Das Shoppingcenter Stücki in Basel lädt mit seinen hellen Gängen und der verspielten Architektur zum Flanieren ein. Im Einkaufsparadies ist die Prominenz des Detailhandels vertreten: Von Amavita bis Zero und von C&A bis H&M. Doch kurz vor Mittag sind die meisten Läden leer. Einzig im Food-Bereich sind einige Menschen unterwegs. «Tatsächlich sind im Stücki 13 Prozent der Flächen nicht vermietet», sagt der neue Centerleiter Tim Mayer.

Die Situation im Stücki zeigt die Sorgen der Branche: Viele Anbieter klagen über Leerstand und sinkende Umsätze. Derweil rüsten Center in Deutschland weiter auf und ziehen viele Schweizer Kunden zum Einkaufen an.

Buchstäblich ein Grenzfall

Wer in dieser Gegend zum Einkaufen fährt, stoppt lieber 1,2 Kilometer später, jenseits der Grenze, beim Rhein-Center in Weil. Zwar ist das Gebäude in die Jahre gekommen. Dafür sind dort schon zur Mittagszeit viele Kunden, die vor den Kassen Schlange stehen. Es ist viel Schweizer Dialekt zu hören, im Parkhaus dominieren CH-Nummernschilder. Zwar sind die Läden nicht die gleichen wie im Stücki. Doch im Rhein-Center sind fast alle Artikel deutlich günstiger.

Gemäss der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) haben Schweizer im Jahr 2013 im ausländischen Detailhandel rund 10 Milliarden Franken ausgegeben. Das sind 10 Prozent mehr als im Vorjahr. Rund 5 Milliarden Franken flossen ins grenznahe Ausland.

Eine noch vorteilhaftere Lage als das Rhein-Center hat das Shoppingcenter Lago in Konstanz. Laut einer Umfrage bei den 400 grössten deutschen Malls ist es das erfolgreichste deutsche Einkaufszentrum, «dank der Nähe zur kaufkräftigen Schweiz», wie es in der Studie heisst. Schweizer Kunden werden
 wohl in Zukunft noch fleissiger 
über die Grenze fahren. Denn die Nachbarländer rüsten kräftig auf.

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Zahl der Shoppingcenterfläche verdoppelt

Die Schwierigkeiten, wie es sie etwa im Stücki gibt, sind allerdings nicht allein auf die günstigere Konkurrenz jenseits der Grenze zurückzuführen. So kämpfen die Schweizer Shoppingcenter mit hausgemachten Problemen, allen voran mit den Folgen einer forschen Expansion. Seit 2000 hat sich die Shoppingcenterfläche in der Schweiz verdoppelt, auf über 2,5 Millionen Quadratmeter. Heute verteilen sich über das Land über 185 Einkaufszentren, von denen im Schnitt jedes mit 17 500 Quadratmetern aufwarten kann.

Ein weiteres Problem: Rund 50 Shoppingcenter in der Schweiz setzen weniger als 6000 Franken pro Quadratmeter um. Dies ist eine Produktivitätsschwelle, unter welcher es laut Experten kritisch wird. «Besonders kleinere Fachmarktcenter können keine wirkliche Anziehungskraft ausüben und leiden unter mangelnden Kundenfrequenzen und Leerständen», sagt Dieter Bullinger von der Projektentwicklungsfirma Debecon. Konkrete Namen will er nicht nennen, aber die Beispiele schlecht laufender Shoppingcenter sprechen sich herum.

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