Persönlich sei er ja kein Fussballfan.­ In Zeiten überbordender Fussballeuphorie klingen solche Bekenntnisse schon fast kühn. Und doch steht Hans-Jürg ­ genannt Schosch ­ Rufener hinter dem grössten Fussball-WM-Event hierzulande. Im eigens für die WM in Deutschland hochgezogenen Stadion auf dem Zürcher Sechseläutenplatz werden sämtliche Partien auf 50-m2-Leinwand gezeigt. Mehr als 5000 Zuschauer finden Platz im Bluewin-Sportpalast der Agentur Rufener events Ltd. und der Firma Olive Marketing.

Da die meisten Spiele für die Fans kostenlos sind, verdiene man kaum Geld mit diesem Monsteranlass, sagt Rufener. «Es wird wohl ein Nullsummenspiel, aber wir pflegen unsere Beziehungen zu den Stadtbehörden und sorgen für eine schöne Party. Für meinen 20-jährigen Mitarbeiter, der am Bellevue als Projektleiter wirkt, ist das zudem eine glänzende Erfahrung.»

Mit gerade mal 42 Jahren ist Schoscho Rufener längst ein alter Hase im Event-Geschäft. Er arbeitet heute für den Weltfussballverband Fifa, für die Grossbanken CS und UBS, das Modelabel Mango oder Konsumgüterfirmen wie IWC, Feldschlösschen und Lindt & Sprüngli. Rufener ist die Nummer eins in einem Geschäft, das inzwischen Dutzende von mehr oder weniger erfolgreichen Konkurrenten hervorgebracht hat. Umsätze publiziert seine Firma nicht (Rufener: «Wir sind Treuhänder der Budgets unserer Kunden»). Doch es besteht kein Zweifel: Das Unternehmen ist sehr erfolgreich.

Fifa-Weltkongress als «LAP»

Begonnen hat alles schon sehr früh. Bereits im zarten Alter von 15 Jahren organisierte Rufener Silvester-Partys und verlangte dafür von seinen «Gschpäänli» Eintrittsgeld. Während des Gymnasiums organisierte er bei den Pfadi das Bundeslager, wirkte im Hintergrund bei Westside Story mit und betätigte sich als Roadie bei diversen Anlässen. Noch während seines HSG-Studiums, das er nicht abschloss, initiierte Rufener die grosse Uni-Party in Zürich und verdiente damit erstes gutes Geld. Er veranstaltete mit «La Boum au Lac» die ersten Schiffspartys auf dem Zürichsee und eröffnete mit Kollegen die Katakomben, einen erfolgreichen Club, mit dem er Zürichs Nachtleben aufmischte.

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Gemeinsam mit Technopionier Arnold Meyer und Thomas Bischofberger lancierte Rufener zu dieser Zeit auch die «Energy», jene Mega-Technoparty, die bereits vor der ersten Streetparade Tausende ins Hallenstadion strömen liess.

Dank dieser Publizität und Kontakten zu diversen Sponsoren wurden erste Grossunternehmen auf ihn aufmerksam. UBS und Kuoni beauftragten ihn mit Projekten im Jugendmarketing, und endgültig Respekt verschaffte er sich, als er 1996 den Fifa-Weltkongress in Zürich durchführen durfte. «Das war wie die Lehrabschlussprüfung. Den Ausschlag gab wie so oft bei mir die Schmetterlingsquote», sagt er rückblickend, «wir gewannen den Pitch als schräge Nobodys gegen zwei renommierte Agenturen und kleideten das gesamte Kongresshaus mit einem Rasenteppich aus.» Im Auftrag der Fifa sorgt seine Agentur bis heute für den reibungslosen Ablauf der Weltkongresse ­ letztes Jahr in Marakesch. «Ich habe das Glück, seit je starke Partner zu haben», nennt Rufener einen der Hauptgründe seines erfolgreichen Wirkens und lobt seine eigenen Mitarbeiter, die eben in vielem besser seien als er. «Ich selbst bin kein guter Projektmanager», sagt er.

Weniger operativ tätig

Schritt für Schritt musste er lernen loszulassen, als seine Agentur zum KMU wuchs, musste er die Prozesse und sich selbst hinterfragen. «Es war hart, plötzlich nicht mehr Erster und Letzter auf dem Platz zu sein.» Heute kümmert sich Rufener «mehr um die Zukunft und das Strategische im Unternehmen. Ich bin der kreative Sensor und beobachte, wohin sich der Markt entwickelt, sorge für die Produktverbesserung und erschliesse neue Business-Felder.» Im dreiköpfigen Executive Board ist Daniel Lüscher, einst Chef der später integrierten Deko-Firma T.A.C., für die Kreation verantwortlich. Eugen Brunner kümmert sich als Client Relation Manager um die Kundenbeziehungen. Doch bei den wichtigen Präsentationen ist Rufener dabei ­ das erwarte die Kundschaft vom Chef.

In den letzten 15 Jahren, sagt Rufener, habe er immer wieder auf potente Förderer zählen können, wie etwa Beat Curti, für den er zahlreiche Events fürs Schweizer RTL-Fenster durchführte, aber auch den verstorbenen Ex-Feldschlösschen-CEO Erwin Flückiger, mit dem ihn zuletzt eine enge Freundschaft verband. Rufeners gewinnende und ausnehmend höfliche Art muss viel zum Erfolg beigetragen haben, doch der Mann hat auch ein sicheres Gespür für Trends. So lancierte er mit der «Bex» die erste Biermesse im Land, als sich der einst träge Markt langsam öffnete. Im Herbst 2007 führt er mit der «activia» eine Messe für Generationenmarketing durch, getreu dem Motto: «Da entsteht ein neuer Markt.»

Gibt es überhaupt Misserfolge in diesem CV? «Viele sogar», sagt Rufener. Die Bex habe man nach Deutschland exportieren wollen, was scheiterte wegen allzu regionalisierter Märkte. Auch grosse Open-Air-Veranstaltungen gab es, die floppten und wo man happige Summen in den Sand setzte. «Es waren Geschichten, die nicht zu Ende gedacht waren, oder es funktionierte im Team nicht.» Die Teamarbeit in den grossen Projekten vergleicht Rufener mit jener in einem Orchester. Trotz hohen Drucks und Stresssituationen brauche es die menschliche Nähe in der Zusammenarbeit.

Träume verwirklichen

Motivation, das bedeutet für Rufener «das tolle Arbeitsklima, tiefe Einsichten in spannende Welten, viele Freiräume und die ständige Erreichbarkeit des Chefs». Und doch monieren Mitarbeiter zuweilen, er sei für sie zu weit weg und habe zu wenig Detailkenntnis. «Da ist was dran. Ich lerne zurzeit, nötige Distanz zu wahren und doch die Qualitätskontrolle wahrzunehmen», so Rufener. Wer bei ihm arbeiten will, müsse Freude am Dienen haben. «Es geht darum, die Kundeninteressen in den Mittelpunkt zu stellen, die Haltung zu zeigen, dass man jedes Problem lösen will, dessen Gäste im Vordergrund stehen und man das eigene Ego wegsteckt.» Sein grösstes Vorbild hat Rufener in der Familie. Sein Grossvater war Concierge im St. Moritzer Hotel Suvretta und las der englischen Queen und dem Schah von Persien die Wünsche von den Augen.

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Noch immer geht es Rufener bei der Arbeit um die Verwirklichung von Träumen. So wie er damals als kleiner Bub fasziniert gewesen sei von der Zirkuswelt in Monte Carlo, die via Schweizer Fernsehen in die gute Stube flimmerte, träume er heute von Entertainment-Shows in New York. In Berlin hat er sich an eine solche gewagt. Seit Anfang Mai läuft am Marlene-Dietrich-Platz unter seiner Mitarbeit die Musical-Produktion «Belle et fou» des Erfolgsregisseurs Arthur Castro.

Weil ihm die Schweiz allmählich zu klein wird, strebt er auch mit den Kunden-Events ins Ausland. «Wir haben das Glück, dass viele unserer Schweizer Kunden international tätig sind und uns für Events ins Ausland mitnehmen. Das eröffnet Kontakte zu potenziellen Neukunden», sagt Rufener. Am meisten laufe in seinem Geschäft noch immer über Mundpropaganda. ­ Und Beziehungen, möchte man ergänzen. Rufener, der in den 80er Jahren gross wurde, stellt das in Frage. «Wir leben heute in einer wertigeren Zeit. Jemanden zu kennen, reicht nicht mehr. Es braucht vor allem Vertrauen», sagt er.

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Steckbrief

Name:Hans-Jürg «Schoscho» Rufener

Funktion: Inhaber und Geschäftsführender Partner Rufener events Ltd.

Alter: 42

Wohnort: Zürich

Familie: Ein Sohn, eine Tochter, liiert

Karriere:
- Bis 1990 Diverse Jobs im Event- und Gastrobereich, Freelancer bei Radio Z
- 1990 Gründung Einzelfirma Rufener events
- 1999 Gründung Rufener events Ltd.

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Führungsprinzipien

1. Motivation durch Freiräume und hohe Verantwortung.

2.Grundlagen zu gesunder Work-Life-Balance der Mitarbeitenden schaffen.

3.Starke Sparringpartner einstellen.

4. Die richtigen Partner für das jeweilige Projekt.

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Firma

Rufener events Ltd.realisiert jährlich rund 150 Events im In- und Ausland. «Schoscho» Rufener ist zudem Mitbesitzer des Restaurants L'O in Horgen, besitzt die Firmen Energy und Bex AG. Total hat Rufener 60 Beschäftigte.