Mövenpick ist seit drei Monaten nicht mehr an der Börse. Was bringt dies jetzt?
Guido Egli: Die Familie von Finck hat sich entschlossen, die Aktien von der Börse zu nehmen, weil es keinen Sinn ergab, mit einem Fleefloat von 10% an der Börse zu bleiben und die hohen Kosten einer Kotierung weiter aufrechtzuerhalten.

Wie viel hat die Familie von Finck damit gespart?
Egli: Wenn ich alles einberechne - Generalversammlung, Geschäftsbericht, Jahres- und Halbjahreskonferenz, Führen des Aktienregisters und Weiteres - so sparen wir 1 bis 1,5 Mio Fr. pro Jahr.

Was hat sich mit der Dekotierung für den Konzern geändert?
Egli: Wir können nun unsere Arbeit ruhiger durchführen und müssen nicht gleich jedes Detail veröffentlichen.

War die Öffentlichkeitsarbeit denn unangenehm?
Egli: Ich hatte kein Problem damit, weil wir als Gastro- und Konsumgütergruppe eine gewisse Öffentlichkeit wollen. Nun aber stehen wir weniger stark im Fokus der Finanzpresse und der Finanzanalysten.

Wo wird das ersparte Geld investiert? Wo ist der Handlungsbedarf am grössten?
Egli: Der Restrukturierungsprozess ist weitgehend abgeschlossen, und unsere Ergebnisse im 1. Semester 2007 zeigen den erwarteten Aufwärtstrend. Wir sind in allen Unternehmensbereichen auf Kurs.

Der Unternehmensbereich Restaurant weist aber immer noch einen Verlust von 3,5 Mio Fr. aus.
Egli: Wir sind der Zielsetzung eines positiven Ergebnisses bei den Restaurants näher gekommen. Der Verlust im 1. Halbjahr 2007 ist jedoch in erster Linie auf die einmaligen hohen Schliessungskosten des Restaurants in Hamburg zurückzuführen. In der Schweiz konnte der Umsatz im 1. Semester deutlich gesteigert werden. Es besteht noch ein gewisser Handlungsbedarf, vor allem was die Restaurants in Deutschland betrifft.

Und was haben Sie dort vor?
Egli: Wir haben in Deutschland Standorte, bei denen die Miete hoch ist und bei denen wir langjährige Mietverträge besitzen. Wir müssen in diesen Restaurants durch höheres Umsatzvolumen einigermassen über die Runden kommen.

Wie wollen Sie das erreichen?
Egli: Wir wollen die Qualität steigern. Dies vor allem mit eigenen Köchen und nicht mit dem Einsatz von Convenience-Food. Wir sind überzeugt, dass die stärkere Präsenz der Küchenchefs vor dem Gast nachhaltig Wirkung zeigen wird. Wir wollen in Deutschland auch wieder mehr Standorte eröffnen. Und nicht nur, wie in der Vergangheit, schliessen.

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Wie viele Restaurants wollen Sie eröffnen?
Egli: Wir sind zurzeit in Verhandlungen für zwei bis drei neue Standorte in Deutschland. Ein Restaurant wird voraussichtlich bereits dieses Jahr eröffnet werden - weitere folgen nächstes Jahr.

Und in der Schweiz?
Egli: Wir suchen als Ergänzung zu unserem Restaurant-Portfolio Standorte in Bern, wo wir keine Präsenz mehr haben. Auch in der Westschweiz sind wir am Verhandeln neuer Projekte.

Und Schliessungen?
Egli: Schliessungen sind keine mehr ge-plant. Die letzte Schliessung betraf das erwähnte Restaurant in Hamburg. Dort hatten wir auch wegen des hohen Mietzinses seit Jahren Verluste geschrieben. Glücklicherweise konnten wir gleichzeitig in Hamburg ein Hotel eröffnen; wir kompensieren so den Umsatzverlust.
Sollen die Hotels einst an den saudischen Prinzen Al-Walid verkauft werden, der bereits mit einem Drittel beteiligt ist?
Egli: Die Zusammenarbeit mit der Kingdom-Gruppe des Prinzen läuft bestens. Es gibt momentan nicht die leisesten Gedanken, irgendeinen Unternehmensbereich zu veräussern.

Auch nicht den Bereich Mövenpick Wein, der einen Umsatzrückgang verzeichnet?
Egli: Nein. Der Umsatz ging nur in Deutschland leicht zurück. Das Betriebsergebnis liegt mit 1,1 Mio Fr. deutlich über dem Vorjahr. Damals erzielten wir 0,1 Mio Fr.

Weshalb will Mövenpick nicht verkaufen?
Egli: Die Firma ist in einer Phase, in der sie dem Haupteigentümer Luitpold von Finck, einem noch jungen Mann, viel Freude bereitet. Wir konnten Umsatz und Ebit im 1. Semester steigern. Nach einer langen Phase entwickelt sich die Firma nun durchaus positiv. Wir wollen Mövenpick aber noch ertragreicher gestalten.

Wie wollen Sie das erreichen? Sie sind nicht nur CEO der Holding, sondern auch noch CEO des Bereiches Fine Foods und haben zahlreiche andere Verpflichtungen.
Egli: Ich übe diese beiden Funktionen bei Mövenpick schon seit längerem aus und kenne das Unternehmen daher sehr gut. Meine Arbeit für Mövenpick begann 2001 mit dem Auftrag, das Geschäft zu restrukturieren und neu auszurichten. Diese Phase ist heute abgeschlossen.

Und weshalb können Sie zwei Führungsfunktionen ausüben?
Egli: Die Gruppe Mövenpick ist in selbstständige Unternehmensbereiche unterteilt. Die Leiter dieser Bereiche haben weitgehend unternehmerische Freiheiten. Meine Aufgabe als Holding-Chef besteht darin, die einzelnen Bereiche zum Verwaltungsrat und zum Eigentümer zu koordinieren. Ich habe ein sehr gutes Team, auf das ich mich verlassen kann.

Wie oft haben Sie Kontakt mit dem 36-jährigen Eigentümer Luitpold von Finck?
Egli: Wir telefonieren praktisch täglich und treffen uns wöchentlich, ausser wenn wir auf Geschäftsreisen sind. Luitpold von Finck ist Verwaltungsrats-Mitglied beziehungsweise VR-Präsident fast aller Tochtergesellschaften von Mövenpick.

Wie muss ich mir diese Zusammenarbeit vorstellen?
Egli: Die Diskussionen sind strategischer Art und drehen sich um die Frage, wie wir das Unternehmen weiterentwickeln.

Können Sie das veranschaulichen?
Egli: Luitpold von Finck will genau wissen: Macht ein neues Restaurant oder ein neuer Marché-Standort Sinn? Oder wir diskutieren über neue Produkte für Fine Foods.

Haben Sie etwas in der Pipeline?
Egli: Wir sind beispielsweise an der Entwicklung neuer Milchfrischprodukte.

Sie sind auch noch VR-Präsident vom Grand Casino Luzern, VR-Vizepräsident der Von Roll, VR-Mitglied von Luzern Tourismus sowie Mitglied anderer VR und haben eine eigene Beratungsfirma. Wie schaffen Sie es, alles unter einen Hut zu bringen?
Egli: Der Hauptfokus meiner Tätigkeit liegt klar auf meiner Funktion als CEO der Mövenpick Holding. Die meisten anderen Mandate haben sich während meiner Laufbahn ergeben.

Können Sie mir das erklären?
Egli: Bei der Grand-Casino-Gruppe haben wir den Turnaround geschafft. Da ist nicht mehr so viel Einsatz gefordert wie vor einiger Zeit. Ich werde aber einige Mandate überdenken und allenfalls abgeben. Es ist mein Ziel, mich in nächster Zeit vor allem auch auf mein Amt als Vizepräsident des Konzerns Von Roll konzentrieren zu können.

Wo gibt es denn Synergien zwischen dem Elektroisolationspezialisten Von Roll und Mövenpick?
Egli: Es gibt keine Synergien zwischen Von Roll und Mövenpick. Einzig bei den Eigentumsverhältnissen sind gewisse Übereinstimmungen vorhanden.

Wieso trauen Sie sich das Vizeamt zu?
Egli: Ich bin Marketing- und Konsumgüterspezialist und kann dieses Wissen auch in ein Unternehmen der Technologiebranche einbringen. Das kann für dessen Strategie nützlich sein.

Weshalb hält eigentlich die Familie von Finck so grosse Stücke auf Sie?
Egli: Das müssten Sie die Familie selber fragen. Was mich betrifft, kann ich sagen, dass wir eine offene Zusammenarbeit pflegen, was letztlich Grundlage jeden Erfolges ist.

Sind Sie befreundet, verschwägert oder irgendwie privat mit der Familie von Finck liiert?
Egli: In keiner Weise. Es handelt sich hier um eine rein geschäftliche Beziehung.

Gibt es einen Zusammenhang, dass Mövenpick von der Börse dekotiert wurde und gleichzeitig die Familie von Finck in den Verwaltungsrat der Von Roll eingestiegen ist?
Egli: Nein. Das zeitliche Zusammenfallen ist zufällig so geschehen.