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Investor blättert 87 Millionen für Victoria Jungfrau hin

Hotel Victoria Jungfrau in Interlaken: Nun soll investiert werden.

Die historischen, aber verlustreichen Nobelherbergen der Victoria-Jungfrau-Kette haben einen neuen Geldgeber. Der Investitionsbedarf scheint hoch. Doch die neue Beteiligungsgesellschaft hat viel vor.

Veröffentlicht am 07.03.2014

Die Beteiligungsgesellschaft Aevis ist bereit, für die Hotelpaläste der Victoria Jungfrau Collection 87 Millionen Franken hinzublättern. Die Investoren kaufen mit den vier Prachthotels ein Stück Geschichte und eine unnachahmliche Tradition, aber auch eine kaum noch profitable Unternehmensgruppe mit hohem Geldbedarf. Die vier von der Gruppe betriebenen Nobelherbergen – das namengebende Victoria-Jungfrau in Interlaken, das Bellevue Palace in Bern, das Palace in Lausanne und das Eden au Lac in Zürich – stehen für die grosse Zeit des Reisen längst vergangener Epochen.

Die Geschichte des Victoria Jungfrau etwa geht bis 1856 zurück, als die Schweiz zum Ferienland für betuchte Reisende zu werden begann. Das Bellevue Palace beherbergt in seiner heutiger Form seit 1913 Kaiser, Könige und Präsidenten und ist Teil der politischen Bühne der Bundesstadt. Im Ersten Weltkrieg war es Sitz der Armeeführung.

Phänomene des Massentourismus wie Fast Food, Billigtourismus und Schnellabfertigung haben diese Hotels nie erreicht. Wer in einem solchen Hotel mit seinen Kristalllüstern, blankpolierten Spiegeln und reichverzierten Glaskuppeln absteigt, sucht Komfort, Stil, einen Hauch alter Welt und vor allem einen Rundumservice. Und das macht den Hotelbetrieb teuer.

Verluste

Die VJC-Gruppe mit den vier Hotels verdient trotz steigender Übernachtungszahlen kaum noch Geld: 2012 schrieb sie bei 72,1 Millionen Franken Umsatz trotz höherer Übernachtungszahlen 2,2 Millionen Franken Verlust. Auch in den ersten neun Monaten 2013 schrieb Victoria Jungfrau Collection rote Zahlen.

Aevis-Mitbesitzer Michel Reybier, der den Kauf zusammen mit dem Westschweizer Financier Antoine Hubert stemmt, will der finanziell strapazierten Gruppe unter die Arme greifen. Die Victoria Jungfrau Collection möchte schon seit einiger Zeit über die Zahl von vier Hotels hinauswachsen. Aevis strebt dies auch an. «Wir wollen um die prestigeträchtige Victoria Jungfrau Collection eine grössere Schweizer Hotelgruppe im 5-Stern-Segment aufbauen», sagte Christian Seiler, Verwaltungsratspräsident der neu gegründeten Aevis Tochtergesellschaft Swiss Hotels Investment AG, kürzlich in einem Zeitungsinterview.

Synergien

Investor Reybier könnte sein Hotel La Réserve in Genf in eine vergrösserte Gruppe bringen. Die Seiler-Hotels Monte Rosa und Mont Cervin in Zermatt wären auch eine Option. Mit Ausnahme des Mont Cervin sind diese Hotels nicht wie die Victoria-Jungfrau-Häuser Teil der «Swiss Deluxe Hotels», der Crème de la Crème der historischen Nobelhotels des Landes.

Doch auch wenn die Tradition nicht unbedingt dieselbe ist, die Collection könnte vom Zusammengehen mit anderen Hotels viel profitieren: In Marketing, Personalwesen, Verwaltung und Einkauf könnte eine grössere Hotelgruppe bedeutende Synergien nutzen. «Mit einem rigorosen Kostenmanagement können wir sicher einen angemessenen Ertrag erwirtschaften», sagte Aevis-Mann Seiler im Interview.

Tradition und Moderne

Viel Geld ist auch notwendig, dass die altehrwürdigen Hotels der Victoria-Jungfrau-Collection ihren Spagat zwischen Geschichte und Moderne schaffen. Für die vier Victoria-Jungfrau-Hotels schätzt Seiler den Investitionsbedarf auf 50 Millionen Franken. Ein Problem der Victoria Jungfrau Collection ist die komplizierte Bausubstanz der Hotels. Das Palace in Luzern hat erst seit 2013 in allen Zimmern Klimaanlagen. Umbaupläne des Zürcher Eden mussten aus Rücksicht auf die historischen Gegebenheiten geändert werden. Das Stammhaus in Interlaken hat viel in ein modernes Spa investiert, doch dieses ist manchem verwöhnten Gast immer noch zu klein.

Gegen all diese Probleme kämpften die grossen Häuser der Victoria Jungfrau Collection mit ihrer unvergleichlichen Grandeur an, welche die jüngere Konkurrenz nicht bieten kann. Doch ohne frische Geldquellen wären notwendige Investitionen und damit das Wohlwollen der Gäste immer schwieriger geworden.

(sda/moh)
 

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