Selbst der Präsident der Uno-Generalversammlung ist pessimistisch. «Es dürfte erneut schwierig werden», beurteilt der Schweizer Joseph Deiss die Chancen, am Weltklimagipfel von nächster Woche in Mexiko den gesetzten Klimazielen einen Schritt weiterzukommen. Mittlerweile musste gar das Bundesamt für Umwelt eingestehen, dass die Schweiz ihr Ziel wohl verpassen wird.

Im Vorfeld des Gipfels verhandeln Uno-Gremien über die Zukunft der wichtigsten Klimaschutzprojekte des Kyoto-Protokolls und die wichtigsten Lieferanten für CO2-Zertifikate für das EU-Emissionshandelssystem. Rund 70 Prozent aller bisher ausgestellten Zertifikate stammten aus Projekten, mit denen in Entwicklungs- und Schwellenländern die Vernichtung von besonders klimaschädlichen Industrieabgasen finanziert wurden.

Fragwürdige Methoden

Neue und unabhängige Untersuchungen zeigen, dass die Zuteilung der Emissionszertifikate für diese Projekte auf fragwürdigen Methoden basieren. Die tiefen Kosten für die Vernichtung der Abgase und die riesigen Gewinne mit den Zertifikaten setzten perverse Anreize: Die Produktion wurde aus sauberen westlichen Fabriken nach China verlagert, und chinesische Fabriken erhöhten die Produktion des Klimakillers Adipinsäure, um mehr Zertifikate zu kassieren.

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Der Emissionshandel gerät trotz Erfolgen zunehmend in heftige Kritik. Schon länger umstritten sind grosse Staudammprojekte. Neuere Untersuchungen bezweifeln nun auch die Rechtmässigkeit von Zertifikaten aus chinesischen Windkraftanlagen: Offenbar senkten die Behörden den Einspeisetarif für Windkraft, damit die Projekte Emissionszertifikate beantragen konnten.

Die Auditoren, welche die Klimaschutz-Projekte im Auftrag der Uno prüfen, stecken in Interessenkonflikten und akzeptieren zu viele fragwürdige Projekte. Wegen Qualitätsproblemen wurden drei der grossen Auditoren je für drei Monate suspendiert, darunter im letzten Herbst auch die Schweizer Prüffirma SGS in Genf.

Noch ein Dämpfer

Jetzt soll die EU die Zertifikate aus Industriegasprojekten vom Emissionshandel verbannen. Händler rechnen mit dem Ausschluss ab 2013. Für den Handel ist das ein weiterer Dämpfer. Die hochfliegenden Pläne der Branche haben sich zerschlagen. Im vermeintlichen Zukunftsgeschäft macht sich Verunsicherung breit.

Die Chicago Climate Exchange, die mit grossen Hoffnungen und Unterstützung des Klimagurus Al Gore gestartete CO2-Emissionsbörse in Chicago, gab vor einem Monat den Rückzug aus dem Handel bekannt - sie hält das Geschäft nicht mehr für erfolgversprechend, nachdem die politischen Realisierungschancen für ein Emissionshandelssystem in den USA sich verflüchtigt haben. Vor zwei Wochen stellte der CO2-Broker Greyhound in London seine Tätigkeit wegen enttäuschender Geschäftsentwicklung ein. Ein anderer Händler, CantorCO2e, hatte schon im Sommer sein Büro in London aufgegeben.