Ein Tochterunternehmen des Rohstoff-Konzerns Glencore hat nach dem Urteil eines belgischen Gerichts einen EU-Beamten bestochen, um an marktrelevante Informationen zu gelangen.

Die Richter befanden Glencore Grain Rotterdam am Mittwoch für schuldig, in den Jahren 2002 und 2003 dem Beamten Karel Brus Handy-Rechnungen über 20'000 EUR bezahlt und einen Urlaub in Südfrankreich angeboten zu haben.

Im Gegenzug habe Brus als Mitglied der EU-Agrarbehörde sensible Informationen über Getreidesubventionen herausgegeben. Das Unternehmen wurde zu einer Strafe von 500'000 Euro verurteilt. Brus erhielt eine Haftstrafe von 40 Monaten. Ob das Urteil rechtskräftig ist, geht aus der Agenturmeldung der SDA nicht hervor.

Seltsame Geschäfte in Kasachstan

Ende September 2011 berichtete die «Handelszeitung» über eine Korruptionsermittlung in den Niederlanden. Glencore stieg bei der kasachischen Zinkfirma KazZinc ein, was zugleich der Startschuss für fragwürdige Geschäfte war, wie Dokumente zeigen, die der Redaktion vorliegen. Die Staatsanwaltschaft im holländischen Zwolle hegt seit Jahren den Verdacht, dass Glencore Schmiergelder in Millionenhöhe an Utemuratov bezahlt habe, den Berater des Präsidenten Kasachstans. Formell laufen die Ermittlungen zwar gegen einen holländischen Treuhänder, dem die Behörden Geldwäscherei vorwerfen. In diesem Zusammenhang geht es aber auch um das Geschäftsgebaren von Glencore in Kasachstan.

Im Zentrum der Strafermittlungen steht ein Geschäft, bei dem Glencore über eine von ihr verwaltete Firma im Kanton Nidwalden einer Gesellschaft im Steuerparadies Curaçao KazZinc-Aktien für über 20 Millionen Dollar abgekauft haben soll, für die die karibische Briefkastenfirma zuvor nur 7,7 Millionen Dollar bezahlt hat.

Die holländische Staatsanwaltschaft vermutet, dass aus der Preisdifferenz letztlich mindestens 5 Millionen Dollar an Utemuratov geflossen sind. Auch Zink-und Bleikäufe von Glencore bei der eigenen Tochtergesellschaft Kaz-Zinc sind Gegenstand der holländischen Strafermittlungen. Glencore soll zwischen dem 28. November 2003 und dem 27. Mai 2005 beim Bergbauunternehmen in Kasachstan, an dem die Zuger Rohstoffhändler ja die Aktienmehrheit hatten, Zink und Blei zu einem völlig überteuerten Preis gekauft haben.

Statt den Rohstoff direkt bei der eigenen Tochtergesellschaft zu besorgen, habe Glencore diesen für über 124 Millionen Dollar über eine karibische Tarnfirma gekauft.

Glencore bestreitet Vorwürfe

Laut der holländischen Staatsanwaltschaft habe Glencore damit «unverständlicherweise über 74 Millionen Dollar mehr für diese Rohstoffe bezahlt, als wenn sie direkt bei ihrer Tochtergesellschaft eingekauft hätte», steht in einem Gerichtsdokument, das der «Handelszeitung» vorliegt. Die niederländischen Behörden vermuten, dass ein Teil der Profite Utemuratov zugeflossen sind. Allein bei einer Kauftransaktion sollen das 11 Millionen Dollar gewesen sein.

Am Konzernsitz in Baar weist man alle Vorwürfe zurück. «Anfang 2007 ist Glencore aufgrund eines Rechtshilfebegehrens der niederländischen Behörden im Zusammenhang mit einer dortigen Strafuntersuchung von den Schweizer Behörden gebeten worden, als Zeuge Dokumente einzureichen», sagt ein Sprecher. Glencore sei dieser Aufforderung nachgekommen. «Zu keinem Zeitpunkt wurde Glencore Fehlverhalten vorgeworfen. Glencore weist jeden Vorwurf von Geldwäscherei oder Bestechung kasachischer Amtsträger von sich.»

(chb/awp/sda/rtd)

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