Im Sinne einer Gesprächs-Montage­anleitung müssen wir zunächst wissen: Sprechen wir schweizerdeutsch oder hochdeutsch?
Jessica Anderen: Für das Schweizerdeutsche ist es definitiv zu früh. Und leider auch für Deutsch. Im Januar begann ich mit ersten Deutschkursen, doch bald darauf geschah etwas Gravierendes.

Vor einer Woche konnte ich nun den Unterricht wieder aufnehmen. Aber mein Deutsch reicht noch nirgends hin. Englisch wäre mir lieber.

Die Lockdown-Zeit bleibt mir als eine «Feier des Daheimseins» in Erinnerung

 

Das Gravierende, das Ihre Deutschkurse ausbremste, war der Corona-Lockdown, was unter anderem zur Schliessung Ihrer neun Schweizer Möbelhäuser führte...
In all meinen Ikea-Jahren habe ich immer nur Einrichtungshäuser eröffnet. Per Mitte März 2020, also kurz nach meinem Stellen­antritt in der Schweiz, musste ich plötzlich alle Stores in einem Land schliessen. Das hat mir fast das Herz gebrochen.

Ihre Kunden, hören wir, haben bei der Wiedereröffnung der Schweizer Ikea-Stores nach dem Lockdown getanzt und applaudiert. Haben sie auch eingekauft?
Die Lockdown-Zeit bleibt mir als eine «Feier des Daheimseins» in Erinnerung. Online spürten wir das in Kategorien wie Bürobedarf, Koch- und Backzubehör sehr stark. Als dann die Läden wieder öffneten, kamen die Kundinnen und Kunden zurück. Sie wollten neue Möbel und Zubehör auch mal wieder tastend und fühlend erleben. Und ja, sie kauften auch ein.

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Das Ikea-Geschäftsjahr endet am 31. August. Können Sie die Verluste aus der Lockdown-Zeit wettmachen?
So, wie es jetzt aussieht, schaffen wir es wieder auf das Umsatzergebnis des Vorjahres oder werden es sogar leicht übertreffen.

Wie wirkt sich Corona auf das Einkaufsverhalten Ihrer Kundinnen und Kunden aus?
Es hat sich massiv verändert. In der Spitze des Lockdowns schnellte unser Online-­Anteil von vormals 9 auf gegen 18 Prozent hoch. Das ist ein Wert, den wir so erst in drei Jahren erwartet hätten. Auch nach der Wiedereröffnung unserer Möbelhäuser liegt der Online-Anteil immer noch bei rund 16 Prozent. Dieser Kanal wird stark bleiben.

Bleiben die Kunden nun länger in Ihren Möbelhäusern – oder kürzer?
Im Schnitt verbringen sie – auch abhängig davon, ob sie unser Restaurant besuchen – etwa zwei Stunden im Laden. Nach der Wiedereröffnung reduzierte sich die Aufenthaltsdauer zunächst ein wenig. Wahrscheinlich deshalb, weil die Kundinnen und Kunden mit klaren Kaufvorstellungen zu uns kamen und ihre Zeit auch aus ­Sicherheitsgründen minimieren wollten. Kurz darauf waren wir wieder bei den ­üblichen zwei Stunden.

Wäre es nun auch eine gute Zeit, das ­Laden-Layout zu erneuern? Man muss bei Ikea ja immer die ganze Schlangentour abschreiten, bis man zum Ziel kommt.
Wir prüfen zurzeit, wie wir das Kunden­erlebnis verbessern können. Aber es gibt heute schon Abkürzungen. Je öfter man zu uns kommt, desto besser lernt man sie kennen.

Ein Leben für Ikea

Name: Jessica Anderen
Funktion: Länderchefin Ikea Schweiz
Alter: 50
Familie: verheiratet, zwei Kinder.
Wohnort: Zürich
Ausbildung: Gleich nach der obligatorischen Schulausbildung stieg die Schwedin bei Ikea ein. Und blieb der Firma über drei Kontinente treu. Derweil verschiedene Weiterbildungen in den Themen Economics, Business Development und Leadership. Seit Ende 2019 ist sie auch im Board der Swedish Swiss Chamber of Commerce.
Karriere:
1989 bis 1995: Verschiedene Positionen bei Ikea in Schweden
1995 bis 1998: Ikea-Einkaufkoordination, Hongkong
1998 bis 2000: Regionalmanagement Ikea Asia Pacific, Singapur
2000 bis 2004: Furniture Manager, Ikea Australien, Melbourne
2004 bis 2011: Verschiedene Positionen bei Ikea in Schweden
2011 bis 2014: Handelsmanagement Ikea South Asia, Neu-Delhi
2014 bis 2019: Verschiedene Positionen bei Ikea in Schweden
Seit 1. Oktober 2019: Länderchefin Ikea Schweiz

Das Konzept baut natürlich darauf, dass die Kundinnen und Kunden viele Laufmeter zurücklegen, um en route immer wieder kleinere Einkäufe zu tätigen.
Uns geht es darum, unser ganzes Angebot zu zeigen. Die Kunden sind da natürlich unterschiedlich. Manchmal wollen sie möglichst schnell ihre Besorgungen machen, ein anderes Mal investieren sie gerne einen Tag, um unser ganzes Heimeinrichtungs-Mekka zu sehen und zu spüren.

Einkaufen ist nie eine total rationale Sache, da ist immer viel Emotion dabei. Die Zukunft liegt in der Kombination aus Offline- und Online-Angeboten. Ganz generell sind die Schweizer Kundinnen und Kunden in ­kurzer Zeit sehr viel offener geworden für neue Dienstleis­tungen.

Wir hören von der Idee eines «Ikea-Taxis». Dabei soll die Kundin die eingekauften ­Artikel in ein entsprechend grosses Fahrzeug laden und sich auf Wunsch auch darin nach Hause chauffieren lassen können. Wann nimmt das Fahrt auf?
Tatsächlich haben wir dieses Projekt in der Pipeline. Auch deshalb, weil wir wissen, dass rund 50 Prozent unserer Kunden im Grossraum Zürich kein ­eigenes Auto haben. Geplant ist es, ein solches «Ikea Taxi» per Ende 2020 im Grossraum Zürich für ­unsere Möbelhäuser Dietlikon und Spreitenbach zu lancieren. Wir prüfen aber ­immer noch Optionen, wie wir das auch wirklich nachhaltig gestalten können.

Wie werden Sie das voraussichtlich tun?
Zu Beginn werden wir wohl mit einem Partner starten, der eine Hybridautoflotte einbringt. Unsere Ambition ist es, einen solchen Dienst zu 100 Prozent CO₂-neu­tral zu gestalten. Die letzte Meile muss eine grüne Meile sein. Das spricht eher für Elektrofahrzeuge.

Ikea hat in der Schweiz den Antrag auf Kurzarbeitsentschädigung zurückgezogen, nachdem das Unternehmen für rund 1200 der 3000 Mitarbeitenden Kurzarbeit angemeldet hatte. Von wie viel Geld ­sprechen wir da?
Dabei ging es um eine Summe von ungefähr 3 Millionen Franken.

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Das Möbelhaus konnte einen Teil der Lockdown-Ausfälle bereits wettmachen: Wie in anderen Ländern verzichtet Ikea auch hier auf Staatshilfe. Mehr hier

Für Ikea ist das ein Pappenstiel. War das eine reine PR-Aktion?
Nein, es ging uns um etwas anderes. In der Lockdown-Zeit spürten wir noch stärker, dass wir nicht 3000 Angestellte haben, sondern vielmehr 3000 Unternehmerinnen und Unternehmer. In kürzester Zeit lancierten wir zum Beispiel landesweit einen kontaktlosen Abholservice in unseren Filialen.

In Absprache mit unserer Konzernzentrale entschieden wir im Juni, auf den Betrag für Kurzarbeit zu verzichten. Weil wir trotz Lockdown erfolgreich unterwegs waren. Andere und kleinere Unternehmen haben das Geld nötiger haben als wir.

Wie frei sind sie als Länderchefin bezüglich Innovation? Geben Sie den Takt vor – oder die Firmenzentrale in Schweden?
Innovation ist bei uns eher ein Bottom-up- als ein Top-down-Thema. In der Regel kommen viele Ideen von unseren Angestellten, weil sie nahe am Markt sind. Dann pro­bieren wir das aus und entwickeln im Erfolgsfall ein Projekt.

Wenn Sie es gross machen wollen, müssen Sie die Idee in Schweden absegnen lassen?
Ich würde das anders sagen: Ich promote die Idee.

Seit Mai 2016 verkauft Ikea Schweiz Solaranlagen für Privatpersonen. Ein Erfolg?
Wir prüfen jetzt die Relancierung, in einer Art, wie wir es oft machen: zusammen mit anderen Ikea-Ländergesellschaften, um von deren Erfahrungen zu profitieren. Was ich jetzt schon sagen kann: Dieses Geschäft werden wir weiterbetreiben.

Mit welchem neuen Ansatz?
In der Schweiz ist der Anteil der Immobilienbesitzer kleiner als anderswo; wir haben es hier mit einem Land der Mieterinnen und Mieter zu tun. Aktuell prüfen wir ­Formen, wie wir Mietern und auch Businesskunden ein gutes Angebot machen können.

2019 lancierte Ikea Schweiz die Möbel­miete. Geschäftskunden können dabei ganze Büroeinrichtungen über eine  gewisse Zeit abonnieren. Warum läuft das nicht so gut wie geplant?
Der Service muss erst noch lanciert werden. Was wir letztes Jahr gemacht haben, war ein Test mit einer limitierten Anzahl von Kunden. Wir wollten dabei lernen, wie ein weltweit skalierbarer Service aussehen könnte. In der Schweiz haben wir uns auf Geschäftskunden konzentriert. Und wir sind zufrieden mit den erreichten Resultaten.

Welches waren die hauptsächlichen Schwierigkeiten?
Arbeiten müssen wir an Themen wie Bundling, Preis und Flexibilität. Wir werden das nächstes Jahr neu lancieren. Im Abo-System sehen wir weiterhin grosses Potenzial. Wohl nicht fürs ganze Sortiment, sondern in jenen Bereichen, in denen die Nachfrage am grössten ist.

Neuerdings offeriert Ikea Schweiz in ­Zusammenarbeit mit Swiss Re auch ­Versicherungen. Braucht es das in einem überversicherten Land wie der Schweiz?
Wir suchen immer wieder nach neuen ­Angeboten, die das Zuhause unserer Kundschaft noch lebens- und liebenswerter machen. Eine günstige Haushaltsversicherung wie Hemsäker – was «sicheres Zuhause» bedeutet – passt da gut.

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Hinter der neuen Hausratversicherung steht der Schweizer Konzern Swiss Re. Dieser setzt zunehmend auf No-Name-Angebote für Firmen wie Ikea. Mehr hier.

Haben Sie konkrete Erwartungen bezüglich Kundenzahl oder Prämienvolumen?
Die haben wir. Jedes seriöse Unter­nehmen setzt sich bei solch einem Projekt Ziele. Für den Moment behalten wir die Ziele für uns.

Wie viel Ihrer Einrichtung zu Hause stammt von Ikea? 120 Prozent?
Ich würde einmal schätzen, 40 Prozent. Weil ich schon in vielen Orten auf der Welt gelebt habe, haben sich Möbel und Einrichtungsstücke von überall her ange­sammelt.

Wir dachten, 40 Prozent Ihrer Möbel seien von Ikea – und den Rest hätten Sie bei XXXLutz und Mömax gekauft. Die siedeln ja in der Nähe des Ikea-Schweiz-Haupt­sitzes Spreitenbach – und Sie verbringen ­sicher viel Zeit dort, um zu sehen, was die Konkurrenz so macht.
Ich liebe Wohnungseinrichtungen. Deshalb begrüsse ich es, dass wir mehr ­Konkurrenten erhalten und neue Anbieter das Angebot für Wohnungseinrichtung vergrössern.

Neue Anbieter helfen Ihrer Branche?
Ja. Je stärker das Interesse an Wohnungseinrichtungen wächst, desto besser.

Wann waren Sie das letzte Mal in einem Geschäft von XXXLutz?
Ich bin fast jede Woche in einem Möbelladen. Und vor zwei Wochen war ich bei Mömax.

Foto von Andreas Güntert, Jessica Anderen, Marc Bürgi

Ikea-Schweiz-Chefin Jessica Anderen mit Andreas Güntert (links) und Marc Bürgi (rechts).

Quelle: Paolo Dutto

In der Branche heisst es, Mömax kopiere Ikea schamlos. Ist das für Sie ein Ärgernis oder ein Kom­pliment?
So etwas würde ich nie über einen Konkurrenten sagen. Wir haben beide unsere individuellen Stärken. Wir bei Ikea haben unsere Hausmarken, wir stellen unsere Expertise in der Wohnungseinrichtung ins Zentrum.

Wir legen den Fokus auf die Bezahlbarkeit und Nachhaltigkeit – und wir offerieren ein gesundes Essensangebot. Wenn Mömax in der Schweiz startet, hält uns das auf Trab.

Bauen Sie Ihre Ikea-Möbel selber ­zusammen?
Ja, ich schraube selber.

Machen Sie das gerne? Viele Normal­verbraucher tun sich eher schwer damit.
Das ist vermutlich von Person zu Person verschieden. Ich habe es immer geliebt, mein Zuhause einzurichten. Ich baue die Möbel gerne zusammen, weil ich dann merke, welche Erfahrung die Kundinnen und Kunden machen. Hier bei Ikea ent­wickeln wir sehr viele Innovationen.

Wie wärs mit Innovationen, die das ­Aufstellen vereinfachen?
Auch daran arbeiten wir. Grundsätzlich versuchen wir immer, dass der Zusammenbau nicht zu viel Zeit frisst und für eine Person alleine machbar ist. Bei grossen und sperrigen Möbeln, die aus vielen Teilen bestehen, ist das natürlich nicht so einfach.

Ebenso wie der Aufbau interessiert uns aber auch der Rück- und Wieder­aufbau, weil es uns zunehmend um die Langlebigkeit der Möbel geht. Sie sollen immer wieder zusammengebaut und auseinandergenommen werden können. Wir wissen, dass die Leute viel umziehen.

Swiss Connection

Ikea in der Welt: 433 Möbelhäuser, 211000 Mitarbeitende, 44 Milliarden Franken Umsatz: Ikea gilt als weltgrösser Möbelhändler. Gegründet wurde Ikea 1943 vom damals 17 Jahre jungen Schweden Ingvar Kamprad. Den Firmennamen setzte der Unternehmer aus seinen Initialen und den ersten Buchstaben des elterlichen Bauernhofs (Elmtaryd) in seinem Dorf (Agunnaryd) zusammen.

Ikea in der Schweiz: Kamprad pflegte eine enge Swiss Connection. Bis wenige Jahre vor seinem Tod (2018) lebte der Ikea Gründer 40 Jahre in der Westschweiz. 1973 eröffnete Ikea in Spreitenbach das erste Möbelhaus ausserhalb Skandinaviens. Heute führt Ikea hierzulande neun Einrichtungshäuser. Ein zehntes ist im Wallis geplant. Umsatz Ikea Schweiz 2019: 1'138 Milliarden Franken.

Welches Ikea-Möbel ist für Schweizer Konsumenten gemäss den Rückmel­dungen in Ihren Callcentern die grösste Knacknuss im Aufbau?
Bei einigen grossen, sperrigen Produkten wie den Pax-Kleiderschränken kann der ­Zusammenbau zur Herausforderung werden. Ferner wird uns berichtet, dass das Hemnes-Tagesbett öfters Probleme bereite.

Hat sich die Ikea-Landeschefin Schweiz auch schon an der Knacknuss Hemnes versucht?
Ich habe es schon dreimal zusammen­gebaut. Meine Erfahrung zeigt, dass es tatsächlich etwas Zeit und Geduld braucht. Wir haben den Prozess zwar schon ver­bessert, aber das genügt noch nicht. Wir müssen es noch stärker vereinfachen.

Sie waren für Ikea unter anderem in Hongkong, Australien, Schweden und Indien aktiv. Sind alle Nationen gleich geschickt darin, Möbel zusammenzubauen?
Wir sehen Unterschiede, klar. In Indien etwa ist es für Konsumentinnen und Konsumenten normal, günstige Dienstleistungen buchen zu können. Da schraubt man eher nicht selber. In Schweden hingegen sind es die Leute gewohnt, alles selber ­machen zu müssen.

Meine Generation ­zumindest kennt es nicht anders. Generell sind jüngere Leute stärker an Servicedienstleistungen interessiert, weil sie ihre Zeit lieber für anderes verwenden. Dieser Trend wird weltweit stärker.

Ist es ein Problem für ihr Geschäftsmodell, wenn jüngere Generationen die Möbel nicht mehr selber zusammenbauen wollen oder können?
Ich sehe nur Vorteile und Chancen. Wir müssen es noch besser schaffen, fantas­tische Wohnungseinrichtungen zu offe­rieren, die leicht selber aufzustellen sind, oder – wenn die Kunden das wollen – von uns als Service pfannenfertig geliefert werden. Zentral sind dabei die Bezahlbar- und Nachhaltigkeit.

Foto vom Hemnes Tagesbett

Das Hemnes Tagesbett fordert die Schweizerinnen und Schweizer.

Quelle: Ikea

Manche junge Kunden und Kundinnen werden sich um die Frage der Nachhaltigkeit foutieren. Sie sagen sich: Diese Möbel sind so günstig, dass ich sie bei einem ­Umzug lieber loswerde und neue kaufe.
Hier hoffe ich auf unsere Secondhand-­Initiative. Wir fördern den Occasions­verkauf von Möbeln – in unseren eigenen Läden, aber auch in Brockenhäusern und Flohmärkten sowie auf Secondhand-­Plattformen, wo wir unsere Präsenz zwischen 5 und 10 Prozent schätzen, je nach Möbelproduktgruppe.

Wie erfolgreich sind Sie mit dem Wiederverkauf in der Schweiz?
Zwischen September 2019 und Juni 2020 kauften wir über 2000 gebrauchte Pro­dukte zurück. Und wir fanden für 800 Produkte ein neues Zuhause.

Das klingt nach eher wenig. Ikea Schweiz verkauft ja nur schon in einer einzigen der neun Filialen täglich Tausende von Artikeln.
Es ist ein guter Anfang. Uns geht es um die Bezahlbarkeit. In der Schweiz haben die Konsumentinnen und Konsumenten weniger Geld im Portemonnaie. Laut dem Bundesamt für Statistik lebt jeder Siebte, jede Siebte unter der Einkommensarmutsgrenze.

8 Prozent sind Working Poor – Familien mit einem einzelnen Monatseinkommen von unter 4000 Franken. Das müssen wir beachten und bezahlbare Angebote auf den Markt bringen. Viele Ikea-Produkte landen im Brockenhaus und auf Flohmärkten. Wir werden Kreislauf-Hubs in allen unseren Läden lancieren, noch in diesem Jahr.

Hubs, zu denen ich meine alten Ikea-Möbel bringen kann?
In den Hubs nehmen wir die Produkte entgegen, wir verkaufen aber auch Ersatzteile und Einzelstücke, mit denen unsere Kundinnen und Kunden ihre Möbel instand stellen können. Das bieten wir bereits alles, wir machen es nun aber breiter verfügbar.

Sie sprechen von Ersatzschrauben, beispielsweise?
Ja, das ist Teil davon. Sie können dort Möbel reparieren lassen, Ersatzteile beziehen – solche Angebote. Die Kreislauf-Hubs sind Bestandteil unserer Nachhaltigkeitsstrategie.

Ikea Schweiz ist die grösste Möbelhändlerin im Lande. Wie wichtig ist Ihnen diese ­Spitzenstellung?
Mir ist wichtig, dass wir nicht nur im Markt die Nummer eins sind, sondern auch führend bei der Entwicklung von Nachhaltigkeit in unserer Branche. Die Nummer eins mit unserem Geschäft, einen positiven Beitrag für Menschen und Umwelt zu leisten. Das Geschäft ermöglicht es uns, das Rich­tige zu tun.

Wenn XXXLutz Sie in der Schweiz ­überrunden sollte, wäre das für Sie ein Problem?
Wir müssen auf unsere Ziele fokussieren: bezahlbare, nachhaltige Geschäfte be­treiben und eine Verbindung suchen mit jedem einzelnen Kunden, jeder einzelnen Kundin in der Schweiz. Das ist wichtiger als irgendein Zahlenwettbewerb.

Wenn Ikea die Welt verbessert, spielt die Marktführerschaft nicht mehr die wichtigste Rolle?
Wie ich sagte: Ich glaube nicht, dass es ein Wettbewerb ist.

Sie sehen keinen Wettbewerb? Da draussen in der Welt herrscht doch Konkurrenz, täglich und überall.
Ja. Aber ein durch eine Mission getrie­benes Geschäft ermöglicht es uns, viele Dinge zu verändern. Natürlich ist das ­Geschäft die Basis, es versorgt uns mit dem Sauerstoff, den wir für die Atmung benötigen. Und wir tun alles dafür, diese Stellung zu behalten. Mit dem ganzen Massnahmen-Menu. Die Profite liefern uns die ­Ressourcen dafür.

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