Meist nimmt Jörg Duschmalé das Velo. Rund zwanzig Minuten brauche er von seinem Wohnort in Bettingen bei Basel zum Barfüsserplatz im Zentrum der Stadt. Hin – den Hügel runter – gehe es etwas schneller, zurück sei es schon ziemlich anstrengend: Sein Fahrrad hat nur einen Gang. Das ziehe er bei jedem Wetter durch, auch im Winter. «So kann ich mir das Fitnesstraining sparen», sagt er.

Am Geld dürfte es nicht liegen, dass er nicht bequemere Transportmittel bevorzugt: Duschmalé, dessen Ururgrossvater Fritz Hoffmann-La Roche 1896 den Pharmakonzern gründete, wurde in den Wohlstand hineingeboren. Über 26 Milliarden Franken ist das 50,01-Prozent-Paket wert, das dem Besitzerclan die Macht sichert. Geschätzte 2 bis 5 Milliarden Franken fallen allein auf die Duschmalé-Familie.

Der 35-Jährige ist Teil des Aktionärspools, dem 15 Familienmitglieder aus zwei Generationen angehören – und in den jüngst einige Bewegung gekommen ist: Auf einen Schlag wurden sieben neue Mitglieder der fünften Generation aufgenommen. Für den verschwiegenen Clan war dies Anlass, im vergangenen Dezember ausnahmsweise wieder einmal an die Öffentlichkeit zu gelangen – mit einer Pressemitteilung seitens der sich imFamilienbesitz befindenden Privatbank Scobag in Basel.

Im Rahmen des verkündeten Schubs an Neuerungen kommt es auch zu einer wichtigen Personalie, die den Konzern selber betrifft: Jörg Duschmalé soll an der kommenden Generalversammlung vom 17. März in den Verwaltungsrat von Roche eintreten. Er ersetzt dort seinen Onkel Andreas Oeri, Arzt und Orthopäde in Basel, der bereits 70 Jahre alt ist und seit 1996 im Verwaltungsrat Einsitz hat.

Der Besitzerclan besteht aus zwei Familienzweigen, den Hoffmanns und den Oeris, die traditionell je einen Sitz im Roche-Verwaltungsrat besetzen. Zu Letzteren gehört auch Sabine Duschmalé-Oeri, die Mutter von Jörg Duschmalé.

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Doktor der Chemie: Duschmalé war bei Roche als Forscher tätig und hat hier auch seine Frau, ebenfalls eine Naturwissenschaftlerin, kennengelernt.

Quelle: Maya & Daniele Photography

Neue Galionsfigur

Von der Hoffmann-Seite bleibt André Hoffmann im Verwaltungsrat – er ist mit seinen 61 Jahren ja auch noch einiges jünger als der nun austretende Andreas Oeri. Dafür bringt der Hoffmann-Zweig nun sämtliche sieben Kinder der fünften Generation aufs Mal in den Aktionärspool ein, unter anderem auch die beiden Söhne und die Tochter von André Hoffmann.

Bisher waren von der jungen Generation nur Vertreter der Oeri-Seite im Pool, und zwar neben Jörg Duschmalé auch dessen jüngerer Bruder Lukas.

Mit der Berufung von Jörg Duschmalé in den Roche-VR bekommt der Clan nun eine zweite, auch nach aussen wirkende Galionsfigur. Bislang nahm man den Grossaktionär nur über André Hoffmann wahr, der als Sprecher der Besitzerfamilie agiert und als Vizepräsident imRoche-Verwaltungsrat das entscheidende Schwergewicht darstellt.

«Ein eigenes Selbstwertgefühl aufbauen. Aus eigenen Leistungen, nicht aufgrund einer ererbten Situation.»

Dass just Jörg Duschmalé nun an Hoffmanns Seite als Repräsentant ausgewählt wurde, ist kein Zufall: Er hat einen unmittelbaren Bezug. Der Doktor der Chemie hat sich nach seinem Abschluss an der ETH Zürich 2013 für die Wissenschaft entschieden und mehrere Jahre lang als Forscher in den Labors von Roche gearbeitet.

Wir treffen Jörg Duschmalé in einem Besprechungsraum im 24. Stock des Roche-Turms in Basel. Es ist ein schöner Tag, vom Stehtisch aus überblickt man durch die hohe Glasfront die Weite der Stadt.

Sein Forschungsbereich seien therapeutische Oligonukleotide gewesen, erzählt er. «Ja, am besten mal googeln», antwortet er schmunzelnd auf die Frage, was das denn sei. (Es sind, sehr vereinfacht gesagt, Moleküle, die durch gezielte Bindung an bestimmte Abschnitte der Erbsubstanz DNS verhindern können, dass beispielsweise Krankheiten verursachende körpereigene Substanzen gebildet werden.) Doch auch noch aus einem ganz anderen Grund habe er ein besonderes Verhältnis zu Roche: Hier habe er seine Gattin Martina kennengelernt: «Sie war die wundervolle Biologin, der ich die ersten Verbindungen, die ich synthetisch hergestellt hatte, zum Testen bringen durfte.»

Doktorarbeit an der ETH

Den Entschluss, eine naturwissenschaftliche Karriere einzuschlagen, habe er nie bereut: «Chemie ist meine grosse Leidenschaft.» Darauf gebracht habe ihn ein Chemiker bei Roche, der mit grosser Begeisterung von seiner Tätigkeit berichtet habe.

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Ende der neunziger Jahre sei dies gewesen, anlässlich der Einweihung eines Forschungsgebäudes, des Baus 92, als er, damals 14 Jahre alt, zusammen mit weiteren Mitgliedern der Besitzerfamilie zum Eröffnungsapéro eingeladen war. Nach den spannenden Schilderungen des Mannes habe er es gar nicht mehr erwarten können, im Gymnasium endlich Chemieunterricht zu bekommen – und habe dann nach und nach weiter Feuer gefangen.

Es folgten das Studium an der Uni Basel und die Doktorarbeit an der ETH. Dann viele Jahre Forschung in verschiedenen Bereichen. In Duschmalés zweiseitigem CV, das Roche zur Verfügung stellt, nimmt die Erwähnung von wissenschaftlichen Arbeiten und Publikationen eine ganze Seite ein. Unbewusst habe er vielleicht den Traum seines Vaters, des 2017 verstorbenen Hansjörg Duschmalé, gelebt, der, wie er später erfahren habe, ursprünglich auch Chemie hatte studieren wollen, dann aber Jurist wurde.

Bekannte schildern Duschmalé als einen eher stillen und zurückhaltenden, ja fast etwas scheuen Menschen. Im Labor, beim Hantieren mit Reagenzgläsern und Analysegeräten, sei er in seinem Element gewesen. Eskapaden sind über ihn nicht bekannt, er protzt nicht mit Stellung oder Geld, extravagante Hobbys pflegt er nicht

Teure Wanderschuhe

In seiner Freizeit sei er gerne zu Fuss in den Hügeln und Wäldern rund um Basel unterwegs. Mit seiner Frau und manchmal auch mit Freunden, «sehr viel aber auch alleine». Auf diesen langen Wanderungen in der Natur könne er gut abschalten, ja mehr noch, fühle er sich richtig glücklich. Auf eine Frage später im Gespräch, für welchen Luxus er viel Geld ausgebe, wird er antworten: «Wanderschuhe. Ich kaufe mir immer die besten Exemplare.»

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Er ist Anhänger des FC Basel, er und Bruder Lukas haben Dauerkarten und feste Plätze nebeneinander auf der Tribüne. Gerne besucht er auch mal ein Livekonzert, etwa im Bird’s Eye, einem Basler Jazz- und Konzertclub, den seine Tante Beatrice Oeri präsidiert.

Der nur rund ein Jahr jüngere Bruder Lukas gilt als der unkonventionellere der beiden Brüder. Lukas Duschmalé hat ein Unternehmen im Gastrobereich gegründet. Zuletzt lancierte er in Basel das asiatische Pop-up-Restaurant Peng Dumplings. Er zeigt einen Hang zur witzigen Nonchalance.

Das Thema seiner Maturarbeit am Freien Gymnasium Basel lautete etwa: «Nichterscheinen bei Prüfungen als Überlebensstrategie». Er ist verheiratet und hat zwei Kinder – und hat damit der Besitzerfamilie bereits eine sechste Generation geschenkt. Jörg Duschmalé hat bisher noch keine Kinder.

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Besitzerspross: Der Wert des Aktienpakets der gesamten Oeri-Hoffmann-Familie beträgt über 26 Milliarden Franken.

Quelle: Maya & Daniele Photography
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Sein Bruder und er hätten besprochen, wer die Familie im Verwaltungsrat von Roche vertreten solle und wie das mit den jeweiligen beruflichen Zielen vereinbar sei. Im Laufe dieser Gespräche habe sein Bruder seinen Anspruch zurückgezogen. Auf der Oeri-Seite gibt es zwar noch zwei Cousins, die Söhne von Maja Oeri, doch diese ist 2011 aus dem Pool ausgetreten, wodurch den beiden keine offizielle Rolle im Oeri-Zweig mehr zusteht.

Wenn Duschmalé am 17. März in den VR eintritt, erwartet ihn eine grosse Aufgabe. Denn Roche ist ein Weltkonzern, das zwölfköpfige Gremium ist mit Schwergewichten wie Nestlé-Präsident Paul Bulcke oder Ex-Lufthansa-Chef Christoph Franz als Präsident besetzt. Mit Duschmalé soll auch Swiss-Life-CEO Patrick Frost dazustossen.

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Christoph Franz: Der Roche-Präsident hat ein gutes Verhältnis zur Besitzerfamilie.

Quelle: © KEYSTONE / GIAN EHRENZELLER
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Patrick Frost: Der Swiss-Life-CEO ist wie Duschmalé als neues VR-Mitglied nominiert.

Quelle: Stephan Knecht
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Erfolgreiche Familiengeschichte weiterführen

Was kann er, der junge Mann, in so einem Gremium von Top-Cracks bringen, bei welchen Themen kann er sich überhaupt einbringen und etwas beitragen? «Es ist wichtig, die erfolgreiche Familiengeschichte fortzusetzen und in die nächste Generation weiterzutragen», sagt Jörg Duschmalé. Sein Eintritt in den Verwaltungsrat sei vor allem auch ein Signal. «Wir zeigen damit: Die Familie steht weiter hinter der Firma, auch in Zukunft.»

Dies ist in der Tat eine nicht unbedeutende Botschaft, denn in der Vergangenheit gab es angesichts einer vermuteten Schwäche in der Standhaftigkeit der Besitzerfamilie schon Attacken auf Roche. Etwa von Firmenjäger Martin Ebner, der in den neunziger Jahren eine Beteiligung von rund 20 Prozent an Roche aufbaute und die Familie persönlich angriff, indem er ihr vorwarf, sich zu wenig für die Firma zu interessieren. Brisant nicht zuletzt auch wegen der umstrittenen Besitzerstruktur von Roche: Die Familie kontrolliert mit nur 9,3 Prozent desKapitals den Konzern, weil der Grossteil der Aktien stimmrechtslose Genussscheine sind.

Ebner unterschätzte, wie bisher alle Angreifer, dass die Familie, wenn es hart auf hart kommt, wie ein Bollwerk agiert. Kennzeichen praktisch aller Mitglieder der Besitzerfamilie sei die grosse emotionale Nähe zu Roche, sagt ein Familieninsider, die Tatsache, vom Gründer abzustammen, bilde eine gemeinsame Identität und auch psychologisch eine Art innerer DNA, die alle zusammenhalte.

Das zeigt sich etwa auch daran, dass die aus dem Pool ausgetretene Maja Oeri weiter mit der Familie stimme. Ihr Aktienpaket von rund fünf Prozent hat sie behalten: «Mit dem Paket ist sie Teil der bedeutenden Roche-Besitzerfamilie. Ohne dieses Paket einfach nur eine sehr reiche Frau», so der Insider.

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Quelle: Bilanz

6 Generationen, 124 Jahre Roche

Der Gründer
Fritz Hoffmann-La Roche gründet 1896 die gleichnamige Pharmafirma. Verluste im Zuge der Oktoberrevolution 1917 zwingen ihn, Kapital aufzunehmen, er muss seine Mehrheit an der Firma aufgeben.

Die Erben
Nach dem frühen Unfalltod von Gründersohn Emanuel Hoffmann heiratet dessen Frau Maja Stehlin den Dirigenten Paul Sacher, der für die Familie die einst verlorenen Anteile zurückkau?. Die Inhaberaktien werden an Vera und Lukas Hoffmann vererbt. Damit bilden sich die heutigen Familienstämme.

Der Oeri-Zweig
Der Familienzweig wird ab den 17. März durch Jörg Duschmalé imVerwaltungsrat von Roche vertreten sein. Der Doktor der Chemie ersetzt seinen Onkel Andreas Oeri, der bereits 70 Jahre alt ist. Die Oeris sind in vielen Sti?ungen aktiv, vor allem im Bereich Kunst und Gesundheit. Jörg und auch sein Bruder Lukas Duschmalé sind seit 2009 im Pool vertreten. Mit den beiden Kindern von Lukas gibt es schon Angehörige der sechsten Generation.

Der Hoffmann-Zweig
André Hoffmann vertritt als Poolsprecher die Besitzerfamilie. Er ist Vizepräsident des Verwaltungsrats von Roche, dem er seit 1996 angehört. Er wohnt in Vaux-sur-Morges oberhalb des Genfersees. Er ist im Natur- und Artenschutz stark engagiert. Seine Schwester Vera ist im Verlagsbereich tätig. Maja ist Kunstsammlerin. Neu sind sämtliche sieben Kinder der fün?en Generation in den Familienpool aufgenommen worden.

Diese DNA, die Rolle als Bewahrer der Familientradition, betont auch Duschmalé: «Meine Tanten und meine Onkel haben die gleiche Sozialisation erfahren wie meine Mutter.» Und Roche habe ja auch eine grosse Verantwortung.

Als er zum dritten Mal im Gespräch fast gebetsmühlenartig den Satz von der Rolle der Firma, «auf nachhaltige Weise wissenschaftliche Topleistungen umzusetzen, um für Patienten lebensverbessernde Therapeutika und Diagnostika zu entwickeln», wiederholt und merkt, dass das schon etwas einstudiert tönt, schiebt er nach: Das meine er übrigens wirklich so.

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André Hoffmann: Er vertritt den Hoffmann-Zweig im VR. Als Vizepräsident ein Schwergewicht.

Quelle: Lukas Lienhard
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Andreas Oeri: Der Arzt vertrat fast 25 Jahre lang den Oeri-Zweig im VR. Seine Rolle galt als eher marginal.

Quelle: ZVG
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Grosser Aktienbesitz

Die Aufgabe, die Familie zusammenzuhalten, ist nicht einfach. Der Oeri-Zweig wirkt deutlich weniger kompakt als der Hoffmann-Zweig. Denn vor Maja ist im Jahr 2009 bereits Beatrice aus dem Pool ausgetreten – und hat sich von ihren Aktien getrennt. Ihre Anteile wurden allerdings vom restlichen Familienzweig übernommen und in den Pool eingebunden.

Da im Zuge der Einbindung der Anteile von Beatrice damals neu Jörg und Lukas Duschmalé imPool aufgenommen wurden, vermuten Beobachter, dass ein Grossteil der Aktien durch die Duschmalé-Familie übernommen worden sei.

Die Aufteilung der Aktien innerhalb des Pools ist ein strikt gehütetes Geheimnis. Er könne darüber keinerlei Auskunft geben, gibt sich auch Jörg Duschmalé in dieser Frage kurz angebunden. Ja, er sei auch persönlich Aktionär von Roche, doch wie gross die Zahl seiner Anteile sei, gebe er nicht bekannt.

Intime Kenner des Pools schilderten gegenüber BILANZ, dass die rund 50 Prozent bei der Erbfolge genau hälftig in die zwei Familienzweige eingebracht und dann anteilsgerecht auf die jeweiligen Köpfe im Zweig verteilt worden seien. Für die Plausibilität dieser Lösung spricht die Tatsache, dass der einzig genau ausgewiesene Anteil der fünf Oeri-Geschwister, die fünf Prozent der ausgetretenen Maja, exakt diesem Konzept entspricht.

«Wir zeigen damit: Die Familie steht weiter hinter der Firma, auch in Zukunft.»

Die restlichen 20 Prozent der Oeris verteilen sich nun nur noch auf die drei Familien von Andreas Oeri, Sabine Duschmalé und Catherine Oeri. Der Wert in den Händen von Sabine, Jörg und Lukas Duschmalé liegt damit je nach Anteil der von Beatrice Oeri übernommenen Aktien zwischen 2,6 und 5,2 Milliarden Franken. Doch das Vermögen ist nur das eine – hinzu kommen noch Jahr für Jahr üppige Dividendeneinnahmen. 648 Millionen werden es dieses Jahr für den gesamten Pool sein, für die Duschmalés fallen zwischen 72 und 144 Millionen ab.

Wie ist es, im Wissen aufzuwachsen, per Geburt schon Milliardär in spe zu sein? Wie motiviert man sich angesichts der jährlich einfliessenden Dividenden-Millionen überhaupt für eine berufliche Tätigkeit, statt einfach das Leben in Saus und Braus zu geniessen?

Eigene Zeichen setzen

Jörg Duschmalé denkt lange nach und sagt dann: «Jeder Mensch muss ein eigenes Selbstwertgefühl aufbauen. Aus eigenen Leistungen und nicht einfach aufgrund einer ererbten Situation.» Für ihn sei die Naturwissenschaft dieses Feld, wo er sich habe bewähren und beweisen wollen.

Auch andere Sprösslinge der fünften Generation setzen eigene Zeichen. André Hoffmanns ältester Sohn hat in Grossbritannien Mathematik und Physik studiert und unter anderem beim Schweizer Duftstoffhersteller Givaudan in Singapur gearbeitet, der Zweitgeborene, Frederic, hat das Studium beendet und tüftelt an New-Food-Projekten. Die Tochter von André Hoffmanns Schwester Vera, Kasia, ist als Kunstgaleristin tätig.

Der Kontakt unter den Sprösslingen der fünften Generation sei weniger eng als in der Generation vorher, sagt Duschmalé: «Im Gegensatz zu unseren Eltern haben wir Jungen keine gemeinsamen Grosseltern und damit verbundenen Kindheitserlebnisse.»

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Man schaue daher, dass man sich so oft wie möglich sehe, und pflege untereinander einen lockeren Umgang. Beim alljährlich vor der Bekanntgabe der Roche-Jahreszahlen stattfindenden Pooltreffen etwa tausche man sich aus und bringe auch sich wieder auf den neuesten Stand in Familiensachen. Zusätzliche Treffen dienen der Meinungs- und Beschlussfindung und der Einigung auf eine gemeinsame Linie. Die Leitung dieser Meetings wechselt von Jahr zu Jahr und ist unabhängig von der Rolle des Sprechers. Kontroverse Diskussionen gebe es selten, sagt Duschmalé.

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Ein paar illustre Namen: Der Verwaltungsrat von Roche. Neu dazu kommen Jörg Duschmalé und Patrick Frost. 

Quelle: Bilanz

Als Vertreter der Familie ist ihm ein gewichtiger Platz im VR sicher

Für ihn steht jetzt die Vorbereitung auf seine neue Rolle im Vordergrund. Er hat daher letztes Jahr seine Forschertätigkeit bei Roche eingestellt. Seither habe er unter anderem mehrere Fortbildungskurse über Corporate Governance, Controlling und Strategie besucht und viele Unterlagen studiert.

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Er habe zudem bereits als Beisitzer an einzelnen Verwaltungsratssitzungen teilnehmen können, wodurch er die zukünftigen Kollegen im Rat schon etwas kenne. Auch wenn sein beruflicher Rucksack noch etwas leicht wirkt, ist ihm als Vertreter der Familie ein gewichtiger Platz im Verwaltungsrat sicher. «Ich habe viel Respekt vor der Aufgabe, freue mich aber auch darauf», sagt er.

Ein Vorteil für ihn ist möglicherweise, dass Vorgänger Andreas Oeri keine allzu grossen Fussstapfen hinterlässt. Oeris Rolle war im Gegensatz zu jener von André Hoffmann stets marginal. Aus dem Umfeld des Verwaltungsrats legte man Oeri in der Vergangenheit gar nahe, sein Englisch mit Kursen zu verbessern – im Roche-Verwaltungsrat wird seit Jahren Englisch gesprochen. Für Jörg Duschmalé, der die meisten seiner wissenschaftlichen Studien in Englisch verfasste, wohl kein Problem.

Die Gravitas von Duschmalé wie auch von Hoffmann basiert auf der realen Macht desBesitzers, die die beiden verkörpern: «Der Familienpool beeinflusst massgeblich, wer imVerwaltungsrat sitzt, weil wir die Generalversammlung kontrollieren», hat Hoffmann in einem Gespräch mit BILANZ vor einigen Jahren betont. Es sei im Grunde «die eigentliche und einzige Macht» des Aktionärs. Die Familie weiss sehr wohl um ihre Bedeutung – und zeigt mit Duschmalés Eintritt, dass sich daran zumindest eine weitere Generation lang nichts ändern soll.