Dieses Gefecht war ganz nach dem Geschmack von Gregor Greber. Hier die Tech-Firma Comet, die mit der Zukunft ringt. Dazu ein Management, das einen Kick braucht. Und obendrein mit Hans Hess einen prominenten wie mächtigen Präsidenten, der seine Nachfolge mit Bedacht regeln will.

Zuerst suchte Greber das Gespräch, dann gab er Interviews, schliesslich verschoss er Giftpfeile. In einer Pressemitteilung warf er den Comet-Chefs eine «Verletzung der Treuepflicht» vor – und eine Behinderung seiner Aktionärsrechte. Er forderte subito einen Mann seines Vertrauens als Hess-Nachfolger auf dem Präsidentenstuhl.

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Greber, der Angreifer, ist über die Beteiligungsgesellschaft Veraison mit 10 Prozent an Comet beteiligt. Er ist Mitgründer von und treibende Kraft bei Veraison, wie jeder in der Finanzbranche weiss.

Kein Gegner ist ihm zu mächtig

Allzu zimperlich ist er nicht, wenn er seine Interessen und jene von Veraison durchsetzen will. Kein Gegner ist ihm zu mächtig, kein Wall zu hoch. Widerstand im Management oder im Verwaltungsrat spornt ihn erst so richtig an.

Seine Attitüde als forscher Aktionärsvertreter hat ihn, den Sohn eines Akkordmaurers aus Sursee LU, zu Reichtum gebracht: ein Millionenvermögen, Häuser am Zürichsee, in Arosa und im Napa Valley, ein Steakhouse in Zürich («Napa Grill»), dazu eine Weinhandlung (Napa Wine) plus den eigenen Wein (Helvetia Selection), der alljährlich 600 Flaschen hergibt.

Zudem ist er Mitglied beim exklusiven Weinclub The Napa Valley Reserve. Ferner unterstützt er das Bärenland in Arosa (wo der erste dort angesiedelte Bär den Namen «Napa» bekam).

Faustgrosse Logos

Seine persönlichen Erkennungsmerkmale: Kurzhaarschnitt, verschmitztes Lächeln, Poloshirts mit faustgrossen Logos. Greber ist ein sehr aktiver Aktionär, stets mit Vollgas unterwegs. Unablässig späht er nach Schweizer Firmen, bei denen er mit einer Fitnesskur oder mit Managementwechsel – oder mit beidem zusammen – Mehrwert schaffen kann. Im Claim von Veraison steht artig: «Langfristiger Mehrwert als engagierter, konstruktiver Aktionär.» Derzeit ist Veraison bei sieben Firmen an Bord: Ascom, Calida, Comet, Orell Füssli, Rieter, Zehnder und Zur Rose.

Insgesamt ist man mit 260 Millionen Franken investiert. Das Geld stammt von Greber und Mitgründern, von Family Offices und Institutionellen.

Alle Optionen auf dem Prüfstand

Am höchsten stieben die Funken bei Ascom. Man glaubt es kaum: Einst gehörte die Berner Tech-Firma zu den innovativsten Europas. Ihre Mobilund Satellitentelefone setzten den Standard, ihre Schaltzentralen ebenso. Mit der Liberalisierung aber geriet die Firma unter die Räder. Heute ist der Nischenspieler ein Fall für Greber und für Veraison, die 8,3 Prozent am Ascom-Kapital hält.

Wieder ein Sanierungsfall, der dringend neue Investitionen braucht. Und neues Personal: Der Chef ging vor drei Wochen, dann folgte die Finanzchefin. Derweilen übernahm Ascom-Präsidentin Jeannine Pilloud zusätzlich die operative Führung. Ob überhaupt ein neuer Firmenchef gesucht wird, ist offen. Denn für Pilloud und für Greber stehen «alle Optionen auf dem Prüfstand». Es riecht nach einem Finale Furioso, einem Verkauf ins Ausland. Veraison hofft insgeheim, mit Gewinn aus dem Investment aussteigen zu können.

Dies tat man bereits bei anderen Fällen mit grossem Erfolg: bei Kuoni (wurde aufgeteilt und verkauft) und bei Goldbach Media (wurde an Tamedia verkauft). Beide Male strichen Grebers Leute Millionen ein.

Nicht immer sind die heissblütigen Ritter der Aktionäre unbeschadet aus einer Schlacht gezogen. Bitter war es beim Finanzdienstleister Leonteq, den man auf Kurs bringen wollte. Weil Veraison im Verwaltungsrat und bei den Mitaktionären auf Granit biss, blies Greber zum Rückzug. 2017 stiess man die Leonteq-Anteile ab – mit Millionenverlust. Für Greber ist Leonteq längst abgehakt. Ohnehin, sagen Weggefährten, sei der Veraison-Mitgründer mit grenzenlosem Optimismus gesegnet. Eines seiner Lebensmottos heisst: «Probleme gibt es nicht, nur Lösungen.»

Hoch anzurechnen ist ihm, dass er hierzulande noch einer der Letzten ist, der sich in die Arena wagt und den Firmenchefs öffentlich auf die Finger klopft. Denn mit dem Vorrücken des passiven Geldanlegens haben sich gerade institutionelle Anleger ihrer Eigentumsrechte beraubt. Bei ungenügender Performance oder überrissenen Managerlöhnen wird lieber die Faust im Sack gemacht.

Nichts für Greber, der mit seinem Aktivisten-Ansatz in der Tradition eines Martin Ebner steht. Dieser hatte Corporate Switzerland in den 1990er Jahren aufgemischt und mit seinem Ruf nach «Shareholder Value» für Aufruhr in den Chefetagen von ABB, Credit Suisse oder Lonza gesorgt. Greber selber ist beeindruckt von der schwedischen Beteiligungsgesellschaft Cevian und ihrem Active Engagement Fund, der mittlerweile 15 Milliarden Dollar schwer ist. Kürzlich brachte Cevian den Industrieriesen ABB zur Kursänderung und zum Chefwechsel.

Stimmung auf den Rängen

Der Nahkampf scheint Greber zu liegen. Als Lehrling bei der Luzerner Kantonalbank verbrachte er seine Freizeit auf den Zuschauerrängen des FC Zürich. Aber nicht als passiver Zuschauer, sondern als Mitglied beim legendären Fanclub Blue Angels, der in den 1980er und 1990er Jahren für Stimmung auf der Tribüne und auf der Strasse sorgte. «Gregi», wie man ihn im Fussballstadion Letzigrund nannte, war ein Draufgänger und stets vorne dabei. Als Vizepräsident sass er später im FCZ-Verwaltungsrat. Dort pochte er mit Gleichgesinnten auf eine finanzielle Sanierung und auf eine Übernahme seines Lieblingsclubs an.

Grossaktionär und Clubpräsident Ancillo Canepa dachte nicht ans Verkaufen, worauf Greber aus dem Verwaltungsrat austrat – und das Kapitel FCZ für immer schloss.

UBS, Bär, Deutsche Bank, Lombard Odier, Bank am Bellevue

Das nötige Kleingeld für den Clubkauf hatte er in seinen Bankerjahren eingefahren. Nach dem Abbruch der Mittelschule («zu langweilig») arbeitete er bei UBS Warburg Dillon Read, bei Julius Bär, bei der Deutschen Bank, bei Lombard Odier und bei der Bank am Bellevue. Er sprühte vor Ideen, war hautnah am Aktienmarkt. Der begnadete Verkäufer luchste der Konkurrenz Marktanteile ab. Sein Fokus waren Small und Mid Caps. Bis heute ist er überzeugt: «Die Kleineren werden immer stärker vernachlässigt und haben enormes Potenzial.»

Legendär ist aus der Bankenwelt ein Greber-Deal: Bei Stellenantritt bei der Bellevue-Bank kaufte er sich zum Buchwert ein. Tage später setzte die Aktie zum Höhenflug an. Greber hatte das Millionenlos gezogen.

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