Das Bauunternehmen Implenia hat im ersten Semester 2019 einen Gewinneinbruch erlitten. Grund waren erneut die Abschreibungen aus dem Auslandsgeschäft in Norwegen und Polen. Auch die Einführung der neuen Organisation und die Umsetzung der Strategie belasteten das Ergebnis.

Der Umsatz konnte jedoch gesteigert werden, so dass der Konzern an seinen Zielen für das Gesamtjahr festhält. Der neue Konzernchef André Wyss zeigt sich denn auch nicht beunruhigt, sondern sieht seine Erwartungen bestätigt. "2019 ist ein Übergangsjahr. Aber bei der Umsetzung der Strategie sind wir auf Kurs", sagte er an einer Medienkonferenz in Zürich. Nach den Projektkorrekturen im Dezember 2018 habe man auch keinen weiteren Korrekturbedarf identifiziert.

Wyss hatte im Oktober 2018 den Chefposten von Anton Affentranger übernommen. Im Dezember wurden nach einer Neubewertung der laufenden Projekte Wertberichtigungen von 70 bis 90 Millionen Franken angekündigt, die insbesondere Tiefbau-Projekte in Norwegen und Polen betrafen. Daraufhin hat der neue Chef die Organisation des Konzerns auf die jetzigen vier Divisionen umgestellt, die Konzernleitung umgebaut und eine neue Strategie angekündigt. Im Mai stiess dann Marco Dirren als neuer Finanzchef von der SBB zu Implenia.

Kein weiterer Korrekturbedarf

Mit dem jetzigen Geschäftsgang gibt sich Implenia in allen Divisionen zufrieden. Konkret stieg der Umsatz in den ersten sechs Monaten um 2,8 Prozent auf 2,18 Milliarden Franken. Nach Abschreibungen von 61,5 Millionen resultierte jedoch ein mehr als halbierter operativer Gewinn (EBIT) von 11,4 Millionen (VJ 27,2 Mio). Unter dem Strich blieb das Ergebnis mit 0,5 Millionen noch knapp im Plus (VJ +8,9 Mio).

Insbesondere die Divisionen Entwicklung und der Hochbau hätten sehr gute Resultate erzielt, hiess es. Die Strategieumsetzung laufe nach Plan und es seien Prioritäten in Richtung profitables Wachstum gesetzt worden. "Kurzfristig haben wir auch bereits Erfolge im Einkauf erreicht", sagte der Konzernchef.

Im Hochbau etwa habe eine selektivere Auftragsakquise zu einer Verbesserung der Qualität des Auftragsbuches geführt. In Bezug auf die Regionen lag der Umsatz in der Schweiz und in Österreich leicht über dem Vorjahr, nicht so in Deutschland. Dort haben Engpässe bei gewissen Gewerken laut Wyss zu einem Umsatz leicht unter dem Vorjahr geführt.

Im Tiefbau laufe der Turnaround im Schweizer Flächengeschäft und in Deutschland wie geplant. Zudem würden die in Norwegen getroffenen Massnahmen greifen. In den Heimatmärkten habe Implenia eine gute Position und der Auftragsbestand sei breit abgestützt.

Bei der Division Spezialitäten werde die neue Leiterin Anita Eckard ab September den Wandel und die Überprüfung der Geschäftsfelder vorantreiben. Der Bereich habe Akquisitionserfolge etwa im Holzbau und der Vorspann- und Fassadentechnik verbucht. Durch Verzögerungen bei Windenergieprojekten wurde jedoch ein Umsatzrückgang verzeichnet, sagte Wyss weiter.

Ausblick bestätigt

"Die gute Geschäftsentwicklung wird sich auch saisonal bedingt im zweiten Halbjahr verstärken", sagte Wyss zum Ausblick. Die Marktentwicklung und der hohe Auftragsbestand würden ihn zuversichtlich stimmen. "Wir wollen profitabel wachsen und in all unseren Märkten Marktanteile gewinnen." Für das laufende Jahr rechnet Implenia mit einer positiven Marktentwicklung in all ihren Heimatmärkten. Der Tiefbau werde ein insgesamt stärkeres Wachstum als der Hochbau zeigen, so die Erwartung.

Das Unternehmen bestätigt das EBITDA-Ziel von über 150 Millionen Franken für das Gesamtjahr. Dies jedoch vor Investitionen in die Strategieumsetzung, die weiterhin auf rund etwa 20 Millionen geschätzt werden. Auch die mittelfristige EBITDA-Zielmarge von 5,25 bis 5,75 Prozent wird bestätigt.

Mit dem Resultat hat Implenia die Erwartungen von Analysten beim Umsatz übertroffen und beim Betriebsergebnis verfehlt. Die Aktien reagieren mit Abschlägen und verlieren am frühen Donnerstagnachmittag 3,3 Prozent auf 29,24 Franken, während der Gesamtmarkt kaum verändert notiert.

(awp/mlo)

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