Es tönt wie eine Randnotiz und wurde auch kaum beachtet: Der Google-Konzern Alphabet hat im Dezember eine ­europäische e-Money-Lizenz erhalten, so etwas wie die EU-Version der Schweizer Fintech-Lizenz. Kein Grund, nervös zu werden?

Doch, wenn man bei einer Bank arbeitet. 

Noch betet die Schweizerische Bankiervereinigung wie als Mantra ihre Botschaften herunter: Bankkunden wollten persönliche Beratung, Tradition und Stabilität. All das könne ein Software-Unternehmen nicht bieten. Das Schweizer Banking sei ein technologie-immunes Geschäft. Zahlungsverkehr, wie ihn Google offenbar anstrebt, sei etwas, was man hierzulande gerne an Spezialisten auslagere.  

Doch wer Googles Schritt zu leicht nimmt, täuscht sich. Der Software-Konzern ist nicht irgendein Nischenanbieter, sondern ein Vollversorger, der uns längst durch den Tag begleitet. Google findet unsere Flüge und unsere Online-Bestellungen, verschickt Mails und spielt Musik für uns ab. Google weist uns als Navi den Weg. Wie mächtig werden Finanz-Dienstleistungen sein, die an all diese täglichen Mini-Kontakte anschliessen? 

In der digitalisierten Welt fehlt vielen Banken der Draht zum Leben der Kunden. Google setzt konsequent auf diese Schnittstellen. Das Banking, das sich darauf aufbauen lässt, kennen wir heute noch gar nicht. Klar ist nur, dass es anders aussehen wird als das, was UBS & Co anbieten. Wenn Google den Schritt vom Finanz-Vermittler zum Finanz-Akteur macht, ist das mehr als eine Nebensache. 

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