Die Fragen sind zuweilen ziemlich persönlich: «Fühlen Sie sich physisch und psychisch in der Lage, den Anforderungen Ihres Arbeitsplatzes gerecht zu werden?» Oder: «Was tun Sie derzeit für Ihre Gesundheit?» Doch wer hinter diesen Fragen ein Anmeldeformular für eine private Krankenversicherung vermutet, liegt falsch.

Der Fragebogen ist für Mitarbeiter der Post bestimmt. «Gesundheitsabklärung» nennt sich das Prozedere. Pikant: Nicht bloss alle Neueintretenden bei der Post müssen Fragen zu ihrem Gesundheitszustand beantworten, sondern seit diesem Jahr auch alle bestehenden Mitarbeiter der PostMail. Insgesamt sind mehr als 15000 Mitarbeiter betroffen. Auf dem Fragebogen (siehe Abdruck) müssen Mitarbeiter ihre Personalien inklusive Personalnummer angeben, zudem unterschreiben sie und ihr Vorgesetzter das Formular gemeinsam.

Post-Sprecher Oliver Flüeler bestätigt Recherchen der «Handelszeitung»: «Im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung möchten wir gesundheitliche Probleme unserer Mitarbeitenden im Zusammenhang mit ihrer Arbeit frühzeitig erkennen, und nicht erst am Schluss auf die weitaus komplexeren Folgeschäden reagieren.» Die gemachten Angaben würden im Sinne der Prävention genutzt. Nachdem ein Pilotprojekt im letzten Jahr ergeben habe, dass dieses Vorgehen Sinn mache, sei es auch denkbar, dass schon bald alle 55000 Post-Beschäftigten diesen Check bei ihrem jährlichen «Fokus»-Gespräch (so heisst das Mitarbeitergespräch mit dem jeweiligen Vorgesetzten bei der Post) machen müssten, heisst es.

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Die Post betont, sie erhalte keinerlei ärztliche Details über ihre Mitarbeiter. Allenfalls weitergehende Abklärungen über die Gesundheit des Mitarbeiters würden vom eigenen Vertrauensarzt oder dem Medical Service durchgeführt. Dies ist eine Vereinigung von rund 50 bis 60 Ärzten, die neben der Post auch neue Mitarbeiter der SBB und Bundesangestellte auf allfällige gesundheitliche Probleme durchleuchtet. «Aufgrund der medizinischen Abklärungen erhält die Post keine Diagnose, sondern lediglich eine Prognose für den Mitarbeitenden am jeweiligen Arbeitsplatz», so Flüeler. Bestehen keine Probleme, wird der Fragebogen bei den Unterlagen des Mitarbeiters abgelegt. Arbeitsrecht und Datenschutz seien bei diesem Vorgehen gewahrt, sagt Flüeler.

Für Kosmas Tsiraktsopoulos von der Infostelle des Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten ist es nachvollziehbar, dass sich die Post um das Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter sorgt. Aber: «Da es sich hier um sensible Gesundheitsinformationen handelt, muss man sich fragen, ob es nicht besser wäre, wenn ein Arzt und nicht der direkte Vorgesetzte diese Erhebung durchführen würde.»

Zweitgrösste Arbeitgeberin

Bei Neueinstellungen ist es tatsächlich vor allem in Grossfirmen inzwischen üblich, dass gesundheitliche Fragen von der Firma direkt gestellt werden. Auch bei der Post geschieht das: So soll beispielsweise verhindert werden, dass ein Mitarbeiter mit Rückenproblemen schwere Pakete heben muss. Auch wenn ein Post-Mitarbeiter durch Krankheit eine längere Absenz aufweist, werden ihm Fragen zu seiner Gesundheit gestellt.

Die flächendeckende Befragung bestehender Mitarbeiter ist hingegen eher ungewöhnlich. Und eigentlich sollte gemäss den internen Regelungen der Post der Vorgesetzte die betroffenen Mitarbeiter über das neue Prozedere informieren. Nicht immer wurde das offenbar auch getan, wie die «Handelszeitung» aus Fällen in der Praxis weiss. «Ich musste einfach den Fragebogen ausfüllen», sagt etwa ein Betroffener. Was mit seinen Informationen passiere, habe ihm niemand näher ausgeführt.