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