Grossbritannien will zur Erreichung seiner Klimaziele aufs Tempo drücken und dafür Fahrzeuge mit Verbrennermotoren früher verbieten als bislang geplant. Ab 2030 – und damit fünf Jahre schneller als vorgesehen – will Premierminister Boris Johnson den Verkauf von Benzin- und Dieselfahrzeugen untersagen.

«Jetzt ist die Zeit gekommen, eine grüne Erholung mit hochqualifizierten Arbeitsplätzen zu planen, die den Menschen die Sicherheit gibt, dass sie dazu beitragen, das Land sauberer, grüner und schöner zu machen», schrieb Johnson in einer Kolumne für die «Financial Times».

Der Waldbrand-Schock

Grossbritanniens Ziel 2030 ist ehrgeizig – auch im internationalen Vergleich. Im US-Bundesstaat Kalifornien sollen Benzin- und Dieselautos ab 2035 verboten werden: Geschockt von den Waldbränden dieses Sommers, erliess Gouverneur Gavin Newsom im September eine Verordnung dazu: In 15 Jahren dürfen im bevölkerungsreichsten Bundesstaat der USA nur noch noch neue Auto und Lieferwagen verkauft werden, die emissionsfrei sind. Die neuen mittelgrossen und grossen Trucks sollen ab 2045 keine Verbrennungsmotoren mehr haben.

Vor wenigen Tagen schloss sich dann die kanadische Provinz Quebec den kalifornischen Zielen an und setzte ebenfalls einen Endpunkt aufs Jahr 2035; British-Columbia hatte zuvor schon ein Verkaufsverbot auf 2040 gesetzt.  

«Peak» Benzinauto - 2030 sollen «Stromer» «Bezinzer» überholen

Im Jahr 2030 könnten laut einer Studie erstmals mehr Autos mit Elektro-Antrieben als mit Verbrennungsmotoren verkauft werden. Die Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG) rechnet dabei batteriebetriebene Wagen und Fahrzeuge mit Hybrid-Antrieben zusammen.

Treiber für die Entwicklung seien dabei unter anderem der Druck durch Vorgaben der Regulierer zum Schadstoffausstoss sowie sinkende Batteriekosten. So dürfte der Batteriepreis zwischen 2014 und 2030 um 80 Prozent fallen, prognostizierte BCG.

Der Anteil verschiedener Typen von Fahrzeugen mit Elektromotoren werde dabei von Region zu Region unterschiedlich sein, betonen die BCG-Experten. So werde in China und Europa zum Jahr 2030 gut jedes Vierte neue Fahrzeug nur mit Batterien betrieben werden, während der Anteil von Wagen mit Benzinmotoren auf rund ein Drittel sinken werde.

In den USA dürften dagegen nach der Prognose Benziner dann noch auf einen Anteil von 47 Prozent bei Neuwagen kommen - und reine Batterie-Antriebe auf gut ein Fünftel. — (awp/mbü)

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Grossbritannien als Vorreiterin

In China soll laut einem Ziel der Regierung im Jahr 2025 jedes vierte verkaufte Auto über einen alternativen Antrieb verfügen.

Grossbritannien war 2019 das erste G7-Land, das sich bis 2050 das Netto-Null-Emissionsziel setzte. Neben dem Verkaufsverbot für Benzin- und Dieselfahrzeugen will Johnson auch die britische Offshore-Windenergie bis 2030 von derzeit rund zehn Gigawatt (GW) auf 40 GW erhöhen.

Zudem sagte der Regierungschef bis zu 500 Millionen Pfund für Projekte zu, in denen die Verwendung von Wasserstoff unter anderem zum Heizen und Kochen zu Hause getestet werden.

Die Pläne werden von der Industrie weitgehend begrüsst. «Es ist ein Sprungbrett für die enormen Möglichkeiten für Investitionen in Grossbritannien und umweltfreundliche Arbeitsplätze, die eine echte kohlenstoffarme Wirtschaft mit sich bringen kann», erklärte der Direktor des britischen Industrieverbandes Josh Hardie.

(reuters/mbü)