Seit 1930 gehört der Glacier Express zwischen St. Moritz und Zermatt zu den populärsten Erlebniszügen der Welt, immer wieder taucht er in touristischen Top-Ten-Rankings auf. Mit Express hat er allerdings nicht mehr viel am Hut: Die Werbung kokettierte vielmehr mit dem langsamsten Schnellzug der Welt.

Die guten Rankings allerdings kontrastieren deutlich mit den sinkenden Passagierzahlen. Zwischen 2008 und 2016 sanken sie von rund 260'000 auf deutlich unter 190'000.

Mit «Überklasse» wieder als Premium-Produkt positionieren

Die Gründe für den Passagierrückgang sind vielfältig: Ein Teil ist auf die Einstellung des Zuges nach Davos zurückzuführen, der 2012 nach dem Wegfall der Bundessubventionen finanziell nicht mehr tragbar war. Auch die Aufhebung des Euro-Mindestkurses und die damit verbundene Krise im Schweizer Tourismus spielten eine Rolle. «Doch auch der Rückgang von Buchungen über die traditionellen Kanäle und die neue Herausforderung der Digitalisierung haben dazu geführt, dass sich die beiden Betreiber Matterhorn Gotthard Bahn und Rhätische Bahn ernstlich überlegen mussten, wie sie den Glacier Express für die Zukunft fit machen könnten», sagt Isidor Baumann, Präsident der Glacier Express AG. Die Gründung der eigenständigen Gesellschaft im Jahr 2017 zur besseren Verantwortung von Marke und Strategie war ein erster Schritt.

Zusätzlich sollte eine neue «Überklasse» den Glacier Express wieder als Premium-Produkt auf dem Weltmarkt positionieren. In den Werkstätten der Rhätische Bahn in Landquart wurden für 3 Millionen Franken zwei ­Panoramawagen in exklusive Premium-Waggons verwandelt. Sie sind seit März als «Excellence Class» unterwegs und sollen eine neue Ära beim Glacier Express einläuten.

Feudale Sessel und livrierte Concierges

Die Vorgabe war ambitiös: Die Excellence Class sollte ein neues Servicelevel bieten, das Natur- und Bergerlebnis ins­zeniert und sich auch optisch von allem Bisherigen abhebt. Mit der Umsetzung betraut wurde die Zürcher Designagentur Nose, die bereits für Swiss, Edelweiss, SBB oder den Velohersteller BMC tätig war. «Luxus beim Reisen wird durch Raumgrösse, Materialisierung und stimmiges Licht erlebbar», sagt Christian Harbeke von Nose. In den neuen Wagen stechen zunächst die feudalen Sessel mit einem Mix von beigem Leder und edlem Stoff in «Gletschertönen» ins Auge. Sitzkomfort ist wichtig, schliesslich geht die Reise mit dem Glacier Express acht Stunden – über 291 Brücken und durch 91 Tunnels. Die Gäste sitzen in zwei Einerreihen, womit alle einen garantierten Fensterplatz haben. Prunkstück im Wagen ist ein riesiger Kompass in der Bar, welcher in den vielen Kehrtunnels für das Amusement der Gäste sorgt.

Anzeige

Zum luxuriösen Interieur gehört der passende Service, gewährleistet durch einen Concierge, gewandet im Stil der goldenen Wagon-Lits-Jahre, was die Auferstehung des Luxus auf Schienen unterstreicht. Der Concierge ist für das Wohl der zwanzig Fahrgäste besorgt, vom Empfang über den Service der Speisen bis zum passenden Drink an der Bar. Die Concierges wissen auch bestens Bescheid über die Höhepunkte der Strecke. Darin werden sie vom bordeigenen Infotainment-System unterstützt, auf das alle Passagiere überein eigenes Tablet und Kopfhörer an ihrem Platz zugreifen können.
Natürlich hat dieses Premium-Angebot mit 420 Franken Zuschlag auf das ­reguläre Ticket auch seinen Preis. Im ­Betrag inbegriffen sind Apéro, ein fünfgängiges Menu mit Weinbegleitung, Tea Time plus Softdrinks und Kaffee. Der Caterer Panoramic Gourmet legt Wert auf Schweizer Gerichte und einheimische Produkte, wo immer möglich aus den befahrenen Regionen.

Für Schweizer Verhältnisse ist ein Aufpreis von 420 Franken happig. Auf dem internationalen Premium-Markt ­allerdings sind solche Beträge nichts Aussergewöhnliches, wie Helmut Biner, Verkaufsleiter der Matterhorn Gotthard Bahn, weiss. Luxusreiseveranstalter, insbesondere aus Asien, hätten jedenfalls schon reges Interesse bekundet.

Der Glacier Express ist profitabel

Annemarie Meyer, Geschäftsführerin der Glacier Express AG, ist überzeugt, dass die Excellence Class dem Zug insgesamt wieder erhöhte Aufmerksamkeit verschafft. Genau wie das Renovationsprogramm der übrigen Panoramawagen der 1. und 2. Klasse, in welches das Unternehmen rund 20 Millionen Franken investiert.

Das Ziel der Glacier Express AG ist jedenfalls klar: Die Marke von 250'000 Fahrgästen soll schon bald wieder überschritten werden, womöglich schon nächstes Jahr zum 90. Jubiläum. Allzu weit weg vom Ziel ist man nicht mehr: 2017 reisten 221'000 Personen mit dem Glacier Express. 2018 waren es 233'000 Passagiere. Und noch besser: Das Unternehmen arbeitet mit Gewinn.