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«Ich bin ein kapitalistisches Familienschwein»

Dennis Lück: vom Fussball zu Jung von Matt. Keystone

Dennis Lück ist preisgekrönter Werber und Heavy-Metal-Fan. Ein Familienvater, der gerne gutes Geld verdient – und als neuer Kreativkopf von Jung von Matt Ideen von Weltrang haben will.

Von Markus Köchli
am 19.04.2016

Dennis Lück wechselt quasi vom Fussballplatz an die Champagnerbar: Die letzten fünf Jahre war er kreativ verantwortlich für den FCB Zürich, ausserdem Mitglied der Geschäftsleitung. Jetzt wechselt er zu Jung von Matt/Limmat. Im Juli nimmt der 38-jährige Metal-Fan dort seine Arbeit als Chief Creative Director auf.

GL-Mitglied Lück – das tönt nach Glück ...
Dennis Lück*: Kommunikation ist eh ein Beruf, bei dem sich alles um Glück dreht. Glückliche Konsumenten, glückliche Kunden und natürlich glückliche Kollegen. Und Jung von Matt soll der ultimative Glücksbringer in Sachen Kommunikation sein. Das klingt doch gut. Danke für die Steilvorlage.

Ein Geschäftsleitungs-Mitglied stelle ich mir allerdings im Auftritt eher konservativer vor, mit weniger Tätowierungen und kaum in einem Heavy-Metal-T-Shirt. Ist das Masche oder steckt dahinter eine Botschaft?
Nein, das ist sicher keine Masche. Masche hat was Hinterhältiges. Ich bin modisch einfach in meiner Jugend hängengeblieben, seit ich 1988 meine erste Metallica-Kassette geschenkt bekommen habe. Eine Botschaft hat es aber durchaus: Metallica ist die beste Metal-Band aller Zeiten.

Wie reagieren Ihre Auftraggeber bei einem Erstkontakt?
Früher, als ich noch mit freiem Oberkörper in Meetings ging, war das schwieriger. Nein, Spass beiseite. Es ist ja nicht so, dass ich nur in Metal-Shirts rumrenne. Selbstverständlich trage ich auch mal ein Hemd. Interessant ist, wie viele Kunden mir erzählen, dass sie mehr Totenköpfe als ich auf dem Oberarm haben. Tattoos sind mittlerweile gesellschaftsfähig.

Kann man sich als Kreativer ausserhalb der im Geschäftsleben so hoch gehaltenen Normen bewegen?
Ein Kreativer hat es da sicher leichter als ein Finanzdirektor. Es ist nun mal in Berufen so, dass seriöse Berufe nach seriöser Kleidung verlangen, kreative Berufe lassen kreatives Äusseres leichter zu. Aber ich bin froh, dass hier die Grenzen weicher werden.

Anders als bei einem Künstler tragen Ihre Kampagnen – gegen aussen – nicht Ihren Namen. Frustriert das nicht?
Nein, das frustriert mich überhaupt nicht. So eitel dürfen wir nicht sein. Wir sind nur Werber, und für Eitelkeit habe ich keine Zeit. Das habe ich ja schon mit meinem modischen Geschmack bewiesen.

Wann kommen bei Ihnen die besten Ideen? Wenn Sie täglich mindestens 10 Minuten in Ihre E-Gitarre greifen?
Meine produktivste Zeit ist früh morgens ab 5 Uhr. Da schlafen meine Kids noch, das Telefon rappelt nicht, es gibt keinerlei Ablenkung. Dazu einen exzellenten Kaffee. Völliger Fokus. Diese Zeit ist mega-produktiv. Zu den 10 Minuten Gitarre: Die brauche ich auch täglich, sonst hat die Seele keine Ruhe. Für Kreative ist das enorm wichtig.

Vor einem Jahr haben Sie in einem Interview noch gesagt, ein Wechsel zu einer anderen Agentur sei «ausgeschlossen». Ich habe mich auf die Agentur FCB Zürich festgelegt.» Manchmal kommt es anders, als man denkt ...
Damals habe ich das auch mit 1000-prozentiger Überzeugung gesagt. Aber da wusste ich noch nicht, welche Chance sich mir nun eröffnet hat. Ich fühle mich wie ein Fussballer, der seinem Verein die ewige Liebe geschworen hat. Plötzlich klingelt das Telefon, und der Spieler weiss, er muss Ja sagen. Weil er den Fussball liebt.

Wie kamen Sie denn zum neuen Job?
Das war sozusagen ein sympathischer Zangengriff seitens Jung von Matt. Jean-Remy von Matt hat mich direkt kontaktiert, Raphael Brinkert, Geschäftsführer von Jung von Matt/Sports, hat mich bearbeitet, aber am wichtigsten waren die Treffen mit Roman Hirsbrunner, CEO Jung von Matt/Limmat. Er war der entscheidende Faktor. Denn eigentlich wechselt man nie zu Agenturen, sondern zu Menschen. Wir sind ein People Business. Ich bin also in erster Linie zu Roman gewechselt.

Wie viele gute Ideen setzen Sie um im Jahr?
Um «nur» gute Ideen geht es mir ehrlich gesagt gar nicht. Ideen, die die Welt verändern, die Massstäbe setzen, vor denen man sich neidlos verneigen muss – darüber will ich reden. Eine Agentur kann mit einer, ich betone, mit nur einer Top-Idee pro Jahr berühmt werden. Mit zwei bis drei Top-Ideen pro Jahr ist man nationale Spitze. Mein Ziel bei JvM ist: Sechs Weltklasse-Ideen pro Jahr. Das ist dann Champions-League-Niveau. Da müssen wir hin. Da kommen wir hin.

... und dann klingelt die Kasse: Wie stehen Sie persönlich zu Geld?
Hach, das liebe Geld. Ich würde jetzt gerne cool antworten, wie man es von einem tätowierten Metal-Head erwartet. Ich würde gerne sagen «Scheiss aufs Geld». Aber ich bin zurzeit Alleinverdiener und verantwortlich für einen fünfköpfigen Haushalt. Versicherung mal fünf, Kleidung mal fünf, Mist, das Auto ist zu klein, Papi, wir wollen ins Disneyland. Das ist meine Wahrheit. Geld ist mir also sehr wichtig. Ich bin ein kapitalistisches Familienschwein.

Was stimmt Sie traurig? Etwa schlechte Werbung?
Traurig sein wegen schlechter Werbung? Was für eine Zeitverschwendung. Ich verfüge über eine sehr grosse Grund-Fröhlichkeit. Das einzige, was mich traurig stimmen kann, ist, wenn ich nicht für meine Kids da sein kann.

Welche Fähigkeiten besässen Sie gerne?
E-Gitarre spielen können. Zehn Minuten am Tag reichen für die Seele, aber nicht für die Bühne.

Wie lautet Ihr Alltagsmotto?
Als Kreativer bin ich süchtig nach dem Umsetzen von Ideen. Deshalb lautet mein Motto: Es gibt nichts Gutes, ausser man tut es – und zwar sofort. Frei nach Herrn Kästner.

Was ist Ihre grösste Sorge?
Wenn ich die gesellschaftlichen Sorgen mal abziehe, dann hab ich keine Sorgen. Ich hab ja diese nervige Grundfröhlichkeit, mit der sich Sorgen hervorragend ignorieren lassen und man immer sofort in den Lösungsmodus umschaltet.

Welchem Traum rennen Sie hinterher?
Es gibt nicht den einen Traum. Ich bevorzuge es, vielen kleinen Träumen mit dem Lasso hinterherzurennen. Kleine Träume lassen sich besser fangen. Ludwig beim Schreiben lernen helfen, Lisbeth Velo fahren beibringen, Louise Wörter formen helfen, und und und...

Was ist Ihre persönliche Hymne als Mitglied der Band Ultrahocherhitzt?
Für mich ist das «Wake the Dead». Viele Menschen sind lebendig tot, weil sie nicht das tun, was sie wirklich wollen. Diese Menschen aufzuwecken, davon handelt das Lied.

*Dennis Lück ist studierter Dolmetscher für Englisch und Italienisch, hat aber als Copywirter für die renommierte Agentur Scholz&Friends in Hamburg seine Laufbahn gestartet. Die letzten fünf Jahre war der 38-Jährige beim FCB Zürich Chief Creative Officer und Mitglied der Geschäftsleitung. Im Juli startet er als Chief Creative Officer bei Jung von Matt/Limmat. Er ist verheiratet und Vater von drei Kindern.

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