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Finanzen
Gutenberg: Weitere Privatbank gibt auf

Sitz der Bank Gutenberg: «Schwierige Marktverhältnisse». (Bild: Martin Heimann/HZ)

Das eben erst gegründete Zürcher Finanzinstitut gibt seine Banklizenz zurück. Was es nicht erwähnt: Die Bank Gutenberg hat in den USA Probleme mit den Behörden.

Von Volker Strohm und Stefan Eiselin
am 14.11.2013

Die Gutenberg Gruppe fokussiert sich auf das Vermögensverwaltungsgeschäft, so eine Mitteilung des Unternehmens von heute Morgen. Mit anderen Worten: Das erst 2010 gegründete Zürcher Institut mit 20 Mitarbeitenden gibt die Bankaktivitäten auf. Die Angestellten sollen in anderen Bereichen weiterbeschäftigt werden. Zudem werden die an der Berner Börse gehandelten Aktien dekotiert.

Den Entscheid haben laut Mitteilung die Verwaltungsräte der Gutenberg Group  und der Tochtergesellschaft Bank Gutenberg gefällt. Er sei die Folge von «schwierigen Marktverhältnissen und zunehmender Regulierung». «Die stetig steigenden Auflagen und regulatorischen Aufwendungen führen in der Summe zu Kosten, die für eine kleine Privatbank nicht mehr tragbar sind.» Die Aufgabe der Geschäftstätigkeit als Bank erfolge freiwillig und stehe in keinem Zusammenhang mit dem Steuerstreit zwischen der Schweiz und den USA.

«Pump and dump»

Steuerprobleme in den USA gibt es denn auch keine. Doch die Bank Gutenberg hat durchaus Ärger mit den Behörden. Die amerikanische Selbstregulierungsorganisation Financial Industry Regulatory Authority (Finra) eröffnete offenbar eine Untersuchung gegen das Schweizer Institut. Dabei geht es gemäss Medienberichten um die Teilnahme am Handel mit so genannten Penny Stocks, Aktien mit sehr tiefen Kursen im Bereich von wenigen Cents. Offenbar geht es um zeitlich auffällige Transaktionen während so genannte «pump and dump schemes» abliefen. Bei solchenVorgängen wird der Kurs einer Aktie durch falsche positive Nachrichten künstlich hochgetrieben, um dann Aktien mit hohen Gewinnen zu verkaufen.

In Zürich ist man davon überrascht. «Uns ist nichts von einer Untersuchung gegen uns bekannt», sagt ein Sprecher der Bank Gutenberg zu handelszeitung.ch. Den Verdacht auf heikle Praktiken weist er weit von sich. «Wir haben uns stets an die für die Bank geltenden Regeln gehalten.» Den Handel mit Penny Stocks bestätigt Gutenberg indes. «Die Bank Gutenberg hat als Bank mit Effektenhändlerbewilligung an verschiedenen Börsen Wertschriftentransaktionen ausgeführt. Dabei wurden sehr liquide bis illiquide Aktien gehandelt. Wir haben aber den Handel in weniger liquiden Aktien eingestellt», so der Sprecher.

Keine Liquidation geplant

Bereits im August hatte die Bank Gutenberg in Nordamerika Probleme. Im August hatte sie sich in Vancouver laut Finanznachrichtenportal «Finews» wegen Verstössen gegen das Wertpapierrecht eine temporäre Handelssperre mit kanadischen Wertpapieren eingehandelt.

Das Management aber gibt noch nicht auf. Die Bank Gutenberg werde nicht liquidiert. Die durch die Aufgabe der Bankaktivitäten frei werdenden Mittel werden vielmehr für Investitionen in bestehende und neue Beteiligungen an Finanzgesellschaften eingesetzt. «Die Gruppe ist sehr gut kapitalisiert und hat ein erfolgreiches Vermögensverwaltungsgeschäft, welches sie weiter ausbauen will» so der Firmensprecher. Im letzten Geschäftsbericht für 2011 weist die Bank Gutenberg einen Verlust von 656'000 Franken aus.

Ende Februar wird dekotiert

Das Gesuch um Dekotierung der Aktien der Gutenberg Group AG von der Berner Börse soll bis Ende November 2013 eingereicht werden. Geplanter letzter Handelstag sei der 28. Februar 2014.

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