Trau Dich!» heisst die Hochzeitsmesse, an der am Wochenende vom 8. und 9. Januar in Zürich über 150 Aussteller ihre Produkte und Dienstleistungen von A wie Anzug über R wie Ringe bis Z wie Zeremonie präsentierten. Die Aufforderung «Trau Dich» gilt in mehrfacher Hinsicht. Einmal ist der «Bund fürs Leben» ein Wagnis angesichts der hohen Scheidungsraten. Auf 40056 Eheschliessungen fielen 2003 laut Bundesamt für Statistik 16799 Scheidungen. Mut zur Hochzeit braucht es auch angesichts der Kosten. Eine klassische Feier mit Garderobe, Zeremonie, Apéro, Abendessen und Unterhaltung beläuft sich in der günstigen Variante schnell einmal auf 20000 Fr. Dabei sind nach oben keine Grenzen gesetzt.

Mit einem Drittel bis gar die Hälfte schlägt die Verköstigung der Gäste auf das Heiratsbudget. Insgesamt wird der Umsatz allein für den Hochzeitstag in der Schweiz auf rund 700 Mio Fr. geschätzt. Zählt man die Auslagen für Flitterwochen und Geschenke dazu, beläuft sich der Umsatz für die heimische Hochzeitsindustrie auf weit über 1 Mrd Fr.

Darfs ein Benimmkurs sein?

Und die Angebote für die Brautpaare nehmen laufend zu: Letztes Jahr nahmen 120 Aussteller an der Hochzeitsmesse in Zürich teil, heuer waren es bereits über 150. Da werden spezielle Dessous für Bräute angeboten ­ als chic gelten gegenwärtig weisse halterlose Strümpfe oder Strapse in allen Grössen ­, aber auch Trauungen nach Mass mit alternativen Zeremonien an speziell magischen Kraftorten bis zu Hochzeitsknigge- und Benimmkursen, wonach der Bräutigam knielange Socken tragen soll, damit ja kein Blick auf seine nackten Beine fallen kann.

Selbst der Zürcher Stadtpräsident Elmar Ledergerber kurbelt das Geschäft an: «Die Heirat, so schnell der Hochzeitstag auch vergehen mag, muss perfekt organisiert werden», ermahnt er im Messemagazin die Heiratslustigen und wirbt magistral für Stretchlimousine und Musikkapelle. Kein Wunder, darf er im neuen Spielfilm von Walo Deuber «Ricordare Anna» einen Standesbeamten spielen, auch wenn sein Auftritt nur 1,5 Sekunden dauert.

Für die perfekte Organisation des so genannt «schönsten Tags im Leben» sorgen spezielle Hochzeitsservices, wie etwa die Bestwedding GmbH aus Bern. Seit acht Jahren ist Janine Schmidt, Gründerin und Mitinhaberin von Bestwedding, im Geschäft und hat rund 1700 Heirats-Projekte betreut. Das reicht von einfachen Tipps, damit der Hochzeitskuss nicht vergessen wird, bis zur ganzen Festorganisation, von der märchenhaften Hochzeit, ländlich-eleganten Feier bis zum rauschenden Fest.

Obwohl bei Hochzeitsfesten nicht geknausert wird, stellt Schmidt fest: «2004 wurde vor allem an den Life- und Unterhaltungsprogrammen gespart. Dieses Jahr haben aber Lifeauftritte wieder einen grossen Stellenwert erhalten.» Und Clemens Rimoldi, Geschäftsleiter des Hochzeitshauses Bad Ragaz, ergänzt: «Rund herum gibt es Krisen, aber am Hochzeitstag wird nicht gespart. In den letzten Jahren haben die Ausgaben dafür sogar zugenommen.» Mehr Ausgaben auch bei Trauringen: «Der Trend geht in Richtung breiter bis zu 12 mm, zudem sind Platinringe gefragt», weiss Silvio Daldini, Designer bei der Schmuckmanufaktur Meister in Wollerau. Das freut die Juwelierbranche, die gerne breite Platintrauringe für 4500 Fr. verkauft.

Heiraten rund ums Jahr

Ebenfalls neue Trends verzeichnet die Brautmode: «Früher galt der Wonnemonat Mai als der Heiratsmonat. Nun gibt es immer häufiger Winterhochzeiten in den Bergen. Dafür werden auch Pelze wie Nerze verlangt», sagt Miriam Cebbar von Mery's Braut- und Festtagsmode. Was wiederum das Geschäft der Kürschner ankurbelt.

Gefragt sind Hochzeitsfeiern auf Schlössern. «Nur hat die Schweiz diesbezüglich wenig Angebote», bedauert Schmidt von Bestwedding. Von Feiernvarianten in Waldhüten rät sie ab. «Dann weiss der Eingeladene nicht mehr, ob er nur in der eleganten Robe oder in Sandalen und Bikini zum Fest erscheinen soll.» Für den Polterabend seien Waldhütten allenfalls geeignet.

Allerdings ist der Ausdruck «Polterabend» überholt. Heute haben sich Stag-Nights für Männer und Hen-Nights für Frauen durchgesetzt ­ ein Business mit Potenzial. An solchen Hühnerabenden engagiert die Braut beispielsweise einen Stripper und delektiert sich am 13-teiligen Hen Night Kit mit Handschellen, Lederpeitschen und Geschmackskondomen. Solche Anlässe rund ums Hochzeitsfest kurbeln die Hochzeitsindustrie an.

Und geht das Ganze in die Brüche, mag das für die Betroffenen ein harter Schlag sein ­ auch finanziell. Aber Scheidungsanwälte wollen auch leben. So oder so bleibt die Hochzeit über den schönsten Tag hinaus ein Geschäft fürs Leben, auch für Floristen. Sie leben auch von den vielen Blumen, die am silbernen, goldenen oder diamantenen Hochzeitstag geschenkt werden.


Drei Hochzeitsbudgets In Fr.

Bereich Günstige Normale Teure

Variante 1 Variante 2 Variante 3

Kleidung Braut (Var. 1 = Miete) 1000 2500 3500

Kleidung Bräutigam 800 1200 2000

Total Bekleidung 1800 3700 5500

Kosmetik/Coiffeur 600 600 600

Ringe/Schmuck 1600 2500 5000

Fotograf (Var. 1 = kein Profi) 1200 3800 5500

Video (Var. 1 = kein Profi) 1200 2200 3000

Total Foto/Video 2400 6000 8500

Zeremonie (Gospel, Trompeter o.Ä.) 800 1200 1800

Abendunterhaltung (Band, DJ o.Ä.) 1500 2600 3300

Total Unterhaltung 2300 3800 5100

Apéro inkl. Getränke 2400 3600 4800

Festessen inkl. Getränke 6000 8000 12000

Total Gastronomie 8400 11600 16800

Einladungskarten, Druck, Porti 1000 1500 2500

Blumenschmuck, Dekoration usw. 1000 1500 2000

Budget Trauzeugen 500 1000 1500

Total Diverses 2500 4000 6000

Gesamttotal 19600 32200 47500

Anzahl Gäste für Apéro: 120, Anzahl gäste für Festessen: 60
Quelle: Bestwedding GmbH

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