Seit Juli mussten die 3900 Angestellten der Privatbank Julius Bär auf die Details warten. Jetzt wurde intern der Schleier gelüftet. Unter dem Titel «Organisation Structure for the Investment Products Division of Bank Julius Baer» verschickten die Bereichsleiter David Solo (Asset Management) und Alex Widmer (Private Banking) ein dreiseitiges Schreiben und ein Organigramm. Die wegen der Bekanntheit ihres Chefs auch «Wittmann-Laden» genannte neue Division sei «ein wichtiger Meilenstein in der Evolution von Julius Bär», die «signifikantes Wachstum und Gewinne» für «Kunden, unser talentiertes Personal und unsere Aktionäre» generieren werde.

*Schlüsselpositionen Vertraute*
Ins Auge stechen die Grösse der Division, die breite Führung und die vielen Manager, die ihrem Chef von Clariden Leu zur Konkurrenz folgen. Der Reihe nach:
• Erstens: Die neue Produktefabrik von Julius Bär basiert auf den zwei bisherigen Einheiten Wealth Management Services (im Private Banking) und dem europäischen Asset Management (bei David Solo). An beiden Orten arbeiten heute je rund 250 Personen. Wie viele es in Zukunft sein werden, sei offen, sagt Julius-Bär-Sprecher Jan Bielinski. Es handle sich um «klassisches Work in Progress». Klar ist, dass das amerikanische Asset Management nicht integriert wird, obwohl auch dieses ausschliesslich Julius-Bär-Produkte vertreibt. Man halte sich im US-Geschäft alle Optionen offen, sagt Bielinski.
• Zweitens: Zwölf operativ tätige Manager rapportieren direkt an Beat Wittmann. Hinzu kommen ein Stabschef, ein Chief Investment Officer und eine Supportstelle mit zwei Köpfen. Zudem hat sich der Chef einen Direktzugang zur Medienstelle gesichert.
• Drittens fällt die dominante Rolle für sieben Wittmann-Leute auf, die dem Sohn des streitfreudigen Ökonomieprofessors und Buchautors Walter Wittmann von der Clariden Leu, einer Privatbankentochter der Credit Suisse, zur Konkurrenz folgen. In der neuen Organisation sind sie zuständig für einen Teil der Aktienprodukte, Währungsanlagen, Fixed Income (Festverzinsliche wie Obligationen), das so­genannte Produktemanagement und die Produkteentwicklung. Ein ­weiterer Wittmann-Mann findet sich im Stab. Wo Richard Loretan, der bei Clariden Leu für die strukturierten Produkte zuständig war, in der neuen Bär tätig sein wird, geht aus dem Organigramm nicht hervor.
Von einem Überhang will Unternehmenssprecher Bielinski nichts wissen: «Das Verhältnis zwischen Bisherigen und Neuen auf Vorgesetztenstufe finde ich in diesem Fall gesund.» Die Division Investment Products sei für die Zukunft der grössten reinen Schweizer Vermögensverwaltungsbank entscheidend. «Hier entstehen unsere Anlageprodukte, hier ist das Kompetenzzentrum für Portfolio Management und Research.»