Das Jahr 2025 war von vielen Herausforderungen geprägt: sowohl geopolitisch mit zwei Kriegen als auch wirtschaftlich mit dem Zollhammer aus den USA. Trotzdem gelang es der Ems-Chemie, das Betriebsergebnis leicht auf 567 Millionen Franken zu steigern. Der Umsatz dagegen sank um 5,8 Prozent auf 1,95 Milliarden Franken – und rutscht damit wieder unter die 2-Milliarden-Marke. Schuld daran ist vor allem der starke Franken.

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Blick konnte mit Firmenchefin Magdalena Martullo-Blocher (56) im Rahmen der Jahresmedienkonferenz über das Ergebnis, die Turbulenzen in den USA und das Geschäft in Asien sprechen.

2025 war ein schwieriges Jahr. Ist die Chefin trotzdem zufrieden?
Magdalena Martullo: Das Umfeld war nicht so, wie wir uns das vorgestellt haben. Wir haben nicht kommen sehen, dass Trump mit den Zöllen so drastisch eingreift und alles durcheinanderbringt. Auch der starke Franken belastet uns, weil wir im Ausland verkaufen. Dennoch haben wir unsere Wachstumsziele erreicht. Von daher sind wir zufrieden, aber wir arbeiten auch schon wieder an den Zielen für dieses Jahr.

Das heisst, das Ergebnis nochmals verbessern – wie gelingt Ihnen das?
Innovation, noch mehr Innovation und eine hohe Geschwindigkeit. Da sind wir gut unterwegs. Gerade im asiatischen Bereich geht es bei unseren Kunden auch mit neuen Technologien schnell voran, so in den Bereichen Elektroautos oder Robotik. Auch da sind wir in Asien, wo wir 30 Prozent unseres Umsatzes machen, ganz vorne mit dabei.

Der asiatische Markt als Rettungsanker?
In China sieht die Lage auf dem Automobilmarkt besser aus als in den USA oder Europa. Das Land verzeichnet da ein konstantes Wachstum und setzt voll auf neue Technologien. Für China gibt es keinen Grund, mit anderen Ländern auf Konfrontation zu gehen. Deshalb können wir dort sehr frei von der ganzen Politik Geschäfte machen.

Und in Europa?
Da ist das anders. In Europa müssen wir die Beschleunigung vorantreiben. Die Kunden wollen zwar auch Innovation, aber sie sind viel langsamer in der Umsetzung. Europa ist in der Krise, da sind unsere Kostensenkungslösungen gefragt. Wir machen deshalb nach wie vor die Hälfte unseres Umsatzes in Europa. In Amerika sind es 20 Prozent.

In den USA betreiben Sie zwei Werke. Die US-Zölle haben Sie also nicht direkt getroffen?
Wir produzieren teilweise in den USA. Aus der Schweiz sind viele unserer Produkte zollbefreit, weil sie für USA von strategischem Wert sind und sie sonst niemand anbieten kann. Aber auch die amerikanischen Lieferketten waren nach dem Zollschock verunsichert. Die Autoindustrie in Amerika, die viel importiert, wusste nicht, ob sie noch beliefert wird und wie viel sie die Teile kosten. Donald Trumps Strategie, mehr Industriejobs zu schaffen, ist bisher nicht aufgegangen.

Glauben Sie, dass es dem US-Präsidenten noch gelingt?
Viele Firmen haben Investitionen zugesichert. Aber ob Trump noch viele neue Stellen in seiner Amtszeit sehen wird, weiss ich nicht. Er unterschätzt, wie lange es dauert, neue Werke aufzubauen. Gerade in Amerika, wo die Leute nicht so gut ausgebildet sind, geht das Jahre.

Schweizer Firmen haben Investitionen von 200 Milliarden Franken zugesichert. Was halten Sie davon?
Ich glaube, viele dieser Investitionen waren sowieso geplant. Auch wir bauen in Amerika aus, wie überall auf der Welt, und investieren 10 Millionen Franken in unsere bestehenden Werke. Wir erwarten aber, dass das Umfeld nun so bleibt.

Dafür haben ja die Schweizer Unternehmer im Oval Office gesorgt.
Die Schweizer Politik hat den Deal verhandelt und vorbereitet. Die Unternehmen haben die Tür wieder aufgestossen. Diese wurde im unglücklichen Bundesratstelefonat zugeschlagen.

Der Besuch im Oval Office war also nötig?
Ich bin froh, dass sich die Firmenchefs eingesetzt haben. So konnte man auf einer neuen Basis ein Gespräch führen und die Verhärtungen, die durch das Telefonat entstanden sind, wieder lösen. Die Politik hat den Deal verhandelt, die Unternehmen haben sich dafür eingesetzt. Diese Zusammenarbeit ist auch die Stärke der Schweiz.

Wären Sie beim Besuch gerne dabei gewesen?
Nein, ich bin froh, dass ich nicht ins Oval Office gehen musste. Es ist auch eine grosse Verantwortung, die sie da übernommen haben. Das sollte man nicht unterschätzen. Man weiss ja nicht, was am Ende dabei herauskommt. Ich war eher hinter den Kulissen tätig.

Sind Sie mit der Lage in den USA nun zufrieden?
Ich hoffe, dass vor den Midterms im November noch etwas Ruhe einkehrt. Die US-Konsumenten empfinden die Preise als sehr teuer. Trump hat deshalb Steuererleichterungen in Aussicht gestellt. In seiner ersten Amtszeit hat er allen einen Scheck geschickt, vielleicht macht er das dieses Jahr nochmals. Davon profitieren auch wir, denn Amerika ist der grösste Konsummarkt. Wenn die Amerikaner konsumieren, dann profitiert die ganze Welt davon.