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Jetzt kommen die Hanf-Drinks ohne Rausch

Jetzt kommen die Hanf-Drinks ohne Rausch
Constantin Marakhov (l.) und Mike Chernyak: Die Hempfy-Gründer. Sebastien Agnetti/13 Photo

Das Startup Hempfy braut Tonic aus THC-freiem Cannabis. Damit springt es auf den Hype um ­exotische Mischgetränke auf. Die Gründer haben internationale Ambitionen.

Von Caroline Freigang
2017-09-27

Vier Zentiliter Gin, 250 Milliliter Tonic, ein Scheibchen Gurke, eine Prise Pfeffer: Der Gin Tonic erfährt ein Revival. Neben Gin-Sorten explodiert auch die Anzahl Tonics, die zum Longdrink gereicht werden. Neue Geschmacksrichtungen reichen von Hibiskus bis Holunder. Hinzu kommt nun eine weitere exotische Variante: Cannabis-Tonic.

Das Startup Hempfy aus der Nähe von Nyon hat mit seinem Drink hohe Ambitionen: Es will dem Platzhirsch Fever-Tree Konkurrenz machen. Im Sortiment führt Hempfy sein Tonic derzeit in den ­Varianten «Bitter Lime» und «Sweet Lime». Beide haben eine leicht bitter-süssliche Note. Hinzu kommt ein Hanf-Erfrischungsgetränk ohne Kohlensäure.

«Wie nach der Meditation»

Ohne Alkohol, THC und CBD wirken die Cannabisgetränke nicht berauschend – und sind damit «so harmlos wie reguläre Limonade», sagt Mitgründer Constantin Marakhov. Gleichzeitig schwört das Startup auf die Superkräfte seines Drinks: «Ein Tonic steht per definitionem für ein stärkendes, belebendes Mittel», so Marakhov. «Am ehesten lässt sich der Effekt des Hempfy-Tonic mit dem Gefühl vergleichen, das man nach dem Meditieren verspürt – ruhig und konzentriert.»

Man wolle aber auf keinen Fall in die Drogen-Ecke gestellt werden. Im Gegenteil: Hempfy positioniert sich im Highend-Getränkesegment. Wie gut das mit der Distanzierung klappt, sei dahingestellt: Auf den Deckeln und Etiketten der Fläschchen prangen grosse Cannabis-Symbole – welche wohl nach wie vor mit berauschenden Substanzen assoziiert werden. Dennoch ist es den Hanfbrauern gelungen, mit Manor einen wichtigen Grosskunden zu gewinnen. Die Detailhandelskette unterstützt Hempfy seit Mai dieses Jahres und lässt sie Degustationen an verschiedenen Standorten durchführen. Ab Mitte Oktober sollen die Hempfy-Tonics ausserdem in ausgewählten Coop-Filialen in der Romandie verkauft werden.

Kein CBD oder THC

Die Gründer von Hempfy, den Ukrainer Constantin Marakhov und den Russen Mike Chernyak, brachten ihre Jobs in die Schweiz. Marakhov, studierter Ökonom und Accountant, arbeitete beim World Economic Forum, Chernyak war als Numismatiker und Antiquitätenhändler in Genf tätig. Beide entdeckten Hanfprodukte als Weg, in ihrem hektischen Leben abzuschalten. Als sie vom Schweizer Hanfbauern Olivier Sonnay hörten, entstand die Idee, einen Cannabis-Drink herzustellen.

Sonnay züchtet seit Jahrzehnten THC-freien Hanf in der Nähe von Nyon. Probleme mit den Behörden habe es nie gegeben: «Das Gras ist vom Typ US031, welcher kein CBD oder THC enthält. Für den Anbau braucht es keine ­Lizenz», erklärt Marakhov. Gebraut, ver­feinert und abgefüllt werden die Drinks in einer Kellerei nahe Nyon, in der sonst ­eigentlich Wein hergestellt wird. Auch sonst ist alles von der Verpackung bis hin zu den Labels Swiss made.

25 Kilogramm Cannabis auf 1000 Liter Wasser

Hanfprodukte ohne berauschende Wirkung sind auf dem Schweizer Markt nicht ganz neu. Seit Jahren gibt es den Swiss Cannabis Ice Tea zu kaufen – zuletzt primär noch in Selecta-Automaten. Auch der Glückstee der Migros enthält Hanf. Laut Marakhov nicht ohne Zufall: Migros habe das Getränk nach einem Treffen mit Hempfy lanciert.

Trotzdem käme die Konkurrenz nicht an die Produkte von Hempfy heran, so der Gründer: Vielen Produkten würde nämlich erst nachträglich Cannabis-Geschmack hinzugefügt. Hempfy hingegen stelle das Tonic aus einer eigenen Infusion her. Dafür werden 25 Kilogramm Cannabis in 1000 Litern Wasser gebraut. Im Vergleich zu Mitbewerbern ziele man ­ausserdem auf exklusive Vertriebskanäle: Edelbars, Hotels, hochwertige Supermärkte und Flughäfen.

Internationale Ambitionen

Bislang finanziert sich das Startup aus eigenen Mitteln. Die Gründer fingen mit ­einem Startbudget von 200 000 Franken an, mittlerweile ist rund 1 Million Franken aus eigenen Reserven in die Idee geflossen. Nun stehe man mit Investoren in Kontakt, die Interesse daran hätten, mit Hempfy eine globale Marke in der Grössenordnung von Fever-Tree oder Schweppes aufzubauen, so Marakhov. Die Ambitionen des Start­ups sind gross: Nach dem Schweizer Markt will man international expandieren. Um dies zu ermöglichen, planen die Gründer drei Investment-Runden. Derzeit seien sie dabei, die erste Runde vorzubereiten.

Cannabis-Produkte werden in der Schweiz immer besser akzeptiert, erklärt ­Marakhov: «Erste Michelin-Restaurants fangen beispielsweise damit an, Fleisch in Cannabis einzulegen.» Als Nächstes will Hempfy neben Tonics auch Hanf-Schokolade und -Müesliriegel produzieren. Ein Crowdfunding für Cannabis-Schoggi bei Wemakeit blieb allerdings ohne grossen ­Erfolg. Bis zum Kampagnen-Ende hatte das Startup 405 von angepeilten 50 000 Franken gesammelt. 

Fünf Fakten aus der Welt des Essens: 

 

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