Die Swisscom gibt auch in Sachen Glasfasern den Takt vor. Seit Monaten schwelt der Streit zwischen dem Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ) und der Ex-Monopolistin. Es geht darum, wie viele Glasfasern in der Stadt Zürich verlegt werden sollen (siehe Kästchen). Nach Informationen der «Handelszeitung» lenkt nun das EWZ ein. «Die Parteien sind sich einig, dass mehrere Fasern verlegt werden», sagt ein Gewährsmann. Bei den weiteren Verhandlungen gehe es noch um finanzielle und technische Details. Tatsächlich werden im Pilotprojekt im Stadtzürcher Enge-Quartier vom EWZ bereits mehrere Fasern gebaut. Eine der Fasern ist exklusiv für die Swisscom reserviert.

Offiziell halten sich die Parteien bedeckt. Jacqueline Verjee, Leiterin Produkte- und interne Kommunikation beim EWZ, sagt nur: «Es werden verschiedene Varianten geprüft.» Und bei der Swisscom erklärt Sprecher Sepp Huber: «Wichtig ist, dass mehrere Fasern verlegt werden, eine davon wollen wir exklusiv nutzen, damit wir die darauf aufsetzende Technologie selber bestimmen können.» Das bringe Wettbewerb bei Innovationen, bei der Qualität und der Differenzierung des Angebots.

Die Haltung des EWZ wurde in den letzten Monaten auch vom TeleCom-Regulator kritisiert. ComCom-Präsident Marc Furrer warf in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» dem EWZ vor, mit seinem Vorgehen den Wettbewerb zu behindern. Der Aufwand, mehrere Glasfasern zu verlegen, wäre für das EWZ nicht so gross, erklärte Furrer. Das EWZ werde akzeptieren müssen, dass gewisse Anbieter eine eigene Faser verlangten. Andres Türler, Vorsteher der Industriellen Betriebe der Stadt Zürich, gab sich darauf offiziell unbeirrt: Das Mehrfaser-Modell diene der Swisscom lediglich als Vorwand, um ihre überragende Marktposition zu behaupten. Sie baue vier Fasern, und wer eine davon wolle, müsse zahlen. Damit lasse sich Swisscom ihr eigenes Netz von Mitbewerbern subventionieren.

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Zahlt Swisscom 120 Millionen?

Während vor den Kulissen also noch mit scharfer Munition geschossen wird, sind dahinter die Würfel offenbar gefallen. Mit der Swisscom wird gemäss EWZ noch bis Ende Jahr verhandelt, «über Investitions- und Betriebskosten sowie die Prozesse für Bau, Betrieb und Unterhalt.»

Unklar ist derzeit noch, ob die Swisscom dem EWZ 120 Mio Fr. an den Netzbau zahlt. Sie bot diesen Betrag an, wenn das EWZ ihr eine zusätzliche Glasfaser exklusiv zur Nutzung zur Verfügung stelle. Gilt dieses Angebot noch? Huber erklärt: «Das war unser Angebot von letztem Dezember, jetzt laufen konkrete Verhandlungen, die wir nicht weiter kommentieren.» In der Branche geht man davon aus, dass sich Swisscom das Einlenken des EWZ «durchaus etwas kosten lässt».