Bis vor kurzem gehörte Snapchat zu den grossen Namen in Social Media und zu den schärfsten Rivalen von Instagram. Die US-Bilder- und Video-App ist dafür bekannt, dass ihre Inhalte nur kurzzeitig zu sehen sind. Doch nun ist der weitere Erfolg infrage gestellt, denn die Einkünfte flossen zuletzt deutlich schwächer als gewohnt. Und deshalb entscheidet sich Gründer und CEO Evan Spiegel zu drastischen Massnahmen.

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Die Snap-Muttergesellschaft entlässt etwa einen Fünftel der Belegschaft. Die Mitarbeitenden erfuhren die Hiobsbotschaft in einer internen Mitteilung, die Spiegel am Dienstag verschickte. 

Der Konzernchef begründete den Abbau mit den schwachen Zahlen. Das Umsatzwachstum von acht Prozent bleibe weit hinter den Prognosen von Snap zurück. Es ist laut der Agentur Bloomberg das erste Mal, dass das Quartalswachstum der Gesellschaft nur einstellig ausfällt.

Snap-Chef Spiegel setzt den Rotstift an

Der Chef setzt bei vielen Vorhaben den Rotstift an: Alle Projekte, die nicht zum Nutzer- und Umsatzwachstum oder zum Augmented-Reality-Angebot des Unternehmens beitragen, werden gestrichen oder erhalten «erheblich reduzierte Investitionen», so Spiegel in seinem Memo. «Während wir unsere Arbeit fortsetzen werden, um das Umsatzwachstum wieder zu beschleunigen, müssen wir den langfristigen Erfolg von Snap in jedem Umfeld sicherstellen.»

Der Umsatzschwund ist die Folge der sinkenden Werbeeinnahmen: Das Social-Media-Unternehmen nahm deutlich weniger mit «Ads» ein. Deshalb ist das Werbegeschäft ab sofort Chefsache: Der neu ernannte Chief Operating Officer Jerry Hunter persönlich wird die Werbeabteilung leiten.

Kurssturz der Snap-Aktie

Die Anzeigenabteilung war bisher dem Chief Business Officer Jeremi Gorman unterstellt, der das Unternehmen verlässt, um eine Stelle bei Netflix anzutreten, so das Unternehmen. Die Snap-Aktien fielen in diesem Jahr bis zum Börsenschluss am Dienstag um 78,7 Prozent. Das Börsenjahr 2022 droht als das schlechteste seit dem Börsengang (2017) in die Konzerngeschichte einzugehen.

Weil die Anlegenden das Vertrauen verlieren, muss das Unternehmen gleichzeitig wachsen und die Kosten kontrollieren. Damit das Kunststück gelingt, stellt das Unternehmen drei neue Spitzenmanager für die Regionen Amerika, Asien-Pazifik und Europa, Naher Osten und Afrika ein. Auch bei der Weiterentwicklung seiner Kamerabrille Spectacles schränkt sich Snap neu stärker ein.

Die Social-Media-Konzerne leiden unter Umsatzschwund

Snap ist mit seinen Problemen in der Social-Media-Welt nicht alleine: Verschiedene Unternehmen leiden darunter, dass Konzerne ihre Marketingbudgets herunterfahren. Die Vermarkter geben weniger Geld aus, was sowohl auf die wirtschaftliche Unsicherheit als auch auf die Änderungen zurückzuführen ist, die Apple im vergangenen Jahr an seinen Datenschutzrichtlinien vorgenommen hat und die sich auf das Tracking von iPhone-Nutzern auswirken. «Da die Werbedollar insgesamt langsamer wachsen, verschärft sich der Wettbewerb um diese Dollar», hiess es kürzlich einer Investorenpräsentation von Snap.

(bloomberg/mbü)