Eine pensionierte Frau mit Vermögen stellt ein Gesuch für die Coop-Kreditkarte Supercardplus. Doch ihr Antrag wird abgelehnt. Die Begründung der Bank: Sie sei nicht mehr berufstätig. Damit steht die Frau nicht allein. «25% aller Gesuche für eine Kreditkarte lehnen wir ab», bestätigt Swisscard-Sprecher Urs P. Knapp. «Bei diesen Gesuchstellern ist damit zu rechnen, dass sie ihre Rechnungen nicht bezahlen können.»

Swisscard, das Joint Venture von Credit Suisse und American Express, betreut über 1 Mio Kreditkarten und hält einen Marktanteil von knapp 25%. Swisscard gibt neben Mastercard, Visa und American Express auch die Coop-Kreditkarte heraus. In der Schweiz werden laut Nationalbank 4,67 Mio Kreditkarten herausgegeben.

Die hohe Ablehnungsquote der Swisscard betrifft alle Karten - von der Coop-Kreditkarte mit einer Limite von nur gerade 500 Fr. bis zur American Express Centurion Card ohne Limite. Bei Premiumkarten liegt die Ablehnungsquote laut Knapp tendenziell etwas höher als im Durchschnitt, die Zulassungskriterien sind aufgrund der höheren Limiten strenger. Das ist nachvollziehbar, wenn Knapp erzählt, dass ein American-Express-Kunde auf einer Shoppingtour in Genf an einem einzigen Tag für 15,8 Mio Fr. Schmuck gekauft hat. Pro Jahr wickelt Swisscard rund ein Dutzend Transaktionen in Millionenhöhe ab.

Anzeige

Pensionierung als Absagegrund

Ein anderes Beispiel: Obwohl eine berufstätige Frau bereits verschiedene Kreditkarten besass, erhielt sie keine Migros-Kreditkarte. Dies mit der Begründung, es sei absehbar, dass sie bald pensioniert werde. Der Hinweis auf das regelmässige Einkommen ihres Ehemanns nützte ihr nichts. Auch bei der GE Money Bank, die unter anderen die Migros-Kreditkarten herausgibt, erhalten rund ein Viertel der Kreditkartengesuche negativen Bescheid.

Anders sieht es bei der UBS aus, die gut 1 Mio Karten verwaltet. Hier beträgt die Ablehnungsquote nur «eine tiefe einstellige Prozentzahl», wie die Medienstelle bekannt gibt. Begründet wird die tiefere Quote damit, dass nicht Antragsteller auf dem freien Markt, sondern vor allem UBS-Kunden Karten verlangen. Und deren Zahlungsfähigkeit kenne man, so die Medienstelle.

Trotz der Finanzkrise hat sich die Ablehnungsquote in den letzten Jahren nicht geändert. «Die Kriterien für eine Kreditkarte wurden nicht verschärft», sagt Knapp. Doch: «Der Anteil der Kunden, die auch nach der Ablehnung nochmals eine Karte beantragen, nimmt zu», bestätigt Swisscard-Sprecher Knapp. Schliesslich geht heute ohne Kreditkarte im Zahlungsverkehr fast nichts mehr. Zumindest im Online-Kauf ist man auf das Plastikgeld angewiesen.

«Eigentlich möchten wir möglichst viele Karten herausgeben, aber das Risiko ist gross.» Deshalb wird rigoros gesiebt. «Ein einziger Kunde, der seine Kreditkartenrechnung nicht zahlt, kostet Swisscard ebenso viel wie die Erträge von 200 solventen Kunden», so Knapp. Dabei könne es passieren, dass jemand fälschlicherweise keine Karte erhält.

Und wie prüft Swisscard die Kreditwürdigkeit? Neben Personalien und Kopien von amtlichem Ausweisen erkundigt sich Swisscard auch bei der Informationsstelle für Konsumkredit und der Zentralstelle für Kreditinformation. Sie kann auch einen Vermögensnachweis verlangen. Alle diese Informationen werden in ein Risikomodell gespeist, das die Kreditwürdigkeit berechnet.

Schwierig für nicht Berufstätige

Für jede Kreditkarte ist eine strenge Bonitätsprüfung gesetzlich vorgeschrieben, unabhängig davon, wie hoch oder tief die Jahresgebühren sind. «Personen, die nicht berufstätig sind oder über kein Vermögen verfügen, haben es schwieriger, zu einer Kreditkarte zu gelangen», erklärt Knapp. «Sicher erhalten minderjährige Antragsteller und überschuldete Kunden keine Karte.»