Dutzende von Banken bieten mittlerweile den Börsenhandel übers Internet an. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis der Privatanleger ausschliesslich übers Internet handelt. Die Zeiten hoher Transaktionsgebühren sind vorbei. Doch das Internet hat den Wertpapierhandel weit tiefgreifender verändert.

Wer erinnert sich nicht an den Höhenflug, der die Telekommunikationsbranche vor einigen Jahren erfasst hatte? Mit der Liberalisierung waren die Preise getaucht. Ähnlich verhält es sich beim Börsenhandel. Eingeläutet hat die Entwicklung Charles Schwab vor rund dreissig Jahren an der Wall Street. Die Schweiz hinkte einige Jahre hintendrein: Noch vor zwanzig Jahren war es üblich, dass Anleger persönlich zur Bank gingen, um am Schalter einen Börsenauftrag zu erteilen.

Online-Brokerage ist ein Commodity-Geschäft

Doch das ist Schnee von gestern. Heute kann jeder selber am Computer eine Online-Transaktion auslösen -­ dies bereits ab 20 Fr. Früher kostete die Ausführung eines Aktienauftrages in der Höhe von 30 000 Fr. üblicherweise satte 360 Fr. In der Schweiz hat vor zehn Jahren die Basler Kantonalbank mit der Discount Direct AG die Lawine ins Rollen gebracht. Die aufgrund kartellähnlicher Absprachen während Jahrzehnten in Stein gemeisselten Courtagen gerieten dadurch in Bewegung.

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Mit dem Eintritt ins Internetzeitalter traten die Online-Broker auf die Bühne. Diese Entwicklung ging auch an den Grossbanken nicht vorbei. Eine der ersten, die sich vorwagten, war 1999 die Credit Suisse mit youtrade.

Gross müssen die internen Widerstände gewesen sein, denn die Banken sahen ihre Felle davonschwimmen. Inzwischen haben sich die Wogen etwas geglättet und die Traditionshäuser üben sich beim Online-Handel (bis) heute einfach in diskreter Zurückhaltung. Zu gewichtige Ertragspfeiler stehen auf dem Spiel. Doch wie will man gegenüber dem Private-Banking-Kunden auf Dauer die hohen Courtagen rechtfertigen, wenn es sich um ein reines Commodity-Geschäft handelt, das mit einem Mausklick getätigt werden kann? Das Rad lässt sich nicht zurückdrehen. Die Kunden sind immer weniger bereit, für das reine Transaktionsgeschäft viel Geld auszugeben. Zwar erfuhr das Online-Broker-Geschäft während der Börsenbaisse einen Rückgang, doch dies war bloss ein Bereinigungsprozess. Inzwischen steigen wieder neue Anbieter ein, so etwa die Tradejet AG.

Momentan sind in der Schweiz fünf spezialisierte Online-Broker aktiv. Sie bieten den Handel auf rein Browser-basierten Oberflächen an und sind somit benutzerfreundlich. Eine davon verfügt über eine eigene Banklizenz, die anderen können auf die bestehende Infrastruktur einer Bank zurückgreifen und sind daher sehr wettbewerbsfähig. Bei allen Anbietern sind Echtzeitkurse erhältlich.

Tradejet wurde von der Stuttgarter Börsenmaklerin Euwax AG gegründet, die als Skontroführerin das gleichnamige Segment an der Stuttgarter Börse führt. Die Euwax AG ist im Mehrheitsbesitz des Börsenvereins, der auch die Börse Stuttgart betreibt. Euwax steht in Deutschland für Derivatehandel, der im nördlichen Nachbarland in den letzten Jahren regelrecht explodiert ist. Dies wurde auch von der SWX erkannt. Mit technologischen Neuerungen plant die SWX ab Herbst 2005 Marktanteile zurückzugewinnen. Über Tradejet sind 55000 Titel handelbar, ein Grossteil davon sind Derivate. Der verbriefte Derivatmarkt bietet mit seiner Produktvielfalt für jeden das geeignete Anlageinstrument, egal ob er spekulativ orientiert oder eher auf Sicherheit bedacht ist. Auch namhafte Privatbanken setzen diese Produkte immer mehr ein. Womit können sich Neueinsteiger profilieren? Neben der Produktpalette sind es vor allem technische Neuerungen: Tradejet bietet standardmässig automatisch aktualisierende Kurse an. Dies bringt ein erhebliches Mass an zusätzlichem Komfort und stellt ein noch kursgenaueres Handeln sicher. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis diese Technologie auch von den anderen Anbietern kopiert wird. Selbst Zahlungsaufträge lassen sich dabei elektronisch erfassen und auslösen. Damit kann man rasch und einfach Geld vom «Handelskonto» zum «Haushaltskonto» transferieren.

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Ganz generell weisen Neueinsteiger eine markant tiefere Kostenbasis auf, denn in den letzten fünf Jahren sind die Technologiekosten um einen Faktor 5 bis 10 gesunken. Bewähren müssen sie sich also vor allem beim Aufbau eines Kundenstammes.

Tradejet ist und bleibt Broker

Mit einer konsequenten Fokussierung auf den Wertpapierhandel wird Tradejet ein spezialisierter Broker sein. Alle anderen Anbieter haben sich in den letzten Jahren in die Breite entwickelt und sind daher vom ursprünglichen Broker zu einer Vollbank mutiert: Zwischen ihnen und den traditionellen Angeboten der zahlreichen Gross- und Kantonalbanken sind kaum noch Unterschiede auszumachen. Tradejet indes will Broker bleiben. Damit spricht das Unternehmen handelsaktive Kunden an, die eine moderne Plattform suchen, auf der sie mit wenigen Klicks ihre Informationen finden und ihre Börsenaufträge platzieren können ­- genau wie dies im angelsächsischen Raum der Fall ist. Zwar gelten Schweizer Kunden als tendenziell träge beim Wechseln zu einer anderen Bank. Doch die Verlockung, quasi selbst Börsenhändler zu sein und dabei erst noch erheblich Geld zu sparen, bewirkt ein Umdenken. Damit ist ein grundlegender Wandel im Börsengeschäft im Gange, dessen Ende kaum absehbar ist.

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Sicherer Internethandel

Allen Unkenrufen zum Trotz ist das Online-Handeln sehr sicher. Die Übermittlungen erfolgen mit einer 128-Bit-Verschlüsselung. Hält sich ein Kunde konsequent an die Regel, seinen Benutzernamen, sein Passwort und seine Streichliste/Rasterkarte niemals Dritten zugänglich zu machen, besteht nach menschlichem Ermessen keine Gefahr, dass Unberechtigte Zugang zum Konto erhalten. Das traditionelle Bankgeschäft mit der täglichen Papierflut ist da weit gefährlicher: Es ist für jeden von uns möglich, sich beispielsweise beim Nachbarn die Bankpost aus dem Briefkasten zu angeln. Daher müsste der Briefverkehr mit Banken nicht nur aus Kosten- und Umweltschutzgründen, sondern auch aus Sicherheitsgründen massiv reduziert werden.

Alfred Moeckli, CEO Tradejet AG, Zürich