Wenn der 46-jährige Bernhard Burgener eines nicht mag, dann ist es Aufmerksamkeit. Seine Person zähle überhaupt nicht, pflegt er gebetsmühlenartig zu wiederholen. An dieses Credo hält er sich. Auch dort, wo man es von einem Manager seiner Kategorie nicht erwartet.

Statt in einem repräsentativen Glaspalast residiert der Verwaltungsratspräsident der Highlight Communications AG in einem grauen Industriegebiet, im gesichtslosen Nirgendwo zwischen Pratteln und Augst. In der obersten Etage der Netzibodenstrasse 23b hat sich Burgener, völlig unauffällig, eingemietet. Eine Ausschilderung gibt es nicht. Auch das Empfangsdesk fehlt. Wer Burgener besucht, der irrt zunächst durch menschenleere Gänge. An den Wänden hängen grosse, eingerahmte Filmplakate: Der mit dem Wolf tanzt.

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Bernhard Burgener hat den Tanz gewagt. Nur dass sein Partner ein Fuchs war und ist. Seit Juni dieses Jahres kontrolliert die Firma Highlight nach einem spektakulären Ringen um Aktienmehrheiten die traditionsreiche Filmgesellschaft Constantin Film AG. Der bisherige Mehrheitseigner, der deutsche Filmproduzent Bernd «der Fuchs» Eichinger, wurde an den Rand gedrängt. Mit diesem Coup sicherte sich Highlight im deutschsprachigen Europa endgültig die Kontrolle über die gesamte Filmvermarktungskette: Vom Kino übers Fernsehen bis zu Video und DVD.

Seine Firma Team vermarktetdie Champions League

Auch in der internationalen Sportvermarktung gibt Burgeners Gesellschaftsgruppe den Ton an. Die in Luzern angesiedelte Team Holding AG die Highlight kontrolliert diese Gesellschaft zu 80% vermarktet im Auftrag der Uefa die Champions League. Mindestens bis 2006.

Des Weiteren gehören der Highlight Communications AG, deren offizieller Firmensitz in Pfäffikon SZ liegt, vier Tochtergesellschaften zu 100%: Die Highlight Film und Home Entertainment GmbH in München, die Rainbow Home Entertainment GmbH in Wien, die Rainbow Video AG in Pratteln sowie die Joe's Multimedia AG in Wil.

Die Zahlen der Highlight-Gruppe, die seit vier Jahren in Frankfurt am Neuen Markt kotiert ist, können sich sehen lassen. Der Umsatz stieg per 30. September infolge der Erstkonsolidierung der Constantin Film um 56% auf 183 Mio Fr. In derselben Vorjahresperiode generierte die Highlight-Gruppe noch einen Umsatz von 117 Mio Fr. Der Konzerngewinn beläuft sich, ebenfalls per 30. September, nach Steuern und Minderheiten auf 10,7 Mio Fr. trotz des Verlustausweises bei der Constantin Film. Im Vorjahr erwirtschaftete Highlight rund 12 Mio Fr.

Diese Zahlen sind es, was Burgener interessiert. Das Gesellschaftliche an seinem Job, der Bekanntheitsgrad seines Unternehmens lassen den Unternehmer kalt. «Am Ende des Tages zählen die Fundamentaltaten, der «return on investment», argumentiert er. Vom Hype am Neuen Markt, den er im ersten Jahr nach dem Börsengang, also 1999, noch miterlebt hatte, davon habe er sich nicht anstecken lassen.

Als der «Bubble» dann geplatzt sei, habe er sich in seiner Strategie bestätigt gefühlt. «Wir haben stets konservativ agiert und tun dies auch weiterhin. Wir haben in Akquisitionsfragen den Mut, Nein zu sagen.» Den Verlockungen des Empire-Buildings habe sich die Highlight-Gruppe erfolgreich erwehren können. Das sei, so Burgener, letztlich das Erfolgsrezept der Unternehmung, die heute rund 500 Personen beschäftigt.

Der Spediteur landete mit Glück im Video-Business

Wenn er wollte, könnte Burgener in Cannes, Berlin und Venedig mit den ganz Grossen aus Hollywood dinieren. Einladungen erhält er zuhauf. Mit Nicole Kidman etwa hätte er kürzlich am selben Tisch sitzen können. Doch er habe dankend abgelehnt. Lieber verbringe er Zeit mit seiner Frau, seinem kleinen Sohn und seiner 12 Monate alten Tochter, meint Burgener. Er springt auf und holt ein kleines Fotoetui mit Bildern seiner Familie aus seinem Schreibtisch: Das sei seine kleine Welt. Er habe eigentlich nur ein wenig Zeit in seine Karriere investieren wollen, sinniert der seltsam alterslos wirkende Unternehmer.

Das war 1983. Damals verwirklichte der gelernte Spediteur seinen Traum der Selbstständigkeit und machte sein Hobby, die Liebe zum Film, zum Beruf. Mit Glück und dank Menschen, die an ihn glaubten etwa der mittlerweile schwer erkrankte Reinhold Camenzind, dessen Familie das Mythenzentrum in Schwyz besitzt , erhielt seine neu gegründete Gesellschaft Rainbow Video AG die Vertriebsrechte für Spielfilme von CIC (Paramount, Dreamworks). Andere grosse internationale Filmverleihe übertrugen kurze Zeit später ihre Video-Verwertungsrechte ebenfalls an Rainbow, sodass Burgener in der deutschsprachigen Schweiz schon bald jede vierte bespielte Videokassette für den gesamten Handel lieferte angefangen von der Migros bis zu den Videotheken.

Den Schritt in die Selbstständigkeit machte seine Frau mit. «Sie arbeitete von Anfang an mit mir zusammen», so Burgener. Keinen Platz mehr hatte hingegen die Figur von Bernhard Burgener als Rockgitarrist. Zuvor trat er regelmässig mit einer Band im Basler Klub «Atlantis» auf, doch bald reichte die Zeit für Proben nicht mehr aus. Seine Band-Kollegen legten ihm nahe, sich zu entscheiden. Der Filmhändler traf seine Wahl. Mit 28 Jahren war Burgener Millionär. Dennoch zog es ihn nicht in steuergünstigere Kantone oder gar ins Ausland. Er fühle sich mit der Schweiz halt sehr verbunden, meint Burgener. Insbesondere mit dem Kanton Aargau, wo er noch heute wohnt. Obwohl der Steuerfuss, so der Unternehmer, recht beachtlich sei.

Erst restrukturiert und dann zwei Coups gelandet

1994 stieg er mit einer Beteiligung von 50% in die Highlight Communications AG ein. Dort wurde ihm die Aufgabe zuteil, das Unternehmen neu auszurichten. Die Gruppe war mit 25 Tochtergesellschaften in einem unübersichtlichen Zustand. Innerhalb eines halben Jahres hat Burgener die Restrukturierung vollzogen: Defizitäre oder nicht zur Unternehmensstrategie passende Teile wurden verkauft, unrentable Videotheken geschlossen. Zugleich wertete Burgener die Bedeutung des Lizenzgeschäfts auf und machte sie zur heutigen Kernkompetenz in der Division Film des Unternehmens. Mit der Sicherung der Kontrolle der Team Holding und der Constantin Film gelangen Burgener zwei Coups, die ihn innert weniger Jahre in die oberste Liga der Branchen katapultierten. An der Netzibodenstrasse 23b hat sich trotzdem nicht viel verändert. Burgener besitzt noch immer dieselben Möbel, mit denen er damals sein erstes Büro bezogen hatte. Er weist auf die braunen Ledersitze, den wuchtigen braunen Schreibtisch und den offensichtlich viel genutzten Konferenztisch. Gibt es nichts, was sich Burgener gönnt? Privat, aber wirklich nur privat, betont Burgener, fahre er einen italienischen Sportwagen.

Fazit: Die Übernahme der Constantin belastet das Ergebnis nach 9 Monaten, dürfte sich mittelfristig aber bezahlt machen. Highlight eröffnen sich neue Kanäle. Der Bereich dürfte ab nächstem Jahr das Ergebnis nicht weiter belasten.



(in Mio Fr.) 2003 2002 %

Jan. Okt. Jan. Okt.

Umsatz 183 117 55.7

Ebit 13.9 22.6 38.5

Reingewinn 10.7 12.4 13.7

Beschäftigte 497 310 60.3