Die Familie Grether forciert ihren Rückzug aus dem Basler Handelshaus Doetsch Grether. Seit Anfang September ist kein Mitglied der Eigentümerfamilie mehr im Verwaltungsrat vertreten, wie Handelsregister-Einträge belegen. Zuletzt waren Hans Christoph Grether als Verwaltungsrat und Susanne Grether als Angestellte mit Unterschrift eingetragen.

Hans Christoph und Susanne sind die Kinder der langjährigen Firmenchefin Esther Grether (80, Bild). Diese hatte sich bereits früher aus gesundheitlichen Gründen zurück gezogen.

Transaktionsexperte im Verwaltungsrat

Auch in der Muttergesellschaft Grether AG wurden die Einträge der Familienmitglieder Hans Christoph und Susanne vor kurzem gelöscht. Stattdessen wurde der Basler Wirtschaftsprofessor und Unternehmensberater Pascal Gantenbein neu ins Aufsichtsgremium gewählt.

Die Firma Hoffmann & Co, für die Gantenbein tätig ist, bewirbt ihn als Spezialist für «Wertgutachten, Firmentransaktionen und Finanzierungsprojekte», was den Schluss nahe legt, dass weitere Verkäufe anstehen könnten. Zuletzt hatte Doetsch Grether die beiden eigenen Marken Fenjal und Gard ins Ausland verkauft.

Eine Milliarde für die Kinder

Derweil wird das Privatvermögen der Familie aufgeteilt. Grosse Wertschriftenbestände wurden aus der Grether AG in neue Gesellschaften ausgelagert, die den Kindern gehören. Das belegen die Gründungsunterlagen dieser Firmen. Knapp 1 Milliarde Franken wechselten die Hand, darunter auch grössere Anteile am Uhrenkonzern Swatch, dessen wichtigste Einzelaktionärin – nach der Familie Hayek – Esther Grether ist.

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Der Geschäftsführer von Doetsch Grether verweist auf Anfrage auf eine «von der Familie Grether vereinbarte Umstrukturierung», beantwortet aber noch keine Detailfragen. Über «allfällige strategische Veränderungen» werde «zu gegebener Zeit» informiert, sagt er.

Abbau in der Schweiz

Bereits am Laufen ist die Schliessung der eigenen Produktionsstätte der Doetsch Grether AG in Muttenz (BL). Davon betroffen sind 70 von rund 140 Angestellte, wie Doetsch Grether vor knapp einem Jahr mitgeteilt hatte. Doetsch Grether produziert dort kosmetische und pharmazeutische Produkte für eigene oder fremde Marken wie Mum, Dikla oder Neo Angin. Jahrzehntelang wurden bei Doetsch Grether auch Cremen für Nivea hergestellt.

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