Die Geschichte ist pikant – und macht eine Eigenheit des Banking deutlich: In der Branche wechseln Mitarbeiter auffallend häufig den Arbeitgeber. Diese Beobachtung macht auch der Zürcher Headhunter Stephan Surber vom Kadervermittler Page Executive. Denn im Private Banking nehmen die Starangestellten oft viele Kunden mit zum neuen Institut. «Die Topbanker können viele Gelder bewegen.» Nicht selten begleitet sogar ein ganze Team den Topangestellten an die neue Adresse.

Surber spricht von einem Trend, den er seit der Finanzkrise beobachtet. In der Finanzbranche komme es zu immer mehr Umstrukturierungen, die Jobsicherheit habe abgenommen. Das beeinflusse auch die Loyalität und die Zufriedenheit der Mitarbeiter, vermutet der Experte. «Die Wechselbereitschaft ist gestiegen.»

Ein prominentes Beispiel für das Personenkarrussel in der Finanzbranche liefert Boris Collardi: Der Julius-Bär-Chef ging zu Pictet. Dutzende Mitarbeiter folgten ihrem Chef. «Ich habe keine einzige Person von Bär oder einer anderen Bank kontaktiert. Es kamen hundert Anfragen von ganz allein», sagte Collardi der «Bilanz».

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Stephan Surber ist Executive Director beim Kadervermittler Page Executive.

Quelle: ZVG
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Zahnloses Konkurrenzverbot

Die Banken versuchen derweil, den Exodus von Mitarbeitern und Kundengelder zu unterbinden. So schreiben die Institute den Bankern Konkurrenz- und Abwerbeverbote in den Vertrag. Mit den Vereinbarungen liessen sich Wechsel aber kaum verhindern, sagt Surber. Nach sechs bis maximal zwölf Monaten liefen die Verbote aus.

Und wechselwillige Angestellten fänden überdies einfach Wege, solche Hürden zu umgehen. Ein Beispiel: Die Bankerin betreut bei der neuen Arbeitgeberin nun ein andere Region als in ihrer alten Stelle. «Arbeitsverbote geltend zu machen, ist sehr schwierig», so der Headhunter.

Erfolgsversprechender seien sogenannte Retention programs. «Die wichtigen Mitarbeiter und Kunden werden immer stärker an die Bank gebunden.» Vermögende würden heute im Institut von verschiedenen Mitarbeitern betreut, die Betreuung durch einen einzigen Berater sei passé. Und Mitarbeiter, die mit einem Wechsel liebäugelten, würden gezielt eingeschüchtert, etwa durch eine Degradierung. «Es werden Exempel statuiert.» Wer die Bank im Streit verlässt, muss als «bad leaver» mit Konsequenzen rechnen, beispielsweise einem schlechten Arbeitszeugnis.

In den USA dreht das Personenkarrussel schneller

Der Trend zu häufigen Jobwechseln beschränkt sich nicht auf den Schweizer Finanzplatz – im Gegenteil: Im Ausland kommen Seitenwechsel laut Surber sogar deutlich häufiger vor. «In der Schweiz herrscht noch ein längerfristiges Denken. In den USA finden es Banker normal, nach zwei Jahren einen neuen Job zu suchen», sagt der Headhunter, der bei Page Executive auch internationale Märkte betreut.

Ein Wechsel muss trotz allem gut überlegt sein. «Zu häufige Wechsel sind verpönt.» Begehrt ist in der Branche nur, wer eine Leistung vorweisen kann. Einen solchen Erfolgsausweis stellt sich erst nach einigen Jahren ein. «Die Performance muss stimmen», sagt Stephan Surber.

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